Kreativwirtschaft

Kreativität, schrieb einst der unvergleichliche Eckhard Henscheid, sei „ein faselndes Laberwort vor dem Hintergrund einer zunehmend schwelenden kollektiven Geisteskrankheit“, vor allem aber ein Zeichen für „stupide Geltungssucht“. Der K. nun ist es mit dieser Neusprechverwendung glatt gelungen, diesem Urteil noch eine neue Dimension hinzuzufügen: Kreativität ist demnach auch gnadenlose Ausbeutung. Denn die sich hier selbst beschreibende Wirtschaft, vulgo die Verlage, ist vor allem kreativ darin, ihren Knechten, den Urhebern, mit undurchschaubaren Vertragsklauseln die ureigenen Rechte abzuhandeln, ja noch neue zu erfinden, um die Leistung anderer überall, absolut und für alle Ewigkeit zum eigenen Wohl verwerten und verwursten zu können. Denen, die eigentlich Neues schaffen und erdenken, bleibt angesichts solcher Dreistigkeit nur der Trost, dass eine kollektive Geisteskrankheit dieses Ausmaßes irgendwann zum Wegsperren führt.

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