Killerspiele

Sprachlich sind K. eine Pejoration, der Versuch also, eine möglichst abwertende Bezeichnung zu finden. Das englische First Person Shooter ist neutraler, auch das im Deutschen gebräuchliche und daran angelehnte Ego Shooter vermeidet eine Wertung. Die K. jedoch sollen wertend sein, denn politisch sind sie ein Beispiel für gezielt negative PR, um eine Gruppe von Menschen zu kriminalisieren und gesellschaftliche Probleme zu kaschieren. Abscheu und Verachtung soll der Begriff ausdrücken über jene Computerspiele, die Gewalt thematisieren. Dabei aber zeigt sich in ihm nur Unverständnis und Ignoranz. Denn konsequenterweise müsste auch von Killerfilmen und Killerbüchern gesprochen werden. Doch taugen Thriller und Krimis nicht, um von den Ursachen sogenannter Schulmassaker abzulenken, um nicht über fehlende Perspektiven, nicht vorhandene Bildungschancen oder zusammengekürzte Jugendarbeit reden zu müssen – um nur ein paar der wahren Ursachen jugendlicher Gewalt zu nennen.

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Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Kommentare

12 Reaktionen zu "Killerspiele"

  1. Karpfenpeter sagt:

    Verstehe ich es eigentlich richtig:

    Pejoration ist, wenn ein Begriff (beispielsweise durch den Lauf der Zeit) eine negative Bedeutung annimmt, während ein Dysphemismus das bewusste Austauschen eines neutralen Wortes durch ein negativ beladenes Wort darstellt. (?)

    Ist “Killerspiel” eine Pejoration, weil “Killerspiel” früher (also Wandel der Wortbedeutung im Laufe der Zeit) ein reiner Zeitvertreib war, heute in der öffentlichen Wahrnehmung als der Motivator für Amokläufe gesehen wird?

    Ich frage, um den Begriff Pejoration zu verstehen und die Abgrenzung zum Dysphemismus zu begreifen.

    Danke und Gruss, Karpfenpeter

  2. Mr.Lowbob sagt:

    Ich habe mich schon gefragt, wann dieses Wort mal irgendwo auftaucht^^
    sehr gute zusammenfassung. Trifft es ganz genau.

  3. Was ist Moorhuhnschießen?

    http://www.heise.de/tp/blogs/6/147916
    “ein Texaner, der seine zweijährige Stieftochter tötete, weil sie ihn während des Spiels der US-Nationalmannschaft gegen Ghana durch Weinen störte”
    Sorry, das mußte mal sein.

    Carsten

    http://ruthe.de/cartoons/strip_0185.jpg

  4. Martin Haase sagt:

    @Karpfenpeter: Ein Dysphemismus ist einfach die Verwendung von negativen Wörtern für Positives: z.B. krass für ‚gut‘ bzw. für ‚sehr‘ oder das erste Kompositionsglied in Scheißglück (haben) oder Teufelskerl. Damit ist eine Aufwertung intendiert (wenigstens eine expressive). Die Pejoration besteht in der Verschlechterung oder Diskreditierung einer Sache, z.B. durch Pejorativsuffixe (gibt es im Deutschen nicht, italienisch z.B. -accio) oder Kompositionselemente wie eben Killer-. Bei Killerapplikation handelt es sich um einen Dysphemismus, während Scheißköter normalerweise eine Pejoration und kein Dysphemismus ist (im Gegensatz zu Da habe ich ein Scheißglück gehabt.).

  5. Pingback von:

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  6. Daniel sagt:

    Stimmt, konsequenterweise müsste man auch von “Killerfilmen” und “Killerbüchern” sprechen. Doch nicht grundlos kennen Bücher FSK-Beschränkungen nicht. Es ist etwas ganz anderes, ob man Wörter liest, oder man mitten im Gefecht vor grossem Bildschirm mit beeindruckender Grafik und Sound am ballern ist. Nicht umsonst wurden Ego-Shooter ursprünglich vom Militär entwickelt, um Soldaten mitleidsloser zu machen. Und da wundert man sich, wenn sie tatsächlich diese Wirkung haben? Kein Buch, nicht mal Filme handeln 98% von Schiessen, Kriegen, Kämpfen – und eben Killen, doch diese danach benannten “Killerspiele” schon. Und die grausamsten, mit den realistischsten Darstellungen menschlicher Gewalt könnten deshalb verboten werden.

  7. Thomas sagt:

    Äh pardon aber das ist absoluter Schwachsinn. Also die Behauptung Egoshooter sein vom Militär entwickelt worden. Wo hast du denn diese Informationen her?
    Tatsache ist, dass das US-Militär versucht hat (Betonung liegt auf “versucht”) die reflexe der Soldaten mit Ego-shootern zu verbessern und das ohne Erfolg.
    Mal abgesehen davon, werden Spiele und das nicht nur Egoshooter völlig unabhängig von Handlung oder dem prozentualen Anteil der Schießerein gekürzt, zensiert oder eben verboten. Da geht es nur um die eigentliche Brutalität und auch das ist oft sehr fragwürdig.

  8. Lutz P. sagt:

    > “…das ist absoluter Schwachsinn. Also die Behauptung Egoshooter sein vom Militär entwickelt worden.”
    Dave Grossmann, US-Militärpsychologe, argumentiert in “On Killing” sehr überzeugend für einen Zusammenhang zwischen solchen Spielen und dem Abbau von Agressionshemmungen. Das Argument ist, dass diese Spiele eine starke Ähnlichkeit mit militärischen Trainingsprogrammen haben, mit denen man Soldaten (seit Anfang der 1960er Jahre, übrigens sehr erfolgreich) beigebracht hat, wirklich auf Feinde zu schießen. Ein entscheidender Unterschied ist nach seiner Meinung, dass solchermaßen trainierte Soldaten a) unter Aufsicht stehen und b) vor der Entlassung “rücktrainiert” werden. Der Abbau der Agressionshemmung macht z.B. aus jemandem, der andere anpöbelt, u.U. einen Mörder.

  9. Antonym sagt:

    Theater-, nein: Thematisieren
    Ein geiles Wort, so sachlich, so schick-schön, realistisch, realitätsbezogen, so geschickt zu verwenden. Einstein thematisierte… – Ach, was: Der Papst thematisiert(e) die Priesterschaft der Frauen.. na, eben: nicht. Aber statt dessen, äh, ja, der Papst, die sich ausbreitende Aggressionsbereitschaft usw.

    Aber hier: Thema „Killerspiele“: „Abscheu und Verachtung soll der Begriff ausdrücken über jene Computerspiele, die Gewalt thematisieren. (…)“
    Lust zum weiteren Thematisieren? Ach, das ist kein Euphemismus. das eine seligmachende Schönrednerei. So passend zum Thema, wie man Sachverhalte vertuschen, aufhübschen, verschönern … kann.
    Glück-Wunsch!