Amigo

Das spanische oder portugiesische Wort für ‚Freund‘. In der bayerischen Politik ein Synonym für Vetternwirtschaft oder Nepotimus (von lateinisch nepos, das sowohl ‚Neffe‘ als auch ‚Enkel‘ bezeichnet). Und genau hier liegt das Problem. Denn der A. ist in der derzeitigen Debatte ein Euphemismus: Es geht nicht um die Bevorzugung von Freunden oder von Verwandten zweiten bis vierten Grades, was moralisch anstößig ist, aber in vielen Fällen gar nicht verboten und für viele Politiker sowieso normal. Ja dieses Konzept ist im Begriff „Parteifreund“ geradezu institutionalisiert. Es geht im bayerischen Landtag derzeit vielmehr darum, dass Politiker durch die Beschäftigung von Verwandten ersten Grades (Ehepartnern, Kindern, Eltern) in die eigene Tasche wirtschaften. Denn in den bekannt gewordenen Fällen gehören die Begünstigten zur Zugewinngemeinschaft des Mandats- oder Amtsträgers. Somit handelt es sich nicht darum, einen anderen zu begünstigen und vielleicht einem Freund oder A. zu helfen. Sondern darum, sich noch ein weiteres Gehalt einzustecken.

Abgelegt in: Politik, allgemein

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Reaktionen

8 Reaktionen zu "Amigo"

  1. Clemens sagt:

    Weshalb man diese Art der Korruption unbedingt auf spanisch oder portugiesisch benennen muss und ob das eventuell etwas mit Vorurteilen gegenüber spanisch bzw. portugiesisch sprechenden Kulturen zu tun hat, ist auch eine interessante Frage. Es gibt ja im Deutschen durchaus passende Begriffe wie z.B. den der Vetternwirtschaft. Letzterer trifft es zwar auch nicht ganz in Bezug auf erstgradige Verwandtschaften, aber erscheint zumindest deutlich passender als A..

  2. Jürgen sagt:

    Lieber Martin Haase,

    ich will den Skandal nicht kleinreden und die CSU nicht exkulpieren, meine aber, dass “Amigo” hier kein Euphemismus ist, sondern nur das falsche Wort anstelle von Nepotismus. Ich kann auch nicht erkennen, dass dieses Wort aktuell besonders häufig gebraucht würde, verglichen mit dem Amigo-Skandal unter Max Streibl. Und dort, wo es gebraucht wird, hilft es, an diese nicht so guten alten Zeiten zu erinnern und auf eine Traditionslinie hinzuweisen.

    Als ein in Bayern aufgewachsener Mensch kann ich mich noch gut an den Amigo-Skandal unter dem seligen Max Streibl erinnern, der seinerseits nur ein Abklatsch des seligen Franz-Josef war. Was heute passiert, ist nur ein Abklatsch des Abklatsches, quasi Amigo-System in homöopathischer Verdünnung. Kann man sich nicht vorstellen, aber so haben sich die Zeiten geändert. Ich halte diese milde Form von Nepotismus für weniger gravierend als die alten Seilschaften in der bayerischen Politik. Die heutige CSU konnte etwa die Plagiatsaffären Guttenberg und Stoibertochter nicht verhindern. Sie hatte zuwenig Amigos in der Justiz und den Universitäten.

    Grüße,
    Jürgen

  3. Jürgen sagt:

    Kleine Ergänzung: Die Beschäftigung Verwandter ersten Grades im bayerischen Landtag ist _nicht_ verboten. Im Gegensatz dazu zeichnete sich das bayerische Amigo-System dadurch aus, Freunde (oder Verwandte ab dem zweiten Grad) mit ungesetzlichen, kriminellen Mitteln zu bevorzugen. Markantes Beispiel ist etwa die Zwick-Affäre (um den Bäderkönig und Freund von FJS).

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  6. Velicitas sagt:

    Ein weiterer interessanter Aspekt des Wortes, den man im Artikel beleuten könnte, ist der kulturelle Hintergrund. Durch einen “Amigo”-Skandal wird beständig suggeriert, dass dies im spanischsprachigen oder portugiesischem Raum üblich wäre. Dies passt wieder sehr gut ins Bild der kulturellen Abgrenzung von “Südeuropa”, und manifestiert bestehende Vorurteile.

  7. Nico sagt:

    “Sondern darum, sich noch ein weiteres Gehalt einzustecken.”

    Naja, das finde ich nun etwas unglücklich formuliert, denn es klingt als würde einer arbeiten und doppelt kassieren. Tatsächlich sieht es jedoch so aus dass die dort beschäftigten Ehepartner in der Regel auch arbeiten. Und wenn zwei Leute arbeiten sollten natürlich auch zwei Gehälter fällig werden. Das Problem ist in diesem Fall ein anderes.

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