aussterben

Das A. sagt sich so leicht dahin, dabei stimmt es längst nicht mehr. Einst war es durchaus Teil der Evolution, heute jedoch darf es getrost als Euphemismus gelten, wenn im Zusammenhang mit Artenschutzabkommen von A. die Rede ist. Denn: ist das den Betroffenen einfach passiert? Waren sie an ihrem frühen Ende vielleicht gar selbst Schuld, die armen Trottel? Nein, waren sie nicht, wir waren es. Wir haben sie umgebracht, aufgegessen, verdrängt, verjagt, verschwendet, vernichtet – mit einem Wort: ausgerottet. Selbst der Artenschutz, der Versuch also, das zu verhindern, ist das Wort nicht wert. Geht es doch, wie gerade in Doha, gar nicht um Artenschutz, wenn von ihm die Rede ist, sondern um Geld. Weswegen solche Konferenzen wohl besser Basar heißen sollten.

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Kommentare

9 Reaktionen zu "aussterben"

  1. bundesrainer sagt:

    Interessant ist das A. auch, wenn vom wiederholten “A. der Deutschen” die Rede ist. Dass Nationalitäten sich anders verhalten als Arten wird dabei ebenso vernachlässigt wie eine genauere Bestimmung der Definition von “Deutsche(r)”. Je nachdem wie man hier Maßstäbe setzt, sind die so genannten Deutschen vielleicht schon ausgestorben. ;)

  2. Kai Biermann sagt:

    Danke, gute Ergänzung! Gut möglich, dass sie in den kommenden Tagen zu einem Nachtrag führt.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  3. sofias sagt:

    die meisten spezies sind nicht einfach so verschwunden, sondern wurden von anderen spezies verdrängt. warum soll es, wenn diese andere spezies der mensch ist plötzlich keine evolution mehr sein?

    der sinn des artenschutz ist mir (im gegensatz zum tierschutz) bis jetzt einigermaßen verschlossen geblieben..
    und ich vermute nicht allzuviele befürworter des artenschutzes könnten mir ihn halbwegs stimmig erklären..
    aber zumindest ersteres könnte durchaus an mir liegen..

  4. Biologin sagt:

    zu sofias:

    wollen wir Einfalt oder Vielfalt – letztlich eine Frage subjektiver Wertungen: Wozu eigentlich soll die Biosphäre überleben?

  5. Lisa sagt:

    Ich finde zwar schon, dass das “Aussterben” als Teil der Evolution gesehen werden kann, da “wir” (inklusiv gemeint) es allerdings selbst sind, die verantwortlich dafür sind, sollten wir aussterben eher im Passiv verwenden, z.B “ausgestorben werden” ;)

    Habe noch einen Vorschlag ( das hat mich im letzten Jahr besonders aufgeregt):
    “Umweltprämie”= ein voll funktionsfähiges Auto verschrotten, um ein neues produzieren zu können, wenn man bedenkt, dass die Herstellung soviel Energie schluckt, wie eine 4- köpfige Famile in 20 Jahren im Haushalt benötigt.

  6. Martin Haase sagt:

    @Lisa: vielen Dank! Umweltprämie haben wir schon auf der Liste. Kommt demnächst!

  7. sofias sagt:

    @Biologin

    so wie du es beschreibst ist artenschutz ja wirklich eine rein ästhetische angelegenheit, was ich jetzt nicht so ganz glaube.

    abgesehen davon glaub ich nicht das es sehr realistisch ist eine drohene biologische uniformität vorrauszusagen.. mit jeder ausgestorbenen spezies entsteht doch raum für neue spezialisierung, oder nicht?

    außerdem währe es, wenn artenvielfalt an sich ein wert ist, dann nicht eine gute idee überall neozoen und genetisch gebastelte tiere auf die ‘natur’ loszulassen? bisher ist mir noch keine derartige forderung aufgefallen..

  8. Biologin sagt:

    @sofias

    bitte nicht von Dir auf andere schließen: MEINE subjektive Wertung beruht zum geringsten Teil auf dem rein ästhetischen Aspekt!

    Zu Deinem Glaubenssatz betr. Uniformität: Raum für die Entstehung neuer Arten schaffen wir durch unseren Ausrottungs-Kahlschlag sicher, aber Evolution braucht auch Zeit!
    Wenn Du Neozoen/-phyten auf Asphalt oder auf den Acker setzt, dann sind sie schnell genauso tot/platt wie die einst an gleicher Stelle heimische Flora und Fauna. Setzt Du sie in einen Nationalpark, sind sie in der Regel nach paar Jahren verschwunden, oder sie entwickeln sich zu einer Bedrohung der dort heimischen Arten; letzteres gilt z.B. für die Kaninchen und die Aga-Kröte in Australien oder den amerikanischen Flußkrebs in unseren Fließgewässern. Deswegen plädiert auch kein der natürlichen Artenvielfalt verpflichteter Mensch für z.B. die sog. “Freisetzung” von gentechnisch veränderten Sorten oder nicht heimischen Arten. Das Risiko, damit Aussterbeprozesse zu beschleunigen ist viel größer als die Chance einer “Bereicherung”. Sicher ist es nicht ausgeschlossen, daß ein stotternder Automotor besser läuft, nachdem man mal feste mit’m Hammer draufgedonnert hat, aber wer will das schon zur Standard-Reparaturmethode erheben!

  9. Semper idem sagt:

    @sofias

    “… mit jeder ausgestorbenen spezies entsteht doch raum für neue spezialisierung, oder nicht?”

    Ja, und je mehr Spezies aussterben, um so “interessanter” werden die Zeiten. Die meisten aussterbenden Arten ziehen andere mit sich.
    Auf der anderen Seite gibt es Profiteure (u.a. auch gerne Krankheiterreger), welche den freiwerdenden Raum für neue Spezialisierung nutzen – das ist richtig. Die können sich dann mitunter massenhaft vermehren – und damit eine Menge weiterer Spezies in Bedrängnis bringen.
    (Darunter können dann, wenn wir Pech haben, auch Arten sein, die für uns Menschen wichtig sind – Nahrungspflanzen zum Beispiel.)

    Da wir Menschen immer noch nur einen relativ kleinen Einblick in diese mitunter sehr komplexen Ereignisketten haben, können wir die zukünftigen Entwicklungen auch kaum abschätzen: Es ist mit jeder Menge unangenehmer Überraschungen zu rechnen.

    Unter diesen Umständen ist wohl die klügere Strategie, soviel vom Status quo zu erhalten wie möglich.