systemrelevant, systemgefährdend

Banken werden derzeit gern als systemrelevant (positiv) beschrieben, Kreditausfälle hingegen als schwer systemgefährdend (negativ). Das klingt heikel: das gesamte System könnte zum Teufel gehen, wenn dieses eine Rädchen bricht, immerhin ist es ja systemrelevant, auweia! Dann sollten wir wohl besser auf unsere Bundeskanzlerin hören und mit ganz viel Geld dafür sorgen, dass nicht wieder so eine systemgefährdende Störung der Atomkraftwerke Finanzmärkte auftritt. Wobei … für ein System gilt doch eigentlich, dass alles, was zu ihm gehört, auch relevant ist, oder? Immerhin hängt in einem System alles mit allem zusammen. Wem auf der Autobahn schon mal eine Radmutter abhanden kam, weiß wohl, was gemeint ist. Somit ist alles im System relevant und jede Störung gefährdend, nicht nur so eine Finanzkrise. Das Begriffspaar systemrelevant/systemgefährdend umfasst also entweder alles oder – was wahrscheinlicher ist – gar nichts.

Abgelegt in: Politik, allgemein

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Reaktionen

6 Reaktionen zu "systemrelevant, systemgefährdend"

  1. Sven sagt:

    Nachfolgend ein Artikel zu “Neusprech”. Ich würde mich freuen, wenn er Ihr Interesse findet:

    Mutter wird amtlich durch “das Elter” ersetzt

    In Bern wird jetzt mit der Abschaffung der Diskriminierung ernst gemacht

    Laut neuem Leitfaden für die amtlich verbindliche Sprache fällt die Verwendung der Begriffe Vater und Mutter unter die Rubrik diskriminierender Begriffe in der Schweiz. Kinder haben demnach künftig keinen Vater oder Mutter, sondern nur noch ein Neutrum als Ursprung, genannt “das Elter”.

    Statt Vater oder Mutter sollte man besser «der Elternteil» oder «das Elter» schreiben. «Der Leitfaden ist für amtliche Publikationen verbindlich», sagt Isabel Kamber, stellvertretende Leiterin Zentrale Sprachdienste, Sektion Deutsch, der Bundeskanzlei der Schweiz, wie die schweizerische Zeitung BLICK berichtet.

    Damit folgen die politisch Verantwortlichen in Bern den Vorschlägen in der Beschlußvorlage 12267 im Ausschuß für Chancengleichheit von Frauen und Männern des Europarates, der gegen die Verwendung von Begriffen wie des Mutterbegriffs in den Nationen kämpfen soll, um Gender-Gleichheit herzustellen.

    (…)

    Quelle: http://www.medrum.de/?q=content/mutter-wird-amtlich-durch-das-elter-ersetzt

  2. Sven sagt:

    Und noch mehr Neusprech (insbes. Seite 14!)

    Stadt Bern – Sprachleitfaden (!) für die Stadtverwaltung

    http://www.martinsteiger.ch/sharing/twitter/4129.pdf

  3. Kunar sagt:

    Der Begriff ist vor allem deswegen eine bodenlose Frechheit, weil die betroffenen Banken und Unternehmen in ihren guten Zeiten ja gerade nicht zum Drumherum gehörten, sondern sich mitten in ihm bewegten. Man kann nicht gleichzeitig “global player” sein (und sich entsprechend feiern, wenn man Rahmenbedingungen als Spieler optimal ausnutzt) und so wichtig, dass das Spielfeld einstürzt, wenn man es nach den Regeln des Spiels verlassen muss. Man kann nicht gleichzeitig der größte Fisch im Teich sein und Teil des Teiches selbst.

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