Über das Blog

„Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor anderen, sei es vor sich selber, auch was er unbewusst in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag.“ Den Satz schrieb Victor Klemperer, der in seinem Notizbuch eines Philologen die LTI, die Lingua Tertii Imperii oder Sprache des Nationalsozialismus erforscht und an ihr dessen Ziele offengelegt hat. George Orwell propagierte in seinem Buch 1984 gar die Möglichkeit, durch „Neusprech“, durch gezielte Wortschöpfungen, das Denken selbst zu beeinflussen. Und Joseph Putlitzer forderte: „Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie vor aller Augen lächerlich. Und früher oder später wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Bekannt machen allein genügt vielleicht nicht – aber es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen.“

Die Prämisse dieser Menschen gilt heute, im Zeitalter der Massenmedien und der politischen PR umso mehr. Oder, wie Howard Dean im Vorwort zu don’t think of an elephant! von George Lakoff schreibt: Language matters, Sprache ist wichtig.

Warum also nicht untersuchen, mit welchen Worten Politiker ihre wahren Ziele vernebeln, warum nicht aufschreiben, was all die so selbstverständlich verwendeten sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen wirklich bedeuten?

Geboren wurde die Idee von Martin Haase, der Ende 2008 beim 25. Kongress des Chaos Computer Clubs darüber einen Vortrag hielt. Gewachsen ist sie in einem Text dazu, den Kai Biermann Anfang 2009 bei ZEIT ONLINE schrieb. Beschlossen, daraus ein gemeinsames Blog zu machen, wurde es von beiden im Frühjahr 2010 via SMS.

Und so entsteht hier seitdem, wie die Jury des Grimme Online Awards schrieb, „ein Lexikon der Un-Begriffe“ und „hilft dabei dem Denken auf die Sprünge“.