Archiv für die Kategorie ‘Bildung’

Studienbeiträge

Mittwoch, 26. Januar 2011

Bildung war für Wilhelm von Humboldt nicht Ausbildung in einem bestimmten Beruf, für ihn war sie die Bildung eines möglichst autonomen und entfalteten Menschen. Und was ist der größte Gegner solcher Freiheit? Genau: Abhängigkeit. Daher sollten die Bildungsbeflissenen nichts zahlen müssen und Zustiftungen das Geld erbringen – freiwillige Gaben ohne Verpflichtung. Er nannte sie Beiträge, im Sinne von Beiträgen der Nation. Eine schöne Idee. Das fand offensichtlich auch das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Denn es versucht in einem Text aus dem Jahr 2006 das Wort Studienbeiträge zu installieren und der Politik tatkräftig bei der Einführung solcher zu helfen. Das klingt erst einmal hehr, wer würde nicht seinen Beitrag leisten wollen, um Bildung und Ausbildung unseres Nachwuchses zu verbessern? Leider, leider ist das so nicht gemeint. Denn diese Abgabe ist nicht freiwillig und auch kein Beitrag, sie ist eine Gebühr, dem Gebührenschuldner vom Staate auferlegt, um für eine vom Staate in Anspruch genommene Leistung zu zahlen. Wer unbedingt studieren will, so die Logik der Studiengebühren, wie sie ehrlicherweise genannt werden sollten, soll gefälligst selbst dafür zahlen. Kostet ja schließlich, so eine Universität, und warum müssen alle dafür aufkommen, haben ja nur ein paar was davon, oder? Was für eine kurzsichtige und dumme Politik, die das Centrum für Hochschulentwicklung da versucht zu beschönigen: Wenn eine Nation sich bildet, profitieren alle, je mehr, desto stärker. Die Kosten dafür über Gebühr einer bestimmten Gruppe aufzubürden, ist nicht nur nicht gerecht, es ist auch im schlimmsten Sinne nachhaltig. Es macht Bildung abhängig vom Einkommen und sorgt so dafür, dass nicht mehr die Besten gefördert werden, sondern nur noch die Reichen. Wer an Bildung spart – und nur darum geht es hier –, der sorgt dafür, dass die daraus resultierenden Folgen irgendwann die ganze Nation bezahlt. Es sei denn, irgendein Centrum findet wieder einen Weg, sie irgendwem als Gebühr aufzubürden … Verzeihung, als Beitrag.

Bologna-Prozess

Dienstag, 18. Mai 2010

Was hier so griffig klingt, ist sprachlich kompletter Murks. Richtig müsste das ganze Ding, das eine Absichtserklärung für bessere Hochschulen sein will, Bologneser Erklärung heißen. Denn erstens werden im Deutschen Städtenamen adjektiviert, wenn sie ein Substantiv qualifizieren. Niemand würde von einem Göttingen-Pamphlet oder einem Berlin-Manifest sprechen. Warum man das Adjektiv Bologneser vermeiden wollte, ist rätselhaft. Vielleicht klang es den Beteiligten zu kulinarisch, vielleicht nicht ernsthaft genug? Zweitens aber – und das sagt noch viel mehr über den Quark, der da in Bologna angerührt wurde – denkt man bei einem Prozess zunächst an eine Gerichtsverhandlung. In diesem Fall saß man dann wohl über die Stadt Bologna zu Gericht? Nein, das kann bestimmt nicht gemeint gewesen sein. Was dann? Das Wort zumindest geht auf das lateinische procedere‚ zurück, was ,fortschreiten, vorgehen‘ bedeutet. Neben Gerichtsverhandlungen, die eben auf immer gleiche Art vonstatten gehen, meint das Vorgänge, die – einmal angestoßen – von selbst ablaufen. Und offensichtlich hatten genau das die Bildungspolitiker im Sinn: Die anvisierte Reform als unausweichlichen, unumkehrbaren und geradezu natürlichen Prozess darzustellen. Was reichlich vermessen ist angesichts des Chaos, dass sie in ihrer Planlosigkeit angerichtet haben. Dank des Etiketts B. aber wirkt es nun, als treffe niemanden die Schuld an dieser Bildungskatastrophe. Hübsch, oder?