Ehrensold

Gemeint ist die lebenslange Rente für Bundespräsidenten, die das Amt nicht mehr ausüben. Gesagt wird mit dem E. aber etwas anderes. Denn der Sold geht zurück auf das lateinische Solidus. Das war eine römische Goldmünze, die Legionären als Lohn für jeweils vier Monate Dienst überreicht wurde – solange sie dienten. Ein Sold ist daher bis heute allein die Entschädigung für kriegerische Tätigkeiten. Die Bezeichnung Soldat und Söldner leitet sich direkt von ihr ab. Der Bundespräsident ist kein Krieger und hoffentlich auch kein von jeder Seite käuflicher Söldner (die meisten Bundespräsidenten zumindest). Daher steht ihm eigentlich auch kein Sold zu, weswegen seine Bezüge, solange er amtiert, auch genauso heißen: Bezüge. Die Rente der Nummer eins des Staates sollte jedoch offenbar schicker klingen. Daher griffen die Wortschöpfer, die sie im Gesetz über die Ruhebezüge (sic!) des Bundespräsidenten festlegten, auf den Trick mit dem E. zurück. Den Ausdruck gibt es schon länger – als eine lebenslange Beigabe zu einem Orden. Auch Orden werden als Ausdruck der Verehrung verliehen, als Belohnung für besondere Taten oder Dienste, vornehmlich an Soldaten, gerne auch an tote. Der E. also ist eine ehrende Anerkennung für kriegerische Leistungen. Mit dem Ergebnis, dass die eher banale Bundespräsidentenrente nun fest verbunden ist mit dem Konzept Ehre und mit herausragendem Betragen. Dumme Sache, wenn dann ein Bundespräsident mal nicht ganz so ehrenhaft sein Amt verlässt. Das kommt davon, wenn man hochgestochen daherredet.

Abgelegt in: Politik, allgemein

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Kommentare

4 Reaktionen zu "Ehrensold"

  1. Veit sagt:

    Nicht nur der Bundespräsident wird besoldet: http://de.wikipedia.org/wiki/Besoldung

  2. Pardel sagt:

    Ruhebezüge? Merkwürdig: Ich dachte, Bundespräsidenten ruhen sich nicht auf Kissen, sondern auf Lorbeeren aus. Nur machmal verleihen sie davon ein silbernes Blatt an einen Sportler.

  3. Pingback von:

    Blogspektrogramm 52/2012 – Sprachlog
  4. Mitdenker sagt:

    Nochmal zu unserem gefallenen “Helden”:
    Unstreitig dürfte sich die Bevölkerung einig sein, daß der Wulff keinerlei EHREnsold verdient. An Dreistigkeit nicht zu überbieten war dessen Ankündigung gegen die mögliche Aberkennung desselben auch noch juristisch vorzugehen. Offenbar mit großem Erfolg:
    Was auch mich in Rage bringt, ist daß der Typ für sein Versagen auch noch 18.000 Euro (in Worten achtzehntausend!!!) allein für 2013 mehr bekommt.
    Verdient hätte er was anderes!
    Der kleine Mann jedoch, der versehentlich mal vergisst nur den Zeitpunkt -des bereits zuvor mitgeteilten Zuflusses- dem Jobcenter mitzuteilen, bekommt gleich ein Bußgeldverfahren aufgebrummt und wird vor´s Amtsgericht gezerrt!
    Wegen einem Muckenfurz der nicht mal 0,xx Promille von Wulffs Gehalt beträgt!
    Steht nicht im GG was drin, daß wir die Pflicht hätten gegen jede Elemente Widerstand zu leisten, die es unternehmen die freiheitlich demokratische Grundordnung abzuschaffen?
    Die wurde doch schon längst beseitigt. Und wir Fußvolk machen Lemmingen gleich alles obrigkeitshörig mit. Klar daß wir damit keinen Blumetopf gewinnen!