Raubkopie

Um im Wortsinn korrekt zu sein, müsste sich das Erstellen einer R. ungefähr so abspielen: „Ey, Alta, rück die CDs raus, die du dir da kopiert hast, aba zackich, sonst kriechste aufe Mütze!“ Denn merke, das Merkmal des Raubes ist die Gewalt gegen eine Person oder wenigstens doch die Androhung derselben. Daher entspricht die Beschlagnahme etwaig kopierter CDs durch Ordnungsorgane des Staates viel eher den Anforderungen des Raubes (wenn sie denn nicht gesetzlich legitimiert und damit rechtens wäre), als die Anfertigung solcher. Und da wir schon dabei sind, eine Kopie ist eine Kopie ist eine Kopie. Das gilt nicht einmal als Diebstahl. Sie gar eine R. zu nennen, ist ein Oxymoron (also ein Widerspruch in sich: kopieren passt nicht zu rauben) und somit bösartiger Quatsch. Wenn jene, die so gern vom rechtsfreien Raum Internet reden, rechtliche Begriffe so missbrauchen, müssen sie sich nicht wundern, wenn ihnen niemand mehr zuhört.

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Reaktionen

26 Reaktionen zu "Raubkopie"

  1. Paul Behrens sagt:

    ;) gut gut
    schau doch auch mal bei meinem blog vorbei ;)

  2. vera sagt:

    Ach Martin, das Problem ist ja nicht, daß sie reden – sie machen auch noch Gesetze draus. Hanebüchene – ohne sich im Geringsten der Reichweite ihres in Unkenntnis und Verkennung der Sachlage verzapften Schwachsinns bewußt zu sein. Und weil vorher so Wenige zugehört haben, ist nachher die Verwunderung groß. Der Schaden auch.

  3. Pingback von:

    Ein Schuh für Schäuble » Raubkopie? |
  4. bundesrainer sagt:

    Ist ja schon ein Klassiker unter dem modernen Neusprech. :)

    Ich würde gern die Begriffe “Bürger”/”bürgerlich” wie z.B. in “bürgerliche Mitte” vorschlagen. Ob das wirklich Neusprech ist, weiß ich nicht, allerdings werden die Begriffe oft recht unterschiedlich in der Öffentlichkeit verwendet

  5. icke sagt:

    Wobei das Wort “Raubkopie” ja eher die Kopie eines bereits durchgeführten, oder zumindest in der Endphase der Planung befindlichen Raubes impliziert. Das von Dir oben beschriebene Szenario ist wohl eher mit “Kopienraub” zu beschreiben.

  6. Christian sagt:

    Stimmt, so habe ich das noch gar nicht betrachtet! Im Grunde bekommen wir mittlerweile von den Herstellern selbst ja immer mehr Raubkopien, also wir bekommen die Kopien der Spiele und uns werden die Nerven und das Geld geraubt. Geraubt deswegen, weil wir ja immer häufiger ein Spiel nicht mehr weiterverkaufen können, wenn wir es einmal registriert haben – und mag es auch noch der letzte Schrott sein, wir bleiben jetzt auf ewig drauf sitzen. Von den Bugs und Serverausfällen bei Onlinepflicht einmal ganz zu schweigen ^^