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	<description>Sprache bringt es an den Tag</description>
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		<title>Verfassungsschutz</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 10:02:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Biermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Staatliche Einrichtung, deren Aufgabe es ist, wie es im zuständigen Gesetz heißt, Informationen über Bestrebungen zu sammeln, die sich gegen die „freiheitliche demokratische Grundordnung“ richten. Der V. soll also dafür sorgen, dass hierzulande niemand Verschwörungen mit dem Ziel plant, unsere im Grundgesetz verankerten Rechte abzuschaffen. Davon gibt es eine ganze Menge. Das Brief- und ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Staatliche Einrichtung, deren Aufgabe es ist, <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/bverfschg/index.html" target="_blank">wie es im zuständigen Gesetz heißt</a>, Informationen über Bestrebungen zu sammeln, die sich gegen die „freiheitliche demokratische Grundordnung“ richten. Der <em>V.</em> soll also dafür sorgen, dass hierzulande niemand Verschwörungen mit dem Ziel plant, unsere im Grundgesetz verankerten Rechte abzuschaffen. Davon gibt es eine ganze Menge. Das Brief- und das Postgeheimnis etwa, die Unverletzlichkeit der Wohnung, die Rede- und Demonstrationsfreiheit, das Vertrauen in die Sicherheit von Computern – nur um ein paar Beispiele zu nennen. Im Prinzip eine tolle Idee. Leider kann der <em>V.</em> das offensichtlich nur, indem er heimlich Briefe und Mails liest, Telefonate belauscht, in Wohnungen einbricht, beobachtet, wer wofür demonstriert und Computer verwanzt. Nur um ein paar Beispiele zu nennen. Aber schließlich können Verfassungsschützer ja „nicht ständig das Grundgesetz unter dem Arm tragen“, wie der damalige Bundesinnenminister <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_H%C3%B6cherl" target="_blank">schon 1963 wetterte</a>, nachdem bekannt geworden war, dass der <em>V.</em> alle möglichen Leute abgehört hatte. Siehe beispielsweise auch: <em><a href="http://neusprech.org/grundrechtsschonend/" target="_blank">grundrechtsschonend</a></em>. Und selbstverständlich kann der V. auch nicht <a href="http://www.dradio.de/nachrichten/201201271000/2" target="_blank">jeden dahergelaufenen Bundestag darüber informieren</a>, welche Bundestagsmitglieder dazu gerade von ihm bespitzelt werden. Oder? Offensichtlich handelt es sich bei dieser Institution entweder um eine Fehlkonstruktion, oder um eine unkorrekte Bezeichnung. Da wir an das erste einfach nicht glauben wollen – denn wer würde schon die Schützer des Rechts außerhalb desselben stellen und sie damit jeder Kontrolle entziehen –, war es hoffentlich wohl nur eine schlampige Benennung. Gemeint war sicher nicht <em>V.</em>, sondern Inlandsgeheimdienst.</div>
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		<title>Wachstumsdelle, vorübergehende</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 09:26:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Biermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gelegentlich beschleicht uns der Verdacht, dass Politiker mit ihren Wortschöpfungen nicht nur den Wählern, sondern auch sich selbst etwas vormachen wollen. Wenn beispielsweise der Wirtschaftsminister mitten in einer weltweiten Schuldenkrise von einer W. spricht, kann das eigentlich nur ein Ausdruck verzweifelter Hoffnung sein. Das wird schon durch die Verwendung des Wortes Delle deutlich, das ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gelegentlich beschleicht uns der Verdacht, dass Politiker mit ihren Wortschöpfungen nicht nur den Wählern, sondern auch sich selbst etwas vormachen wollen. Wenn beispielsweise der Wirtschaftsminister mitten in einer weltweiten <em>Schuldenkrise</em> <a href="http://www.bundestag.de/presse/hib/2012_01/2012_022/01.html" target="_blank">von einer <em>W.</em> spricht</a>, kann das eigentlich nur ein Ausdruck verzweifelter Hoffnung sein. Das wird schon durch die Verwendung des Wortes <em>Delle</em> deutlich, das eine flache Vertiefung in einer sonst makellosen Oberfläche bezeichnet; man denkt unwillkürlich an einen kleinen Kratzer an seinem Auto. Dieses aus der Umgangssprache entlehnte Wort wird in einem Terminus technicus verwendet, noch dazu in Verbindung mit dem Partizip <em>vorübergehend</em>. Das <em>Wachstum</em> der Wirtschaft, soll das bedeuten, sei ausgerechnet jetzt für einen kurzen Moment nicht so großartig, sonst aber ganz prima – sozusagen die lästige Folge eines kleinen Unfalls. In einer Zeit, in der einige europäische Länder kaum noch in der Lage sind, <a href="http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-01/Euro-Krise-Absturz-Zinsen" target="_blank">die Zinsen für ihre Schulden zu bezahlen</a>, klingt das, sagen wir, mutig. Oder wie der Versuch, sich selbst die Situation schön zu reden. Allerdings hat der Wirtschaftsminister nicht weit genug gedacht, sonst hätte er sich den Ausdruck verkniffen. Denn das Sprachbild funktioniert nicht, weil hier ein beredter Metaphernkonflikt vorliegt: Eine <em>Delle</em> geht nicht von selbst wieder weg, wie das intransitive <em>vorüber- „gehend“</em> suggeriert. Sie muss von jemandem ausgebeult werden. Wenn das <em>Wachstum</em> also tatsächlich eine <em>Delle</em> hätte, wer wäre dann der Richtige, um für ihre Beseitigung zu sorgen? Genau: der Wirtschaftsminister. Nun, wir sind gespannt, vielleicht hat er ja ein paar <a href="http://neusprech.org/eckpunkte/" target="_blank"><em>Eckpunkte</em></a>, um etwas gegen die Krise zu tun.</p>
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		<title>Luftfahrtsystem, unbemanntes</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 16:10:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Biermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manchmal führt der Versuch, einen Gegenstand so neutral wie möglich zu beschreiben, in die Irre. Oder sagen wir vorsichtiger: in eine völlig neue Richtung. Das unbemannte L. beispielsweise ist gemeinhin als Drohne bekannt. Das Wort meint ursprünglich zwar die männlichen Bienen, allerdings ist es längst als Synonym für jene ferngesteuerten Flugzeuge gebräuchlich, die vom ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal führt der Versuch, einen Gegenstand so neutral wie möglich zu beschreiben, in die Irre. Oder sagen wir vorsichtiger: in eine völlig neue Richtung. Das <em>unbemannte L.</em> beispielsweise ist gemeinhin als Drohne bekannt. Das Wort meint ursprünglich zwar die männlichen Bienen, allerdings ist es längst als Synonym für jene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Unbemanntes_Luftfahrzeug" target="_blank">ferngesteuerten Flugzeuge</a> gebräuchlich, die vom Militär eingesetzt werden, um Gegner am Boden zu beobachten. Ursprünglich war das eine durchaus treffende Umschreibung, denn wie die männlichen Bienen hatten auch die ersten militärischen Drohnen keinen Stachel. Allerdings gibt es längst Modelle, die Stacheln haben, also schießen können und zum Beispiel für <a href="http://neusprech.org/gezielte-toetung/" target="_blank"><em>Tötungen, gezielte</em></a> eingesetzt werden. Sie müssten, um im Bild zu bleiben, nun Bienen heißen. Ein Vergleich mit den Insekten ist aber offensichtlich nicht länger gewünscht. Die Politik nutzt zur Beschreibung der Geräte nun lieber einen Terminus technicus. Der ist eine Übersetzung aus dem Englischen, wo die Dinger als „<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Unmanned_aerial_vehicle#Unmanned_aircraft_system" target="_blank"><em>unmanned aircraft system</em></a>“ bezeichnet werden. Das erhebt den Anspruch, neutral und präzise zu sein. Dabei lässt der Begriff offen, worum es eigentlich geht, denn er nutzt das Füll- oder Passepartoutwort „System“, das überall passt. So erscheinen die ferngesteuerten Militärgerät geradezu unbedarft, ja harmlos. Der Ausdruck Drohne hingegen, der natürlich nur eine Metapher und damit unscharf war, hatte zumindest einen bedrohlichen Unterton. Darüber, <a href="http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13788515/Drohnen-ueber-Deutschland.html" target="_blank">dass der nun verschwindet</a>, sind viele Politiker sicher nicht traurig. Denn sie planen gerade, <a href="http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/plenarprotokolle/17149.pdf">das eine oder andere Gesetz zu ändern</a>, damit die eigentlich als Kriegsgerät entwickelten <em>L.-e</em> auch von der Polizei eingesetzt werden können, um Menschen zu überwachen. <a href="https://www.eff.org/deeplinks/2012/01/drones-are-watching-you" target="_blank">Nicht nur hierzulande ist das umstritten.</a></p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>V-Mann</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 10:37:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Biermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Umgangssprachliche Abkürzung, eigentlich Vertrauensperson, manchmal auch Verbindungsperson (V-Person). Bezeichnet Kriminelle die bereit sind, dem Staat, insbesondere dem Verfassungsschutz, nützliche Informationen zu überlassen oder wenigstens so zu tun. Als Gegenleistung erhalten sie Geld. Worauf sich das Vertrauen in dieser Wortkonstruktion bezieht, ist nicht ganz klar. Möglicherweise darauf, dass die Angeheuerten Menschen sind, denen vertraut werden ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Umgangssprachliche Abkürzung, <a href="http://www.bravors.brandenburg.de/sixcms/detail.php?gsid=land_bb_bravors_01.c.13218.de" target="_blank">eigentlich <em>Vertrauensperson</em></a>, manchmal auch <em>Verbindungsperson</em> (V-Person). Bezeichnet Kriminelle die bereit sind, dem Staat, insbesondere dem <em>Verfassungsschutz</em>, <del>nützliche</del> Informationen zu überlassen oder wenigstens so zu tun. Als Gegenleistung erhalten sie Geld. Worauf sich das <em>Vertrauen</em> in dieser Wortkonstruktion bezieht, ist nicht ganz klar. Möglicherweise darauf, dass die Angeheuerten Menschen sind, denen vertraut werden kann. <a href="http://www.berliner-zeitung.de/neonazi-terror/neonazi-trio-fahnder-arbeiteten-gegeneinander,11151296,11325660.html" target="_blank">Angesichts diverser Fälle</a>, in denen die Spitzel ihre Geldgeber belogen und täuschten, oder andere gar noch zu Taten anstifteten, statt sie nur auszuspähen, sind daran jedoch Zweifel angebracht. Weshalb das Erstglied des Kompositums wohl eher bedeutet, dass die Geheimdienstler darauf vertrauen müssen, irgendetwas zu erfahren, was ihnen bei der Bekämpfung der Kriminalität nützt. Oder dass sie darauf vertrauen, dass mit ihrem Geld keine neuen Verbrechen begangen werden. Weshalb es sich möglicherweise um eine Antiphrase handelt, also vor allem die Tatsache verschwiegen werden soll, dass diesen Spitzeln besser nicht vertraut werden sollte.</p>
<p>Dass der Wunsch groß ist, das Verfahren sauberer aussehen zu lassen, <a href="http://www.dw-world.de/dw/function/0,,1267070_cid_15636470,00.html" target="_blank">als es wahrscheinlich ist</a>, zeigt auch eine andere Wortkonstruktion: Wenn mal wieder etwas schief gegangen ist, <a href="http://www.lvz-online.de/nachrichten/mitteldeutschland/lieberknecht-bund-und-laender-sollen-v-leute-abziehen--es-muss-alles-auf-den-tisch/r-mitteldeutschland-a-118978.html" target="_blank">wird gern gefordert, die <em>V-Leute</em> <em>abzuziehen</em></a>. Was nahelegen soll, dass sie ordentliche Staatsangestellte oder gar Soldaten sind, die einfach woandershin versetzt werden können. Sind sie aber nicht. Sie sind Kriminelle und niemand kann sie <em>abziehen</em>. Man kann nur aufhören, ihnen Geld zu geben.</p>
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		<title>Partnerschaft, privilegierte</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 09:57:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Haase</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die P. klingt wie eine enge Beziehung zwischen zwei Gleichberechtigten. Im politischen Alltag ist sie jedoch genau das nicht. Sie wird dort vielmehr in Abgrenzung zur Gemeinschaft verwendet. So erfanden konservative Politiker für den Ehewunsch all jener Menschen, die nicht dem kirchlichen Ideal entsprechen, die eingetragene P. Man hätte das Ganze auch einfach Homoehe oder ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <em>P.</em> klingt wie eine enge Beziehung zwischen zwei Gleichberechtigten. Im politischen Alltag ist sie jedoch genau das nicht. Sie <em></em>wird dort vielmehr in Abgrenzung zur <em>Gemeinschaft</em> verwendet. So erfanden konservative Politiker für den Ehewunsch all jener Menschen, die nicht dem kirchlichen Ideal entsprechen, <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/lpartg/index.html" target="_blank">die </a><em><a href="http://www.gesetze-im-internet.de/lpartg/index.html" target="_blank">eingetragene P</a>.</em> Man hätte das Ganze auch einfach Homoehe oder noch simpler Ehe nennen können. Genau das aber sollte auf jeden Fall vermieden werden. Ganz bewusst ist diese <em>P.</em> der Ehe nur „nachgebildet“, sie soll eben nicht gleichrangig sein, sie soll ausgrenzen, nicht integrieren.</p>
<p>Dieses Konzept der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Segregation" target="_blank">Segregation</a> <em></em>(das Gegenteil von Integration), propagieren eben jene Politiker auch, wenn es um Länder geht, die nicht in ihr borniertes Weltbild passen. So soll die Türkei nicht Teil der Europäischen Union werden dürfen. Damit es nicht gar so garstig klingt, wurde ihr eine <em>privilegierte P.</em> angeboten. Was jedoch nur als böser Witz gemeint sein kann. Denn ein Privileg ist ein Sonder- oder Vorrecht (lateinisch: <em>privus</em> ‚gesondert‘ und <em>lex</em> ‚Gesetz‘), wodurch der <em>privilegierte</em> Partner also Rechte genießt, die niemand sonst hat. Das ist natürlich eine <em>Antiphrase</em>. Sollen der Türkei doch weniger Rechte (Privilegien) zugestanden werden als einem <em>Vollmitglied</em>. Nebenbei: Auch das ist ein interessantes Wort, impliziert es doch, dass so etwas wie eine unvollständige Mitgliedschaft gibt. Fazit: Sowohl das Adjektiv <em>privilegiert</em> als auch das Substantiv <em>P.</em> verraten das wahre Ansinnen der Erfinder, sie wollen unter sich bleiben.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kerneuropa</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 08:40:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Haase</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt gerade viel Streit im vereinigten Europa. Der eine oder andere Staat hat so hohe Schulden, dass kaum noch jemand daran glaubt, er könne sie zurückzahlen. Das macht einer Menge Politikern Angst. Sie wollen sich daher einen Rettungsschirm umschnallen. Der hat sogar eine eingebaute Schuldenbremse. Oder so ähnlich. Beide scheinen aber nicht so ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt gerade viel Streit im vereinigten Europa. Der eine oder andere Staat hat so hohe Schulden, dass kaum noch jemand daran glaubt, er könne sie zurückzahlen. Das macht einer Menge Politikern Angst. Sie wollen sich daher einen <em><a href="http://neusprech.org/rettungsschirm/" target="_blank">Rettungsschirm</a></em> umschnallen. Der hat sogar eine eingebaute <em><a href="http://neusprech.org/schuldenbremse/" target="_blank">Schuldenbremse</a></em>. Oder so ähnlich. Beide scheinen aber nicht so doll zu funktionieren, zumindest gibt es nun den Plan, die so mühsam zusammengklöppelte Europäische Union wieder zu zerlegen. <a href="http://www.cducsu.de/upload/schaeublelamers94.pdf" target="_blank">Populisten fordern</a>, <del>Griechenland</del> einige Staaten sollten aus der EU geschmissen werden. Beziehungsweise unterscheiden jene Politiker geflissentlich zwischen einem <em>K.</em> und den übrigen europäischen Ländern, die irgendwie nicht im gleichen Maß dazugehören. Es gibt noch andere schöne Wörter in diesem Zusammenhang, wie <em>Fiskalunion</em>, <em>Stabilitätsunion</em> oder <em>Europa der zwei Geschwindigkeiten</em>. Leider wird dabei jedes Mal vergessen zu sagen, wer denn nun dazu gehört und wer nicht. Das hat System. Denn das ganze Geschwurbel soll vor allem verschleiern, dass die, denen es besser geht, eine Mauer um sich bauen wollen. Europa soll gespalten werden in arm und reich. Die Armen wirft man <a href="http://neusprech.org/der-markt/" target="_blank">dem <em>Markt</em></a> zum Fraß vor, die Reichen retten ihre Schätze. Nett ist das nicht. Die Erfinder des Begriffes <em>K.</em> haben dabei aber offensichtlich nicht bedacht, wie und wo dieses Europa mal anfing: in Griechenland nämlich. <a title="Wikipedia: Europa (Mythologie)" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Europa_%28Mythologie%29" target="_blank">Eine phönizische Königstochter gelangte einst aus Nordafrika dorthin</a>. Ihr Name leitet sich wahrscheinlich vom <a title="Wikipedia: Phönizisch" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%B6nizisch-punische_Sprache" target="_blank">phönizischen Wort</a> <em>erob</em> ab, das vermutlich mit Bezug auf ihre Hautfarbe ‚dunkel‘ bedeutet und dann auf griechisch zu <em>Europa</em> wurde (was so viel wie ‚weitsichtig‘ heißt). Damit befindet sich das <em>K.</em> ziemlich sicher in eben jenem Griechenland, das mancher <del datetime="2011-10-30T22:35:18+00:00">Banker</del> Politiker gerade gern los wäre. Besonders weitsichtig ist das nicht.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>arbeitssuchend</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 11:52:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Biermann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verbrämendes Bürokratendeutsch für arbeitslos. Keine Frage, es gibt viele Menschen, die eine Arbeit suchen. Beispielsweise, weil sie der Liebe wegen in eine neue Stadt ziehen wollen, oder weil sie sich neue Aufgaben wünschen. Das aber meint das Arbeitsamt Jobcenter nicht, wenn es unterscheidet zwischen a. und arbeitslos. Denn all jene, die sich laut Paragraf ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Verbrämendes Bürokratendeutsch für arbeitslos. Keine Frage, es gibt viele Menschen, die eine Arbeit suchen. Beispielsweise, weil sie der Liebe wegen in eine neue Stadt ziehen wollen, oder weil sie sich neue Aufgaben wünschen. Das aber meint das <del datetime="2011-10-21T20:13:38+00:00">Arbeitsamt</del> <a href="http://neusprech.org/jobcenter/" target="_blank">Jobcenter</a> nicht, wenn es unterscheidet zwischen <em>a.</em> und arbeitslos. Denn all jene, die sich laut <a href="http://dejure.org/gesetze/SGB_III/38.html" target="_blank">Paragraf 38 Drittes Sozialgesetzbuch</a> als <em>a.</em> melden müssen, sind bald ohne Arbeit und wissen das auch. Zitat SGB III: „Personen, deren Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis endet, sind verpflichtet, sich spätestens drei Monate vor dessen Beendigung persönlich bei der Agentur für Arbeit <em>arbeitssuchend</em> zu melden.“ Sie sind also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit demnächst arbeitslos, könnten also auch so genannt werden. Werden sie aber nicht. Denn wer sich <em>a.</em> meldet, taucht in der Arbeitslosenstatistik noch nicht auf, obwohl er es, wird das Dritte Sozialgesetzbuch wortwörtlich ausgelegt, müsste. Es handelt sich also um einen <em>Euphemismus</em>, eine Beschönigung, die in diesem Fall eine Schönrechnung ist. Was noch klarer wird, vergegenwärtigt man sich die Tatsache, dass auch viele, die tatsächlich arbeitslos sind, natürlich eine Arbeit suchen – also getrost als <em>a.</em> gelten dürften, aber trotzdem nicht so genannt werden. Was sie gleich noch diskriminiert. Legt der damit zwischen beiden Zuständen hergestellte Gegensatz doch nahe, dass Arbeitslose eben nicht nach Arbeit suchen, also faul sind.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Konservativismus, aufgeklärter</title>
		<link>http://neusprech.org/aufgeklaerter-konservativismus/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 09:08:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Haase</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik, allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aufklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Ideologie]]></category>
		<category><![CDATA[Kant]]></category>
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		<description><![CDATA[Der K. entstand einst als Gegenbewegung zur Aufklärung. Er basiert auf dem Gedanken, dass die menschliche Vernunft, das zentrale Konzept der Aufklärung, unzulänglich ist im Verhältnis zu Gott.

Ein konservatives Volkslied über die "thörichte Aufklärung" fordert zum Beispiel:
O laßt mich doch bei meiner Bibel,
laßt mich in meiner Dunkelheit,
denn ohne Hoffnung wird mir übel
bei dieser aufgeklärten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der <em>K.</em> entstand einst als Gegenbewegung zur Aufklärung. Er basiert auf dem Gedanken, dass die menschliche Vernunft, das zentrale Konzept der Aufklärung, unzulänglich ist im Verhältnis zu Gott.</p>
<p>Ein <a title="Des Knaben Wunderhorn, Band 3" href="http://books.google.com/ebooks/reader?id=lVIuAAAAMAAJ&amp;printsec=frontcover&amp;output=reader&amp;pg=GBS.PA169" target="_blank">konservatives Volkslied</a> über die &#8220;thörichte Aufklärung&#8221; fordert zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>O laßt mich doch bei meiner Bibel,<br />
laßt mich in meiner Dunkelheit,<br />
denn ohne Hoffnung wird mir übel<br />
bei dieser aufgeklärten Zeit,<br />
und ohne Hoffnung bin ich hier<br />
ein elend aufgeklärtes Thier.</p></blockquote>
<p>Wir halten fest: Die Aufklärung war ursprünglich das Feindbild des <em>K.</em>, wünschte diese doch die „Befreiung vom Aberglauben“ und „die Maxime, jederzeit selbst zu denken“ (Kant). Der <em>K.</em> hingegen legt Wert auf ein wenig Dunkelheit, auch wenn das heute lieber als <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/was-ist-konservativ/1848022.html" target="_blank">Bewahrung althergebrachter Werte</a> verbrämt wird. Eine durchaus geschickte Umdeutung. Nicht mehr um die Ablehnung alles Neuen geht es nun, sondern um die Bewahrung von ein wenig Altem.</p>
<p>Doch scheint inzwischen auch das nicht mehr zu genügen. Der gemeine Konservative sieht sich und seine Haltung offenbar noch immer nicht genug gewürdigt. Das Magazin <a href="http://magazin.spiegel.de/reader/index_SP.html#j=2011&amp;h=47&amp;a=81933532" target="_blank">„Der Spiegel“ versucht sich daher</a> an der Definition eines <em>aufgeklärten K.</em> Der Feind wird nun umarmt. Zumindest unterstellt das Magazin, der Verteidigungsminister wünsche sich einen solchen für seine christliche Partei. Es darf als unwahrscheinlich gelten, dass sich das Feindbild der Konservativen gewandelt hat. Denn Konservativismus ist eben nicht aufgeklärt und wird es auch nicht dadurch, dass ihm ein entsprechendes Adjektiv als Attribut zur Seite gestellt wird. Technisch ist das ein <em>Oxymoron</em>. Politisch ist es eine Tarnung, um Menschen zu täuschen. Das hat Methode, wird der Minister <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,797980,00.html" target="_blank">bei „Spiegel Online“ doch zugleich</a> als <em>moderner Konservativer</em> bezeichnet. <a href="http://www.jf-archiv.de/archiv07/200719050457.htm" target="_blank">Beileibe keine neue Idee</a>. Und mindestens ebenso verräterisch wie der <em><a title="Mitfühlender Liberalismus" href="http://neusprech.org/mitfuehlender-liberalismus">mitfühlende Liberalismus</a></em>, den die FDP ausgerufen hat.</p>
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		<title>Pfefferspray</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Nov 2011 09:26:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Biermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Militär]]></category>
		<category><![CDATA[Euphemismus]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
		<category><![CDATA[Schutzwaffe]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzung]]></category>
		<category><![CDATA[Waffe]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine mindestens irreführende Bezeichnung. Angesichts der Konzentration, in der die Polizei diesen Stoff einsetzt und der daraus resultierenden brutalen Wirkung, darf die Verwendung des Begriffes jedoch als grob fahrlässig gelten. Bei dem mit P. bezeichneten Agens handelt es sich um das Alkaloid Capsaicin, den Wirkstoff der Paprika- oder Chilipflanze. Die Benennung Pfeffer kommt wohl ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine mindestens irreführende Bezeichnung. Angesichts der Konzentration, in der die Polizei diesen Stoff einsetzt und der daraus resultierenden brutalen Wirkung, darf die Verwendung des Begriffes jedoch als grob fahrlässig gelten. Bei dem mit <em>P.</em> bezeichneten Agens handelt es sich um das Alkaloid Capsaicin, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Capsaicin" target="_blank">den Wirkstoff der Paprika- oder Chilipflanze</a>. Die Benennung <em>Pfeffer</em> kommt wohl vom englischen Chilipepper, was Chilischote heißt. Eine miese Übersetzung also. Doch das macht es nicht besser. Die schärfsten als Gewürz eingesetzten Chilipflanzen des Typs Habanero haben beispielsweise einen Wert von maximal 580.000 Einheiten auf der sogenannten Scoville-Skala. Das von der Polizei verwendete <em>P.</em> hingegen erreicht auf dieser <a href="http://www.theppsc.org/Staff_Views/Czarnecki/chemical_hazards_in_law_enforcement.htm" target="_blank">bis zu zwei Millionen Einheiten</a>. Die Scoville-Skala ist subjektiv und gilt als ungenau und veraltet. Trotzdem dürfte deutlich werden, dass <em>P.</em> mit friedlichen Gewürzen, so scharf sie sein mögen, nicht das Geringste zu tun hat. Menschen können sterben, wenn sie mit dem Zeug in Kontakt kommen – einige Studien beobachteten, dass es <a href="http://www.aclu-sc.org/attach/p/Pepper_Spray_New_Questions.pdf" target="_blank">bei einem von 600 Einsätzen einen Toten gibt</a>. Mehr dazu <a href="http://blogs.scientificamerican.com/guest-blog/2011/11/21/about-pepper-spray/" target="_blank">findet sich auch hier</a>. Die Umschreibung als <em>P.</em>, die an gutes Essen und heimelige Küchen erinnert, lässt hingegen vergessen, dass es sich um eine lebensgefährliche Substanz handelt, die Polizisten als Waffe dient.</p>
<p>Eine Waffe übrigens, deren Wirkung die Betroffenen spüren sollen: Wer versucht, sich bei öffentlichen Auftritten gegen dieses Teufelszeug zu schützen, kriegt Ärger. Kann doch eine <em>Schutzbrille</em> schnell eine <a href="http://neusprech.org/schutzwaffe/" target="_blank"><em>Schutzwaffe</em></a> werden.</p>
<p><em>Mit herzlichem Dank an Markus H. für das Wortgeschenk.</em></p>
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		<title>FMS Wertmanagement</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 21:13:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Haase</dc:creator>
				<category><![CDATA[Finanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Antiphrase]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Ministry of Plenty]]></category>
		<category><![CDATA[Wertpapier]]></category>

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		<description><![CDATA[Selten deutliches Beispiel für bewusste Vernebelung: Die damit bezeichnete Wertpapier-Entsorgungsanstalt (auch euphemistisch Bad Bank genannt), ist nicht mit Management betraut. Zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Denn to manage (ursprünglich ein altokzitanisches Wort)‚ bedeutet, etwas ,zustandebringen‘ oder mit der Hand lenken. Zustande aber bringt die Anstalt nichts, im Gegenteil. Statt zu erschaffen, soll sie wertlose ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Selten deutliches Beispiel für bewusste Vernebelung: Die damit bezeichnete Wertpapier-Entsorgungsanstalt (auch euphemistisch <em><a href="http://neusprech.org/bad-bank/" target="_blank">Bad Bank</a></em> genannt), ist nicht mit Management betraut. Zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Denn <em>to manage</em> (ursprünglich ein <a title="Wikipedia: Okzitanische Sprache" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Okzitanische_Sprache" target="_blank">altokzitanisches</a> Wort)‚ bedeutet, etwas ,zustandebringen‘ oder mit der Hand lenken. Zustande aber bringt die Anstalt nichts, im Gegenteil. Statt zu erschaffen, soll sie wertlose <em>Wertpapiere</em> (ist das nicht herrlich?) so teuer wie noch möglich verkaufen. In diesem Zusammenhang von einem <em>Management</em> der <em>Werte</em> zu sprechen, grenzt an Lüge.</p>
<p>Doch es geht noch weiter. Die Abkürzung <em>FMS</em> steht für <em>Finanzmarktstabilisierung</em>. Die ist aber nur ein Teil der <em>FMSA</em>, was wiederum <em>Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung</em> meint, zu der die <em>FMS Wertmanagement</em> gehört. Bei dieser Mischung aus abgekürzten Abkürzungen und Antiphrasen (<em>wert</em> für <em>unwert</em>) ist man nicht mehr weit entfernt vom <em><a title="Wikipedia (en): Ministry of Plenty" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Ministry_of_Plenty" target="_blank">miniplenty</a>, </em>dem <em>Ministry of Plenty</em>, Ministerium für Überfluss, das in <a title="Wikipedia: 1984 (Roman)" href="https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman)" target="_blank">Orwells Lügenstaat</a> den Mangel verwaltet.</p>
<p>Selbst das aber schien den Beteiligten noch nicht genug, haben sie die Aktienmüllkippe doch noch weiter <em>veredelt</em> und die Abkürzung <a title="http://www.fms-wm.de/" href="http://www.fms-wm.de/" target="_blank">zu <em>FMS-WM</em> abgekürzt</a>. Was den sicher nicht unerwünschten Nebeneffekt hat, das der eine oder andere dabei an einen Weltmeister denkt. Oder völlig den Überblick verliert.</p>
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