In der Berichterstattung über die so genannten Epstein-Files, die Unterlagen des verurteilten und inzwischen toten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, ist von minderjährigen F. die Rede. Das ist ein Euphemismus, denn F. sind erwachsene Menschen, hier aber sind die Opfer Mädchen, daher Kinder. Oder es ist eine Art Oxymoron (genauer: eine Contraditio in adjecto), denn Minderjährige und Frauen stehen im Widerspruch. Der scheint gewollt. Wenn von Frauen die Rede ist, klingt ihre Vergewaltigung weniger schlimm. Das substantivierte Adjektiv „Minderjährige“ ist eigentlich hinreichend genug. Ihre systematische sexuelle Ausbeutung wird häufig euphemistisch als „(Sex-)Skandal“ bezeichnet. Der eigentliche Skandal ist aber, wie damit umgegangen wird: Die Prominenten, die mit Epstein in Verbindung standen, stehen im Vordergrund und werden bisweilen sogar als Opfer dargestellt, die eigentlichen Verbrechen treten dabei in den Hintergrund.
Bedrohung, zunehmende
B. ist ein Pleonasmus, also ein Ausdruck mit einem redundanten Adjektiv. Denn wenn die B. nicht zu-, sondern abnimmt, handelt es sich womöglich gar nicht mehr um eine Bedrohung. Aber weil sie so wunderbar universal und nichtssagend ist, wird auf allen nur denkbaren Gebieten von einer zunehmenden B. geredet: bei der organisierten Kriminalität genauso wie bei der Cyberkriminalität, geopolitisch wie umweltpolitisch und natürlich auch bei der Gesundheit. Das überflüssige Adjektiv hat dabei vor allem eine Appellfunktion: Die Politik möge doch endlich etwas tun. Am liebsten mehr Überwachung ermöglichen.
Zukunftsinvestition
Wer in die Vergangenheit investieren will, kann das eigentlich nur auf eine Art, er muss ein Museum bauen. Jede andere Investition dagegen ist in die Zukunft gerichtet, immer. Die Z. ist daher sprachlich ein ziemlicher Unsinn. Gemeint ist mit ihr, dass jemand dafür sorgen möchte, dass die Zukunft besser wird, als die Gegenwart es schon ist. Aber eigentlich ist Z. ein Blähwort, eine Wichtigtuerei. Das noch dazu gern im Plural daher kommt, so als würde gleich in viele verschiedene Zukünfte investiert. Dabei sind nur verschiedene Investitionen gemeint. Beispielsweise in die Bildung – wenn auch leider viel zu selten. Häufiger geht es bei den Z.-en darum, die Wirtschaft zu unterstützen oder ihr Steuersenkungen zu schenken. Auch deswegen sollte der Begriff skeptisch machen.
Verbrenner-Aus
Mit V. (auch Verbrennerverbot) wird eine EU-Verordnung bezeichnet, die ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen erlaubt. Insofern ist V. eine glatte Übertreibung, denn bis dahin gebaute Verbrenner können weiter fahren. Sogar die viel beschworene →Technologieoffenheit ist gewahrt, denn emissionsfreie Verbrenner, beispielweise mit Brennstoffzellen, können auch künftig noch zugelassen werden. Vermutlich wird 2035 ohnehin niemand mehr Verbrennungsmotoren auf Erdölbasis herstellen. Dennoch haben die Union, Teile der SPD und der Grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann das vermeintliche V. als Popanz ins Visier genommen. Sie fordern die Möglichkeit, Fahrzeuge mit erdölgetriebenen Verbrennungsmotoren auch noch nach 2035 neu zuzulassen. Dass es dann wahrscheinlich keine Unternehmen mehr gibt, die noch solche Motoren bauen, sagen sie nicht. Daher ist die Kampagne gegen das sogenannte V. schon eine leicht durchschaubare Form von Populismus.
Siehe auch →Verbrenner, hocheffiziente
Verbrenner, hocheffiziente
Steigerungsformen sind in der politischen Sprache immer ein Warnsignal. Hier wird sprachlich die Effizienz von Verbrennungsmotoren gesteigert und das ist regelrecht absurd. Denn es ist wirklich nur sprachlich möglich, technisch geht es nicht. Kurz zum Hintergrund: Bundeskanzler Friedrich Merz hat die EU-Kommissionspräsidentin gebeten, Verbrennungsmotoren doch bitte nicht vollständig zu verbieten. Die EU solle doch auch nach 2035 noch „hocheffiziente V.“ zulassen. Nach 150 Jahren Forschung am Verbrennungsmotor ist dieser jedoch ausgereizt, seine Effizienz lässt sich nicht weiter steigern. Das liegt nicht an fehlendem Erfindergeist oder an nicht ausreichender →Technologieoffenheit, sondern am Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. Demnach kann der Wirkungsgrad einer Kraftwärmemaschine – zu denen Verbrennungsmotoren nun einmal gehören – den sogenannten Carnot-Wirkungsgrad nicht überschreiten. Ohne ins Detail gehen zu wollen, bedeutet dieses physikalische Gesetz, dass die Hälfte des Kraftstoffes immer in (Ab)-Wärme umgewandelt werden wird und nicht in Fortbewegung. Heutige Motoren sind sehr nahe an dieser physikalischen Absolutgrenze und der Physik ist völlig egal, was amtierende Bundeskanzler so behaupten. Verbrennungsmotoren werden nicht mehr effizienter, als sie es längst schon sind. Ideologie kann versuchen, physikalische Gesetze zu leugnen, überwinden kann sie diese nicht. Die mit dem Begriff hocheffiziente V. transportierte Hoffnung, es könne noch viel bessere Verbrennungsmotoren geben, wenn man nur lange genug forscht, und man müsse diese umweltschädliche Technik gar nicht aus dem Verkehr ziehen, ist keine. Sie ist eine Lüge. Die Bundesregierung hat trotz zahlreicher Nachfragen dazu denn auch offengelassen, was genau mit der Formulierung gemeint ist. Möglicherweise geht es um eine weitere trügerische Hoffnung, sogenannte E-Fuels. Diese künstlichen Kraftstoffe lassen sich zwar aus CO2 und beispielsweise Windkraftstrom herstellen – ihre Effizienz ist allerdings miserabel. Wen es interessiert: Wirklich hocheffizient sind Elektromotoren. Elektrofahrzeuge erreichen einen Wirkungsgrad von 90 Prozent. Und diese Zahl ist nicht von der Bundesregierung, sie stammt von der Autoindustrie.
Siehe auch →Technologieoffenheit und →Technologien, modernste und natürlich →Verbrenner-Aus
