berufsqualifizierend

Wie gut klingt es, wenn ein Studienabschluss b. ist! Leider stimmt es nicht, jedenfalls nicht im Wortsinn, denn ein Studienabschluss wie der Bachelor qualifiziert nicht für einen Beruf, sondern qualifiziert eher allgemein, so dass man danach einen Beruf erlernen kann, für den mehr als nur das Abitur benötigt wird. Treffender wäre also die Bezeichnung einstellbar. Und siehe da: b. ist die deutsche Übersetzung für englisch employable, was in der Tat nicht mehr und nicht weniger heißt als ‚einstellbar‘. Das englische Wort wird daher auch im Deutschen gern als Ersatz für b. verwendet. Dummerweise ist der Gebrauchskontext und damit die genaue Bedeutung in Großbritannien aber eine andere: Dort wird es nämlich im Bereich von Sozialmaßnahmen für Jugendliche verwendet, die eben weil sie psychisch oder sozial auffällig sind, nicht einstellbar sind. Da sind wir dann wieder weit vom deutschen Hochschulwesen weg, denn bei aller Kritik wird niemand ein Bachelorstudium als psychisch-soziale Maßnahme ansehen.

Dieser Text erschien zuerst in unserem Buch „Sprachlügen: Unworte und Neusprech von ,Atomruine‘ bis ,zeitnah‘“

Abgelegt in: Bildung

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Reaktionen

4 Reaktionen zu "berufsqualifizierend"

  1. janwo sagt:

    Richtig böse wird diese Fehlanwendung aber erst dadurch, dass das Wort eine Zentrale Rolle beim BAFöG-Geld und dessen Verweigerung spielt.

  2. peepingtom sagt:

    Der Forschungsbereich – zu dem im weitesten Sinne auch die Universitäten gehören – ist sehr wohl eine psychisch-soziale Maßnahme und zwar für die Betreiber.
    Dieser Bereich wird auch gern als “dritter Arbeitsmarkt” bezeichnet.
    Sollen die Forscher doch hier harmlose Dinge erforschen bevor Sie on “Schurkenstaaten” Atombomben bauen.

  3. Sabine sagt:

    Wie janwo schon anmerkt, geht es bei ‘berufsqualifizierend’ um rechtliche Ansprüche bzw. Konsequenzen, auch hinsichtlich der beruflichen Einstufung. Dass Hochschulabschlüsse (bisher war’s das Diplom) als ‘berufsqualifizierend’ gelten, ist ein besonderes Markenzeichen des deutschen Bildungssystems, und entsprechend hart umstritten ist die Frage, ob der neue Bachelor diesem Anspruch gerecht wird oder ihn nur vortäuscht. Das scheint vor allem eine spezifisch deutsche Debatte zu sein, unabhängig vom international diskutierten Problem der ‘employability’, das auf die berufliche Bildung gerichtet ist.

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