Archiv für die Kategorie ‘Militär’

Luftfahrtsystem, unbemanntes

Montag, 16. Januar 2012

Manchmal führt der Versuch, einen Gegenstand so neutral wie möglich zu beschreiben, in die Irre. Oder sagen wir vorsichtiger: in eine völlig neue Richtung. Das unbemannte L. beispielsweise ist gemeinhin als Drohne bekannt. Das Wort meint ursprünglich zwar die männlichen Bienen, allerdings ist es längst als Synonym für jene ferngesteuerten Flugzeuge gebräuchlich, die vom Militär eingesetzt werden, um Gegner am Boden zu beobachten. Ursprünglich war das eine durchaus treffende Umschreibung, denn wie die männlichen Bienen hatten auch die ersten militärischen Drohnen keinen Stachel. Allerdings gibt es längst Modelle, die Stacheln haben, also schießen können und zum Beispiel für Tötungen, gezielte eingesetzt werden. Sie müssten, um im Bild zu bleiben, nun Bienen heißen. Ein Vergleich mit den Insekten ist aber offensichtlich nicht länger gewünscht. Die Politik nutzt zur Beschreibung der Geräte nun lieber einen Terminus technicus. Der ist eine Übersetzung aus dem Englischen, wo die Dinger als „unmanned aircraft system“ bezeichnet werden. Das erhebt den Anspruch, neutral und präzise zu sein. Dabei lässt der Begriff offen, worum es eigentlich geht, denn er nutzt das Füll- oder Passepartoutwort „System“, das überall passt. So erscheinen die ferngesteuerten Militärgerät geradezu unbedarft, ja harmlos. Der Ausdruck Drohne hingegen, der natürlich nur eine Metapher und damit unscharf war, hatte zumindest einen bedrohlichen Unterton. Darüber, dass der nun verschwindet, sind viele Politiker sicher nicht traurig. Denn sie planen gerade, das eine oder andere Gesetz zu ändern, damit die eigentlich als Kriegsgerät entwickelten L.-e auch von der Polizei eingesetzt werden können, um Menschen zu überwachen. Nicht nur hierzulande ist das umstritten.

Pfefferspray

Donnerstag, 24. November 2011

Eine mindestens irreführende Bezeichnung. Angesichts der Konzentration, in der die Polizei diesen Stoff einsetzt und der daraus resultierenden brutalen Wirkung, darf die Verwendung des Begriffes jedoch als grob fahrlässig gelten. Bei dem mit P. bezeichneten Agens handelt es sich um das Alkaloid Capsaicin, den Wirkstoff der Paprika- oder Chilipflanze. Die Benennung Pfeffer kommt wohl vom englischen Chilipepper, was Chilischote heißt. Eine miese Übersetzung also. Doch das macht es nicht besser. Die schärfsten als Gewürz eingesetzten Chilipflanzen des Typs Habanero haben beispielsweise einen Wert von maximal 580.000 Einheiten auf der sogenannten Scoville-Skala. Das von der Polizei verwendete P. hingegen erreicht auf dieser bis zu zwei Millionen Einheiten. Die Scoville-Skala ist subjektiv und gilt als ungenau und veraltet. Trotzdem dürfte deutlich werden, dass P. mit friedlichen Gewürzen, so scharf sie sein mögen, nicht das Geringste zu tun hat. Menschen können sterben, wenn sie mit dem Zeug in Kontakt kommen – einige Studien beobachteten, dass es bei einem von 600 Einsätzen einen Toten gibt. Mehr dazu findet sich auch hier. Die Umschreibung als P., die an gutes Essen und heimelige Küchen erinnert, lässt hingegen vergessen, dass es sich um eine lebensgefährliche Substanz handelt, die Polizisten als Waffe dient.

Eine Waffe übrigens, deren Wirkung die Betroffenen spüren sollen: Wer versucht, sich bei öffentlichen Auftritten gegen dieses Teufelszeug zu schützen, kriegt Ärger. Kann doch eine Schutzbrille schnell eine Schutzwaffe werden.

Mit herzlichem Dank an Markus H. für das Wortgeschenk.

Sicherheitsforschung

Dienstag, 13. September 2011

Weckt die Erwartung, dass die Ergebnisse dieser Forschung der Sicherheit dienen. Nunja. Die S. wird vornehmlich im Bereich des Militärischen betrieben und hat vor allem Waffen zum Gegenstand, beziehungsweise das Bestreben, diese besser zu machen, also tödlicher. Aber Kriegs- oder Tötungsforschung klänge nun einmal nicht so beruhigend. Selbstverständlich existiert die Überzeugung, (seltsamerweise vorwiegend bei Militärs), dass Waffen die Welt sicherer machen. Und wahrscheinlich hat aufgrund dieser Logik ein Waffenverkäufer früherer Zeiten eines seiner Revolvermodelle „Peacemaker“ also Friedensstifter genannt. Allerdings sind an der zugrunde liegenden Theorie Zweifel angebracht. Gibt es doch nicht unerhebliche Hinweise darauf, dass mehr Waffen eher zu mehr Toten führen und daher irgendwie zu weniger Sicherheit. Denn woran soll man sie messen, wenn nicht an der Zahl derer, die nicht zu Schaden kommen?

Doch auch im zivilen Bereich ist die S. wohl eher ein Euphemismus. Ja, ab und zu geht es ihr darum, Menschen aus Notlagen zu retten oder dank besserer Fluchtwege vor Gefahren zu bewahren. Meistens aber sind dann doch Pläne gemeint, die treffender mit dem Begriff Überwachung beschrieben wären. Dass Überwachung die Welt sicherer macht, ist hingegen leider ebenso falsch wie die Annahme, Waffen täten das.

Nebenbei, was machen eigentlich diese Sicherheitspolitiker, von denen immer die Rede ist? Die Politik sicherer? (Idioten-)sichere Politik?

Nachtrag:
Wer noch eine Bestätigung brauchte für die oben erwähnte Überzeugung, hier ist sie. Die Firma Heckler & Koch – die bauen zum Beispiel die sehr tödliche sichere “Granatmaschinenwaffe GMW” – versteht sich als “Teil der Sicherheitsinfrastruktur der freiheitlich-demokratischen Welt“. Was nur ein anderes Wort ist für “Waffenfabrikant mit gutem Gewissen”.

Mit Dank an @metronaut für die Sicherheitsinfrastrukturmeldung.

Intelligent

Donnerstag, 23. Juni 2011

Die Intelligenz hat ihren Ursprung im lateinischen intellegere ‚verstehen‘, eigentlich: ‚zwischen [den Zeilen] lesen‘ und ist eine Eigenschaft, die (bislang) allein dem Menschen zugeschrieben wurde, dem homo sapiens (‚wissender Mensch‘). Dann kamen Ingenieure und Informatiker und setzten sich das Ziel, menschengleiche Maschinen zu bauen und menschliches Denken nachzuahmen und nannten es metaphorisch Künstliche Intelligenz (KI). Kann man machen. Zum Unfug wurde es, als PR-Abteilungen über den Begriff stolperten und die Idee hatten, mit ihm allen möglichen Kram zu vermarkten, der nicht einmal annähernd ‚zwischen den Zeilen lesen‘ kann: Stromnetze, Speicherkarten, Telefone, Grenzkontrollen, Sozialkürzungen und sogar Bomben. Eine Meta-Metaphorik sozusagen oder eine Metaphorik zweiter Ordnung.

Schon klar, Ihr wollt das Zeug irgendwie schicker aussehen lassen, damit genug arme Irre es kaufen. Aber schlaue Bomben? Die Dinger merken sich eine Geokoordinate, mehr nicht. Könnten die ‚verstehen‘, würden sie beidrehen und ihren Bombardier zu treffen versuchen.

Mit Dank an @presseschauer für die Anregung und Eike H. fürs „sparen“.

Tötung, gezielte

Montag, 09. Mai 2011

Eigentlich staatlich sanktionierter Mord, daher Umbringen eines Menschen ohne gesetzliche Rechtfertigung und insofern ein Euphemismus. Schon die Wortwahl zeigt, wie klar sich die Beteiligten darüber sind, dass ihr Verhalten irgendwie nicht in Ordnung ist: gezielt soll nahe legen, dass der oder die Täter a) schon ganz bestimmt den Richtigen treffen werden, und dass er oder sie b) wissen, was sie tun. Tötung dann ist der Versuch, das Ganze so sachlich wie nur irgend möglich darzustellen und gleichzeitig Rechtsstaatlichkeit zu simulieren. Denn die gezielte T. ist eine Analogiebildung. Gibt es doch nur einen anderen Zusammenhang, in dem das ungewöhnliche Substantiv verwendet wird, im Strafgesetzbuch, bei der fahrlässigen Tötung. In jedem anderen Kontext spricht man nicht von Tötung, sondern von Töten.

Spätestens die Ausflucht der Töter (?) offenbart, wie absurd das Vorgehen ist. Wirkt es doch hilflos bis lächerlich, wenn mächtige Staaten wie Israel und die USA argumentieren, es sei ein Akt der Selbstverteidigung, Menschen zu erschießen, statt sie vor ein Gericht zu stellen – Notwehr also. Dabei ist Notwehr nur dann eine, wenn auf einen aktuellen Angriff reagiert wird und zwar adäquat – daher nur mit der Gewalt, die notwendig ist, um ihn zu stoppen. Wer mehr tut, macht sich strafbar. Wer zuschlägt, obwohl es gerade gar keinen Angriff gibt – egal, was in der Vergangenheit geschah –, wird selbst zum Angreifer. Auch die Gerechtigkeit, von der dann gern die Rede ist, macht es nicht besser. Denn mit dem Recht – dem über Jahrhunderte ausgehandelten Kodex des Zusammenlebens – hat sie nichts zu tun. Siehe auch: Rettungsschuss, finaler und Feindstrafrecht.

Halten wir es daher lieber mit dem Satiriker Wiglaf Droste: „Selbst wer schlicht ist, muss erkennen / Mörder soll man Mörder nennen.“

Wirkfunktion

Freitag, 18. Februar 2011

Funktion leitet sich vom Lateinischen fungere ab, was ‚verrichten‘ oder ,wirken‘ bedeutet. Somit ist W. erst einmal eine Dopplung, eine Wirkungswirkung. Das klingt sinnlos und soll es vielleicht auch. Denn die, die das Wort verwenden, meinen damit das Töten von Menschen. Sie wollen Roboter mit einer W. ausstatten, was in der Konsequenz nichts anderes bedeutet als den Bau beweglicher Selbstschussanlagen – am Ende gar fliegender, beschönigend auch Drohnen genannt. Damit ist W. ein gelungener Euphemismus, denn von Robotern mit scharfen Waffen ist gar nicht die Rede. Gleichzeitig offenbart es die Denkungsart der Erfinder: Sie wollen nicht nur nicht sagen, was sie meinen, sondern auch töten, ohne dafür verantwortlich zu sein.

Mit Dank an Marcel E., @fasel, Matthias G., Frank L. und Jarno R.

Cyberwar

Donnerstag, 10. Februar 2011

Bei dem Versuch, irgendwelchen Unsinn zu verstehen, hilft oft die Frage nach dem Warum. Warum also reden deutsche Politiker ständig von einem C., wenn sie über das Internet und seine Gefahren sprechen? Immerhin könnten sie den Begriff auch übersetzen und von Rechnernetzkrieg Internetkrieg faseln. Tun sie aber nicht. Klingt das in ihren Ohren vielleicht, als würde das Internet zurückschlagen und sich für all die Schmähungen rächen, die Politiker so über es verbreiten? Wahrscheinlich nicht. Es klingt vielmehr harmloser. Denn im Deutschen verlieren Wörter, wenn sie zusammengesetzt werden, oft an Kraft. Vor allem das zweite Glied in einem solchen Kompositum wird schwächer: Krieg ist gefährlich, Ehekrieg jedoch ist der Streit der Nachbarn, der sich gedämpft hinter der Wohnzimmerwand abspielt. Harmlos aber ist nicht gut – so erschreckend der Gedanke sein mag: Politiker wollen Angst verbreiten. Wir sollen uns fürchten, damit im gleichen Satz angekündigte Dinge wie Kill Switch (Tötungsschalter?) oder Quick Freeze (Das Internet schockfrosten?) nicht mehr so schockierend klingen. Das englische C. hilft dabei. Es verheißt Modernität und unbekannte und dadurch umso finsterere Gefahren, die mit allen Mitteln bekämpft werden müssen. Dank ihm vergisst sich auch leichter, dass es nicht einmal um einen Krieg geht, sondern um Wirtschaftsspionage, um Sabotage und manchmal auch nur um Urheberrechtsverletzungen. Denn wäre es tatsächlich ein Krieg, würde dieses Wort von der Politik gemieden wie eine ansteckende Krankheit.

Nachtrag: Das lesenswerte Sprachlog beschäftigt sich hier ausführlich mit der Herkunft des Wortteils Cyber und findet, es sei überhaupt ganz allgemein ein schönes Präfix, das an vielen Stellen nützlich sein kann“.

Nachtrag: “Internetkrieg” aktualisiert, dank an pedant.

Friedensprozess

Donnerstag, 10. Juni 2010

Der F. drückt zuerst einmal eine Hoffnung aus, eine Utopie am Ende eines langen Weges. Und damit letztlich das positiv verbrämte Eingeständnis, dass derzeit eigentlich noch Krieg herrscht, diesen aber niemand wirklich will. Oder so. Warum sonst sollte man einen offensichtlichen Kriegszustand zwischen zwei Völkern als F. bezeichnen? Um die Menschen zu belügen und über die wahren Interessen zu täuschen? Nein, nie. So etwas macht doch keiner. Oder doch? Alle bislang im Rahmen des Nahost-F -es. getroffenen Vereinbarungen waren hoffnungs- und nutzlose Absichtserklärungen, an die sich noch dazu niemand hielt. Entweder also haben beide Seiten ein Interesse an den Kämpfen und dem Töten, was erschreckend aber nicht unvorstellbar ist. Oder aber sie sind unfähig. Was durchaus auch im Rahmen des Möglichen liegt. Immerhin wird dauernd von Roadmaps geredet, Straßenkarten also. Ein deutliches Indiz, dass es niemanden gibt, der genau solche klaren Pläne besitzt.

Mit Dank an Robert F.

Fähigkeitslücke

Freitag, 16. April 2010

Meint eigentlich: Sorry, können wir nicht. Neusprech erster Güte, ist man doch entweder zu etwas fähig oder eben nicht, Lücken gibt es da keine. Mit der F. (Wehrbeauftragter Reinhold Robbe und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg) wird vorgegaukelt, die Bundeswehr sei in der Lage, mit der Situation in Afghanistan fertig zu werden, daher den Krieg dort zu gewinnen, wenn sie denn nur die dringend benötigten Stiefel Hubschrauber, Panzer und Haubitzen hätte.

Mit Dank an Brigitte W.

Krieg

Dienstag, 13. April 2010

Eigentlich simpel definiert als jeder Konflikt, der mit Waffen ausgetragen wird. Jedoch gibt es wohl kaum ein Wort, das im Zusammenhang mit einem solchen Kampf Töten so inständig vermieden, verschwiegen oder umgedeutet wird wie K. Als prototypisch dürfen die sprachlichen Verrenkungen bundesdeutscher Politiker gelten, die sich angesichts des deutschen Engagements am Hindukusch, der Stabilisierungsmission, des nichtinternationalen bewaffneten Konflikts, des kriegsähnlichen Zustandes*, des Krieges in Afghanistan mühten, diesen als etwas anderes zu verkaufen: anfangs als etwas Gutes, dann als etwas Begrenztes und schließlich als etwas nicht ganz so Schlimmes. Nur um am Ende doch vor der normativen Macht des Faktischen zu kapitulieren**. Womit letztlich vor allem gelang, an die vollständige Umdeutung des Begriffs durch George Orwell zu erinnern, der in 1984 schrieb: “Krieg ist Frieden”. Der Leitsatz der Propaganda, das erste Opfer im Krieg sei die Wahrheit, müsste daher eigentlich lauten, das erste, was in einem Krieg verschwindet, ist die korrekte Benennung desselben.

*Der Versuch, möglichst lange Distanz zum K. mit seinen verschiedenen Kontrahenten und damit Positionen herzustellen, zeigt sich allein schon im Wort Zustand, klingt es doch wie eine plötzlich aufgetretene politische Lage, mit deren Entstehen niemand etwas zu tun hat und für die niemand verantwortlich zu machen ist. Dabei haben Kriege immer Ursachen und immer haben die mit Interessen zu tun.

**Wenn auch noch nicht ganz, lautet doch die derzeitige Bezeichnung umgangssprachlicher K.

Dank an Franz-Josef J., Karl-Theodor zu G., Guido W. und Angela M. und an mskzu für die Ergänzung