Es wächst wieder zusammen: Neusprechfunk 8 als Crossover

In leicht abgewandelter Runde haben wir uns zu einem weiteren Crossover aus Staatsbürgerkunde und Neusprechfunk zusammengefunden. Der fabulöse Martin Fischer, der gerade für einen Grimme-Online-Award nominiert wurde, ist also unser Gast.

Es gibt viel zu besprechen, sowohl Aktuelles als auch Vergangenes: Wir reden über die vorletzte Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“:

gerbergasse

Denn es gibt darin einen Artikel zur Sprache der Stasi, der sich mit der sprachlichen Verschleierung, Schmähwörtern und der gezielten Benutzung bestimmter Wörter und Phrasen durch den ostdeutschen Geheimdienst auseinandersetzt:

bilde schreiber stasi-sprache

Der Ausschnitt ist aus dem Heft 77 „Sprache in der Diktatur“ ebenjener Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik Gerbergasse 18, wo anhand einiger Textbeispiele der Sprachstil der Stasi analysiert wird.

Wir haben außerdem typische Losungen des Arbeiter- und Bauernstaats besprochen, was zu einiger Heiterkeit führte. Diese Losungen waren Appelle an die Bevölkerung, oft in Befehlsform, entsprechend das Ausrufezeichen zumeist nicht optional. Wir wollen nicht alle Parolen vorwegnehmen, aber ein Beispiel wäre: Es lebe der feste und unzerstörbare Bruderbund zwischen der DDR und der Sowjetunion! Oder:

arbeite mit

Wer sich obiges Beispiel betrachtet, entdeckt vielleicht links oben eine Frau mit gewisser Ähnlichkeit zu einer ausgesprochen prominenten heutigen Politikerin, deren Losung „Wir schaffen das!“ Thema unzähliger Diskussionen war. Das Motiv findet sich bei der „Gerbergasse 18“ wieder:

rueckseite gerbergasse

Die Losung „Alles zum Wohle des Volkes – das schaffen wir!“ (Rückseite der „Gerbergasse 18“, Ausgabe 4/2015, Heft 77) konnten wir natürlich nicht unkommentiert lassen. Wer sich nicht sicher ist: Ob die abgebildete Person tatsächlich die junge Angela Merkel ist, lösen wir im Podcast auf.

Ein weiteres Thema des Neusprechfunk 8 (mp3) ist das Buch „Die Sprache der Stasi. Ein Beitrag zur Sprachkritik“:

sprache der stasi

Das Buch ist leider vergriffen, es gibt aber eine lesenswerte Rezension.

Vom Geheimdienst zur Einheitspartei ist der Weg nicht weit, die Verzahnung von SED und Stasi war und ist ja kein Geheimnis. Deswegen reden wir im Podcast auch über Politik und Medien in der DDR und darüber, wie die SED in der Endphase vor dem Mauerfall versuchte, die Werktätigen von ihrer Dialogwilligkeit zu überzeugen. Wer die von uns im Gespräch vorgetragene Definition aus der Berliner Zeitung nochmal durchlesen möchte, sei auf das folgende Foto verwiesen. Unter dem Titel „Wo wir Mängel selbst aufdecken, kann sich kein Gegner einnisten“ werden die lebensverbundenen Medien so beschrieben:

lebensverbundene medien

Der Artikel um eine Diskussion mit DDR-Politbüro-Funktionär Günter Schabowski schaffte es sogar auf die Titelseite der Berliner Zeitung (vom 17. Oktober 1989, Einzelpreis: fünfzehn DDR-Pfennig).

berliner zeitung 1989

Wir sprechen bei der Gelegenheit auch über den innerparteilich als Reformer geltenden Schabowski am Beispiel seiner Rede auf der Großdemo am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz, die vom Fernsehen der DDR live übertragen wurde. Die große Mehrheit der Teilnehmer der Demo sahen ihn eher als Apparatschik und buhten ihn nach Kräften und anhaltend aus.

Wir reden außerdem über:

Den Neusprechfunk 8 gibt es als mp3, alternativ bieten wir auch die ogg-Version von Neusprechfunk 8 an. :}

Play
Abgelegt in: Neusprechfunk

Hinterlasse eine Antwort

Reaktionen

9 Reaktionen zu "Es wächst wieder zusammen: Neusprechfunk 8 als Crossover"

  1. Andre sagt:

    Ich vermute, dass es nicht Absicht ist, dass der Podcast nicht im Podcast-Feed auftaucht. Das würde jedenfalls helfen, damit Podcatcher den finden

  2. Mario sagt:

    Sehe die Folge im Feed nicht :(

  3. Constanze Kurz sagt:

    Hrm, stimmt, muss ich leider erst Maha oder Kai anhauen.

  4. Jan sagt:

    Wie kommt ihr denn auf den Zusammenhang zwischen Kain und Abel und dem Linsengericht? Das Linsengericht kommt doch an ganz anderer Stelle vor.

  5. Daniel sagt:

    Kleiner Fauxpas für die nicht ganz so Bibelfesten: Das Linsengericht hat mit Kain und Abel nichts zu tun, das ist die Geschichte von Jakob und Esau – die sich im Anschluss auch nicht umbringen, sondern der eine kauft dem anderen sein Erstgeburtsrecht mit einem Linsengericht ab. ;)

  6. das-pearl sagt:

    Ich finde es sehr schade, dass ihr nicht auch die Antrittsrede von Theodor Heuss der Antrittsrede Wilhelm Piecks gegenübergestellt habt. Auch wenn ich die DDR-skeptik eines maha verstehe, so halte ich Heuss‘ rede nicht minder schwer zu lesen.

    Wenn ihr euch aus dem Fenster lehnt in historischen Belangen, dann doch bitte mit den Blick auf Daten und Fakten. Die BRD wurde durch Verkündigung des Grundgesetztes am 23./24. Mai 1949 gegründet. Die Verfassung der DDR und deren Staatsgründung wurde am 7. Oktober 1949 vollzogen. Dem voraus gegangen waren unterschiedliche politische Entscheidungen des Westens gegenüber dem Osten. Wenn man andere Daten betrachtet, wurden viele Grundsteine der deutsch-deutschen Teilung in den westlichen Besatzungszonen gelegt (Währungsreform, Militärgründung).

    Die DDR mit all ihren Schlechtigkeiten und Verbrechen am eigenen Volke ist am Ende mit ein Produkt des Westens. Viele guten Dinge (im Staatsbürgerkunde-Podcast hier und da erwähnt) wurden pauschal abgeschafft. Bildungs- und Sozialpolitik der DDR waren der westdeutschen in einigen Belangen der des Westens weit voraus. Ideologisch bzw. inhaltlich ist vieles aus dem Osten nicht akzeptabel. Jedoch war nicht alles schlecht. Und wie Constanze sagte, für ganz viele Deutsche des Ostens war es eine Annexion denn eine Vereinigung. Hierzu empfehle ich von Ursula Lehmann-Grube das Buch (falls ihr irgendwie ran kommt) „Als ich von Deutschland nach Deutschland kam“. Bei einer Lesung sagte sie, dass selbst sie als Westdeutsche den Hass der Ostdeutschen auf Westdeutsche mittrugen. Denn wie sich (politisch wie wirtschaftlich) die neuen Bürger hier aufführten ist wirklich unverständlich.

    Ergänzend zur Verflechtung SED und PDS bzw. dieLinke: Gysi sagte mal, wenn die PDS nicht gegründet worden wäre, wäre auch deren Vermögen weg gewesen. Die Politiker der SED hätten ohne Gelder da gestanden. Auch hier wird häufig vergessen zu erwähnen, dass die Ost-CDU in eine gesamtdeutsche CDU überging (mit deren Vermögen) und die Liberalen (LPD, NDPD) gingen in der FDP auf.

    Links:
    http://www.kas.de/wf/de/71.7356/
    http://www.amazon.de/Als-ich-von-Deutschland-nach/dp/3937146660/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Bundesrepublik_Deutschland_%28bis_1990%29
    https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Deutschen_Demokratischen_Republik

  7. Kai Biermann sagt:

    Jetzt müsste es gehen. lg k

  8. Rosa Merzmann sagt:

    Moin, es gibt ein Kabarett in Leipzig, die Akademixer, welches schon zu DDR-Zeiten über „Neudeutsch für DDR-Bürger“ sprach. Ich hatte von denen mal eine Kassette, leider ist sie nicht mehr auffindbar. Mir ist folgendes hängengeblieben: „Die sozialistische Schülerpersönlichkeit und Vertreter der heranwachsenden jungen Generation beteiligen sich erfolgreich an der verlustlosen Einbringung der Hackfruchternte.“
    Na was heißt das wohl übersetzt? ?