Kreativität, schrieb einst der unvergleichliche Eckhard Henscheid, sei „ein faselndes Laberwort vor dem Hintergrund einer zunehmend schwelenden kollektiven Geisteskrankheit“, vor allem aber ein Zeichen für „stupide Geltungssucht“. Der K. nun ist es mit dieser Neusprechverwendung glatt gelungen, diesem Urteil noch eine neue Dimension hinzuzufügen: Kreativität ist demnach auch gnadenlose Ausbeutung. Denn die sich hier selbst beschreibende Wirtschaft, vulgo die Verlage, ist vor allem kreativ darin, ihren Knechten, den Urhebern, mit undurchschaubaren Vertragsklauseln die ureigenen Rechte abzuhandeln, ja noch neue zu erfinden, um die Leistung anderer überall, absolut und für alle Ewigkeit zum eigenen Wohl verwerten und verwursten zu können. Denen, die eigentlich Neues schaffen und erdenken, bleibt angesichts solcher Dreistigkeit nur der Trost, dass eine kollektive Geisteskrankheit dieses Ausmaßes irgendwann zum Wegsperren führt.
Mit ‘Eckhard Henscheid’ getaggte Artikel
Kreativwirtschaft
Mittwoch, 01. Dezember 2010Störerhaftung
Freitag, 18. Juni 2010Wer hat da jetzt Schuld? Das ist eine beliebte Frage, nicht nur in Beziehungen. Da der Gesetzgeber in seiner allseits fürsorglichen Art nicht mit den Schultern zucken mag, wenn sich diese wieder einmal nicht beantworten lässt, hat er sich einen Trick ausgedacht. Der Trick heißt S. und bedeutet: Wenn wir den wahren Sünder nicht kriegen, nehmen wir eben den Nächstbesten. In diesem Fall also den, der dämlich genug war, seinen Kram herzuborgen oder nicht gescheit wegzusperren (womit die Bedeutung von Störer erheblich erweitert wurde, aber das nur am Rande). Denn, so die nur für Juristen logische Logik, man ist auch für Folgen eines Dingsbums verantwortlich, wenn man zwar nicht dabei, aber “verfügungsbefugt” war (da steckt zweimal fug drin, das kann also gar kein Unfug sein). Da schau her, kann man da mit Gerhard Polt, mit Eckhard Henscheid, von dem wir den weisen Satz geklaut zitiert haben und mit dem brummendem Kopf nur nicken. Bei Sturmgewehren (auch ein schönes Wort), ist das ja noch zu verstehen. Aber warum ein drahtloses Netzwerk aka WLAN so riskant sein soll, dass unbedingt immer irgendwer dafür verantwortlich sein muss, ist uns nicht so ganz klar. Und wie sieht das dann mit Kindern aus? Kann man bei denen auch lebenslang in S. genommen werden? Immerhin hat man “durch eine eigenständige Handlung die Beeinträchtigung bewirkt“. Also durch die Zeugung die Geburt jetzt, das Kaputtmachen erledigen die Gören schon selbst. Aber gerade das spielt bei dem Trick ja keine Rolle. Weswegen uns gleich noch ein geklauter weiser Satz einfällt: There’s always a catch. Leider wahr.
Für Christian H.


