Synergie

Bedeutet “Zusammenarbeit, Mitarbeit, Hilfe” (griechisch: συνεργία). Zusammenarbeiten kann jeder, das ist banal. Wer heute auftrumpfen will, spricht bei diesem Thema mindestens von Synergie, besser noch von Synergieeffekt oder gar Synergismus. Merke, wer wichtig tun will, kann alles substantivieren, am besten noch auf Griechisch. Und wer das toppen (den Gipfel also gipfeln) will, der wurstet noch einen unsinnigen Plural hinein: Die Zusammenarbeiten? Nein, die S.-n Toll. Und das noch viel Tollere ist (die Rhetorik nennt das Hyperbel, also Übertreibung, denn was kann toller als toll sein?), dass sich dahinter nicht etwa die oben genannte Zusammenarbeit verbirgt, sondern die Einsparung, Streichung, Kürzung. S. bedeutet also, so prima zusammenzuarbeiten, dass man eine von beiden Seiten hinterher gar nicht mehr braucht.

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Reaktionen

7 Reaktionen zu "Synergie"

  1. Hm, ich kenn das eigentlich so, daß man durch die (richtige Art der) Zusammenarbeit mehrerer eben mehr erreicht, als wenn jeder alleine vor sich hinwurschteln würde. Oder anders: Bei 5 Leuten ist das Ergebnis eben nicht “5″, sondern z.B. “7″.

    Eine Einsparung wäre also kontraproduktiv, weil damit auch das Gesamtergebnis reduziert wird, und zwar um mehr als 1 pro “eingesparter” Person.

    Gruß, Frosch

  2. kimi sagt:

    Synergie beschreibt ja Zusammenarbeit mehr als sich gegenseitig zu unterstützen. So dass, Hinten mehr raus kommt als wenn jeder für sich allein arbeitet. Beide Seiten haben durch diese Zusammenarbeit einen Vorteil. So wie du hier die Verwendung des Begriffs Synergie beschreibts bedeutet ja fast schon das Gegenteil des ursprünglichen Begriffs? Synergie also als Neusprech für Parasitismus?

  3. Gargantua sagt:

    Der Begriff “Synergieeffekt” wurde meines Wissens im Jahre 1990 vom damaligen Siemens-Vorstand v. Pierer zur Feier der Übernahme der Fa. Nixdorf in den veröffentlichten Sprachschatz eingebracht. Aus Nixdorf wurde Siemens-Nixdorf und das ist schon lange Pleite. Insofern geht die Gleichsetzung von Synergieeffekt(en) und “ruinieren” schon in Ordnung. Seit dem von-Pierer-Diktum entblödet sich übrigens kein Manager, Politiker oder sonstiger Neugroßsprecher, bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten den SE zu bemühen – deutlicher kann man nicht kundtun, dass man nicht weiß, wovon man redet und dieses einem auch noch ziemlich Wurscht ist — und, was schlimer ist, auch wurscht sein kann…

  4. Martin Haase sagt:

    Frosch und Kimi haben Recht. Ein Synergieeffekt liegt vor, wenn durch die Zusammenarbeit mehr erreicht wird als durch das Nebeneinanderherarbeiten von Einzelnen. Die Neusprechverwendung ist jedoch die von uns beschriebene. Sie ist sehr beliebt in Politik und Wirtschaft.

  5. Nikolaus G. Bauers sagt:

    Die, die Synergie – wohl nahezu ausnahmslos falsch – verwenden, gehen m.E. gar nicht von bloßer “Mitarbeit” aus, sondern lassen sich von einer kleinen folgenschweren Ungenauigkeit leiten. Sie hoffen vermutlich auf “Synenergie”, die – sofern man Zusammenarbeit kennt – herauskommen KANN, nicht muss. Weiter viel Spaß!

  6. Kunar sagt:

    Der Begriff “Synergieeffekte” ist in meinem Umfeld seit ca. 10 Jahren verbrannt. Das hat man vorher verwendet, wenn durch die Zusammenarbeit für die Erreichung eines Zieles auch weitere wünschenswerte Ziele – zum Teil oder ganz, besser oder leichter – erreicht werden.

  7. Lemming sagt:

    Vor allem im Zusammenhang mit Firmenfusionen, Hochschulzusammenlegungen oder Fakultätsschließungen und Private-Public-Partnership-Projekten höre ich den Begriff Synergieeffekt in der Neusprechbedeutung – ebenso wie “Win-Win-Situation”.