Nestbeschmutzer

Komischer Vogel, der meistens seinen Arbeitsplatz und sein öffentliches Ansehen, manchmal aber auch seine Freiheit oder gar sein Leben riskiert, um auf ein drängendes Problem hinzuweisen. Und so mithilft, das Nest sauberer zu machen. Hierzulande muss er sich, dafür dass er der Gesellschaft einen Dienst erweist, als N. schelten lassen. Was eine Frechheit ist, hat doch nicht er das Nest beschmutzt, sondern oft genug die, die ihn so nennen.

Im Englischen übrigens heißen N. durchaus respektvoll Whistleblower und sind damit also jene, die in eine Trillerpfeife pusten, um Alarm zu schlagen. So wie die hier beispielsweise.

Mit herzlichem Dank an Stefan K. für den Vorschlag.

Abgelegt in: Politik, allgemein

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Reaktionen

11 Reaktionen zu "Nestbeschmutzer"

  1. ?land sagt:

    “Die Heimat ist der Nistplatz des Ideologen und der «Nestbeschmutzer» dessen natürlicher Feind.” Neue Zürcher Zeitung

    http://www.amazon.de/Die-Nestbeschmutzerin-Jelinek-%C3%96sterreich-Janke/dp/3902144416

  2. Ludwig Trepl sagt:

    Ist der whistleblower wirklich ein Nestbeschmutzer? Manchmal sicher, aber die Pfeife pfeifen kann auch auch einer, der nicht im Nest sitzt, und whistleblower wird er ja auch nur von denen genannt, die nicht drin sitzen. Die werden für “Nestbeschmutzer” schon ein passendes Wort haben, denn es geht hier ganz bestimmt nicht um ein spezifisch deutsches Problem.

  3. @gemanistik sagt:

    Ich finde auch die Übersetzung von “Whistleblower” mit “Nestbeschmutzer” etwas eindimensional. Wie erklärt sich dann Elfriede Jelineks und auch vor ihr schon Thomas Bernhards Ruf in Österreichs konservativen Medien als “Nestbeschmutzer”? Whistleblower waren sie wohl kaum.

    Das müsste in dem zweiten Absatz zumindest relativiert werden, damit es nicht so wirkt, als würde das Wort “Nestbeschmutzer” nur auf Whistleblower angewandt. Mag aber sein, dass das Wort in Deutschland bisher nicht so gebräuchlich war? Darüber hab ich keinen Einblick.

  4. Kai Biermann sagt:

    Ich glaube, Sie fassen Whistleblower aufgrund der Erfahrung mit Wikileaks zu eng. Gemeint sind ursprünglich jene, die auf Missstände hinweisen, egal wo. Das haben auch Jelinek und Bernhard getan. Ihr Thema ist die Verdrängung von Nazivergangenheit. Sie wollten eine bessere Gesellschaft und wurden von jenen, deren Vergangenheit sie debattierten, als N. beschimpft. Insofern passt es eigentlich ganz gut, finde ich.

    lg
    k

  5. Ludwig Trepl sagt:

    @Kai Biermann “Whistleblower = Nestbeschmutzer”
    “Gemeint sind ursprünglich jene, die auf Missstände hinweisen, egal wo. … wurden von jenen, deren Vergangenheit sie debattierten, als N. beschimpft. Insofern passt es eigentlich ganz gut, finde ich.”
    Nein, paßt nicht. Beim whistleblower ist’s egal, wo er sein Pfeifchen bläst. Er muß nicht in dem Nest sitzen, dessen Mißstände er aufdeckt. Genau darauf kommt es beim Nestbeschmutzer aber an. Er darf außerhalb des Nestes aufdecken, was er will, da wird er gelobt, nur zuhause darf er’s nicht.

  6. Autolykos sagt:

    “Man soll die Kritiker nicht für Mörder halten, sie stellen nur den Totenschein aus.” – Marcel Reich-Ranicki

  7. Pingback von:

    Naiditsch haut mal wieder richtig einen raus - Seite 2
  8. Netzbeschmutzer a.D. sagt:

    Salüt,
    dafür das soviel “getrillert” wird, gibt es aber merkwürdig viel “Taube”
    auf beiden Ohren in unserer Gesellschaft.
    Da hilft dann wahrscheinlich nur noch ein großer Haufen im Netz.
    mfg_Netzbeschmutzer a.D.