Bomben, virtuelle

Der derzeitige Innenminister fürchtet sich via Massenmedien davor, „kriminelle Banden oder Terroristen“ könnten bald „virtuelle B. zur Verfügung haben“. Wir können ihn beruhigen, vor solchen Bomben muss er sich nicht fürchten – und auch sonst niemand. Ist virtuell doch das Gegenteil von ‚physisch vorhanden‘ und ein virtueller Gegenstand einer, der nur in der Fiktion existiert – in der erdachten oder erträumten Welt. Denn virtuell kommt vom französischen virtuel (‚nicht real, nicht physisch‘), das sich wiederum vom lateinischen virtus (‚Tugend, Charakter‘, eigentlich ‚eines Mannes [vir]‘) ableitet. Es bezieht sich also auf etwas, das höchstens als Metapher funktioniert, ohne selbst vorhanden zu sein. Wovor sich der Innenminister fürchten könnte, wenn er das denn unbedingt will, sind logische B.. Die können tatsächlich einiges Chaos verursachen, in Computerprogrammen. Weswegen man Innenminister Friedrich als eine solche logische B. betrachten könnte, metaphorisch versteht sich. Denn er verwirrt Köpfe.

Abgelegt in: Innere Sicherheit

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Kommentare

16 Reaktionen zu "Bomben, virtuelle"

  1. tnt sagt:

    kabumm

  2. landstreicher sagt:

    Vielleicht sind digitale Bomben gemeint. Hab gehört, der Taliban in Afganisthan ist an Digitalwecker gekommen. Man sollte klären, aus welchem Schurkenstaat die Digitalwecker stammen!

  3. Volker Birk sagt:

    Friedrich ist nicht nur eine echte Bombe, er ist geradezu eine Cyber-Granate.

    Wirrtuell gesprochen, natürlich.

    Viele Grüsse,
    VB.

  4. Spinnzessin sagt:

    @Volker Birk:
    Die korrekte Bezeichnung wäre “Blindgänger”. ;o)

    Und wann kommt jetzt endlich der Bombenräumdienst für dessen kontrollierte Sprengung – natürlich rein Wirr-tuell ;-) – um diese ständige Gefahr für die deutsche Demokratie zu entschärfen?

  5. Lemming sagt:

    Nach den “Kosten- und Beitragsexplosionen” in verschiedenen Wesen (beispielsweise Gesundheits-, Sozial-) und der “demografischen Zeitbombe” kommt es jetzt auf die virtuellen Bomben auch nicht mehr an.

  6. Benjamin sagt:

    Ich las irgendwo mal, dass “virtuell” für “nach Kräften möglich” stehe. Quelle leider nicht mehr vorhanden. Aber: Kommentar?

  7. Kai Biermann sagt:

    @landstreicher
    die meinte er ganz bestimmt, gesagt aber hat er etwas anderes. Abgesehen davon, dass ich auch nicht gewusst hätte, was nun digitale Bomben sind. Ist nicht auch jede Bombe digital, da sie nur die Zustände Null und Eins (wumm) kennt?

    @Volker Birk
    Hah, Mist, Blindgänger ist mir beim Schreiben nicht eingefallen, hätte sich sicher schön einbauen lassen. Zu spät :)

    Hingegen hatte ich dabei dauernd die “heilige Handgranate” der Monty Pythons im Kopf und fand leider keinen Weg, sie einzubauen.

    lg
    k

  8. Kunststurz sagt:

    Für die Amerikaner scheint die Gefahr alles andere als “nicht physisch vorhanden” zu sein ;-):

    “Das alles ist allerdings nur ein kleiner Vorgeschmack auf eine neue Strategie der US-Regierung unter der Regierungsverantwortung des Friedensnobelpreisträger Barack Obama, der zur Konfliktbewältigung die aktive Kriegsführung zu befürworten scheint. Formale Regeln zum Umgang mit Internetangriffen werden derzeit vom amerikanischen Verteidigungsministerium entworfen. Die Cyberdoktrin soll schon sehr bald in Kraft treten – und damit auch ein neues Feindbild. 30 Seiten umfasst die “Strategie”, ein Teil davon soll noch im Juni veröffentlicht werden. Kernbestandteil dieses Plans ist es, mit Waffengewalt zurückzuschlagen, sobald durch einen Internetangriff die Energieversorgung gestört wird und dadurch Menschenleben, beispielsweise in Krankenhäusern, gefährdet werden.”

    Quelle: http://www.rautemusik.fm/news/43327/Die-USA-hat-einen-neuen-Feind/

  9. JK sagt:

    @Benjamin: Was Deutsches hab ich nicht gefunden, aber das Online Etymology Dictionary sagt:

    virtual

    late 14c., “influencing by physical virtues or capabilities,” from M.L. virtualis, from L. virtus “excellence, potency, efficacy,” lit. “manliness, manhood” (see virtue). The meaning of “being something in essence or fact, though not in name” is first recorded 1650s, probably via sense of “capable of producing a certain effect” (early 15c.). Computer sense of “not physically existing but made to appear by software” is attested from 1959.

  10. Virtuell Bombastisch sagt:

    In dem Zusammenhang gibt es ja jetzt das Cyber-Abwehrzentrum. Wäre das nicht auch ein guter Kandidat für einen kleinen Artikel? Klingt sehr nach Neusprech, zumal die gar nix abwehren.