Mit ‘Reform’ getaggte Artikel

Reformkommunikation

Donnerstag, 13. Januar 2011

Insofern grandios, da Neusprech für Neusprech und Beleg dafür, dass man aus dem Brett vor dem Kopf auch eine prima Waffe machen kann. Wir zitieren mal kurz aus dem Strategiepapier politische R. der Bertelsmann-Stiftung: „Dass trotz dieser grundsätzlichen Aufgeschlossenheit hierzulande Initiativen zum Umbau des Wohlfahrtsstaates regelmäßig als Zumutung – nicht als Chance – wahrgenommen werden, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass bislang die Vertrauensbildung durch strategische Regierungskommunikation entschieden zu kurz kommt.“ Also nicht die Reformen Umbauten Streichungen des Sozialstaats Wohlfahrtsstaates sind Schuld daran, dass Politikern keiner mehr traut, sondern die mangelnde R.? Gute Güte. Und wem das nicht reicht, es gibt sogar eine Professur dafür, beziehungsweise gab, inzwischen ist sie bemäntelt umbenannt worden in politische Kommunikation.

Rundfunkservicezentrale

Montag, 14. Juni 2010

Neuer Name für die bislang durchaus treffend Gebühreneinzugszentrale (GEZ) genannte und darob wenig beliebte Geldeintreibungstruppe der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Die Änderung dieser Gebühr zu einer Haushaltsabgabe, also einer Art Fernseh- und Internetsteuer bot offensichtlich eine gute Gelegenheit, ein wenig am üblen Image zu basteln. Nun wird aus der GEZ also eine Servicezentrale. Dabei besteht ihr Service wohl auch weiterhin einzig darin, säumige Zahler zu mahnen. Und konsequent war die Aufhübschung auch nicht, hängt hinten doch noch immer die Zentrale dran. Bei der aber denkt man gleich an Finsteres, ans Datenhorten beispielsweise oder an die Bahn, die aus Toiletten WC-Center machte.

Mit Dank an aprica, fasel, fefe, maltis und Lars W.

Bologna-Prozess

Dienstag, 18. Mai 2010

Was hier so griffig klingt, ist sprachlich kompletter Murks. Richtig müsste das ganze Ding, das eine Absichtserklärung für bessere Hochschulen sein will, Bologneser Erklärung heißen. Denn erstens werden im Deutschen Städtenamen adjektiviert, wenn sie ein Substantiv qualifizieren. Niemand würde von einem Göttingen-Pamphlet oder einem Berlin-Manifest sprechen. Warum man das Adjektiv Bologneser vermeiden wollte, ist rätselhaft. Vielleicht klang es den Beteiligten zu kulinarisch, vielleicht nicht ernsthaft genug? Zweitens aber – und das sagt noch viel mehr über den Quark, der da in Bologna angerührt wurde – denkt man bei einem Prozess zunächst an eine Gerichtsverhandlung. In diesem Fall saß man dann wohl über die Stadt Bologna zu Gericht? Nein, das kann bestimmt nicht gemeint gewesen sein. Was dann? Das Wort zumindest geht auf das lateinische procedere‚ zurück, was ,fortschreiten, vorgehen‘ bedeutet. Neben Gerichtsverhandlungen, die eben auf immer gleiche Art vonstatten gehen, meint das Vorgänge, die – einmal angestoßen – von selbst ablaufen. Und offensichtlich hatten genau das die Bildungspolitiker im Sinn: Die anvisierte Reform als unausweichlichen, unumkehrbaren und geradezu natürlichen Prozess darzustellen. Was reichlich vermessen ist angesichts des Chaos, das sie in ihrer Planlosigkeit angerichtet haben. Dank des Etiketts B. aber wirkt es nun, als träfe niemanden die Schuld an dieser Bildungskatastrophe. Hübsch, oder?