Raubkopie

Um im Wortsinn korrekt zu sein, müsste sich das Erstellen einer R. ungefähr so abspielen: „Ey, Alta, rück die CDs raus, die du dir da kopiert hast, aba zackich, sonst kriechste aufe Mütze!“ Denn merke, das Merkmal des Raubes ist die Gewalt gegen eine Person oder wenigstens doch die Androhung derselben. Daher entspricht die Beschlagnahme etwaig kopierter CDs durch Ordnungsorgane des Staates viel eher den Anforderungen des Raubes (wenn sie denn nicht gesetzlich legitimiert und damit rechtens wäre), als die Anfertigung solcher. Und da wir schon dabei sind, eine Kopie ist eine Kopie ist eine Kopie. Das gilt nicht einmal als Diebstahl. Sie gar eine R. zu nennen, ist ein Oxymoron (also ein Widerspruch in sich: kopieren passt nicht zu rauben) und somit bösartiger Quatsch. Wenn jene, die so gern vom rechtsfreien Raum Internet reden, rechtliche Begriffe so missbrauchen, müssen sie sich nicht wundern, wenn ihnen niemand mehr zuhört.

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Reaktionen

27 Reaktionen zu "Raubkopie"

  1. Martin Haase sagt:

    @vera: Ja, du hast vollkommen Recht. Nicht zuzuhören wäre ein Fehler. Und leider besteht bei Politikergerede auch immer die Gefahr, dass es in katastrophale Gesetze mündet. Daher sollte man sich auch frühzeitig informieren, z.B. über ACTA.

    @icke: Genau genommen ist eine R. eine durch gewaltsamen Diebstahl (Raub) entstandene Kopie, aber Diebstahl und Kopie bilden halt ein Oxymoron.

    @Christian: Beim Kauf eines Spiels, erwirbt man offenbar oft nur eine nicht-übertragbare und unveräußerliche Nutzungslizenz. Wenn einem dabei vorgemacht wird, man hätte Eigentum an etwas erworben, fühlt man sich in der Tat getäuscht. Vielleicht sollte man eine so genannte „legale Kopie“ besser als Täuschungskopie oder Lizenzkopie bezeichnen.

    @bundesrainer: „Mitte“ ist tatsächlich eine oft missbrauchte Metapher und „bürgerlich“ meint auch etwas anderes als das, was viele damit ausdrücken wollen.

  2. Jan sagt:

    Applaus! Warum sieht das sonst kaum einer (will das keiner sehen)?

  3. sofias sagt:

    ich bevorzuge ja das wort freikopie :)

  4. Lemming sagt:

    Es ist ja seit 2003 verboten, einen „wirksamen Kopierschutz“ zu umgehen. Das Problem ist: Wenn man den Kopierschutz umgehen kann, war er offensichtlich nicht wirksam.
    Aber es ist noch besser: Man darf nicht mal mehr Software verbreiten, die geeignet ist, Kopierschutz zu umgehen. Damit lässt sich nun folgendes bewerkstelligen: Man entwickle einen Kopierschutz, der, sagen wir, nur auf einem Amiga funktioniert und auf allen anderen Rechnersystemen beim Kopieren keinerlei Schwierigkeiten macht, also direkt mit den Funktionen des Grundsystems kopiert werden kann. Dann wären alle Systeme außer Amiga per Definition illegale Kopiersoftware und müssten umgehend aus dem Verkehr gezogen werden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kopierschutz

  5. Heinz sagt:

    … deshalb sollten wir alle die R. in Zukunft nur noch ,,Raubmordkopie“ nennen.

    – Mit der Übertreibung müsste jeder den (Un)Sinn erkennen.

  6. Lukas sagt:

    Naja…
    Raub ist ja wortgeschichtlich nicht als juristischer Begriff zu sehen, sondern eher im Kontext von Komposita wie Raub-Vogel oder Raub-Bau und somit durchaus auch als Raub-Kopie nutzbar. Schön ist an dem Wort, dass es komplizierte ökonomische Zusammenhänge, wie die Zerstörung von Anreizsystemen in der kulturellen Infrastruktur, zusammenfasst. (oder der Contentmafia um in der Sprache dieses Böogs zu bleiben)

    Insgesamt sieht man hier wieder sehr schön, wie die platte Heuchelei von Piraten funktioniert. Auf der einen Seite prangert man Neusprech und Intransparenz an und im selben Atemzug verbreitet man Propaganda wie hier weiter oben zu lesen. Wenn es nicht so traurig wäre müsste man ob solcher Ironie schallend lachen. Maha war mal besser…

  7. Nein, das ist zu eng gedacht. „Raub-“ wörter gibt es durchaus mehrere, ohne die Androhung körperlicher Gewalt. Der Mundraub etwa, Raubbau, der Grabraub, die Raubgrabung. Der Kunstraub ist thematisch mittlerweile auch so weit ausgedehnt, dass er keine Gewalt mehr umfassen muss. Die Raubkopie steht also nicht allein.

    Zudem wäre die „Raubkopie“ nicht das erste Wort, das sich an andere, thematisch ähnliche aber nicht identische, anlehnt, und deren ursprünglich polarisierte Bedeutung verwässert. Das mag politisch oder ideologisch motiviert sein (wie Sie wohl vermuten), muss aber nicht.

    Eine Raubkopie ist, wenn Sie mich fragen, die Erschleichung einer Dienstleistung. Ähnlich wie das Schwarzfahren vielleicht, weswegen der Begriff Schwarzkopie passend scheint. Wenn man der Wiki glauben darf, stammt dieses Wort vom jiddishen „swarz“ („Armut“) – nur dass unsere Schwarzkopierer keinesfalls arm sind. Alleine der Besitz der nötigen IT-Ausrüstung macht sie global gesehen zu reichen Menschen, weswegen auch dieser Begriff seine Probleme hat.