Stromveredelung

Strom ist nicht gleich Strom. Wie das im Kapitalismus so ist, kann der gleiche Strom teurer und billiger sein. Wollen viele ihn haben, müssen sie mehr bezahlen, obwohl derjenige, der ihn produziert, weder mehr Mühe noch mehr Kosten dadurch hat. Die, die daran verdienen, nennen das die „Gesetze des Marktes“; Klaus Vorwerk nannte es treffender „die Religion der Diebe“. Wie Recht er damit hat, zeigt sich an Begriffen wie der S., einer Schöpfung der damit befassten Industrie. In der Linguistik wird so etwas Hyperbel genannt: Übertreibung. Denn mit diesem Wort wird ein technisch banaler Vorgang blumig umschrieben: die Speicherung überschüssigen Stroms in Pumpspeicher- oder Druckluftkraftwerken. Der Wirkungsgrad ist gering und auch edler wird er dadurch nicht. Er kann nur zu einem anderen Zeitpunkt verkauft werden – dann nämlich, wenn viele ihn brauchen und gezwungen sind, zu bezahlen, was der Anbieter verlangt. Mehr, in erster Linie. Das Verfahren taugt auch dazu, aus Atomstrom, der billig aber seltsamerweise mies angesehen ist, Ökostrom zu zaubern. Der ist cool und das kostet natürlich. Warum? Siehe oben.

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Reaktionen

16 Reaktionen zu "Stromveredelung"

  1. Daniel9000 sagt:

    Wo ist denn das Problem an dem Wort? Wenn Strom knapp ist, weil gerade viele Leute Strom haben wollen und nur wenig Strom da ist, muss Strom sinnvollerweise teurer sein, denn so werden Verbraucher dazu bewogen, in dem Moment doch nicht so viel zu verbrauchen wenn es sich vermeiden lässt, und Produzenten dazu bewogen, noch mehr Aufwand zu treiben und mehr Strom zu produzieren. Das ist ja der Sinn des Preises. Wenn es jemand schafft, mit hohem Aufwand aus weniger wertvollem Strom (Strom zu einem Zeitpunkt, an dem genug davon da ist), wertvolleren (“edlen”) Strom zu machen (also Strom zu einem Zeitpunk, zu dem er knapp ist), kann man doch durchaus von Veredelung sprechen.

    Dass einige Leute andere Vorstellung vom Wert von Strom haben und z.B. Ökostrom für wertvoller/edler halten als Atomstrom und dafür mehr zu bezahlen bereit sind, ist natürlich bescheuert.

  2. hoergen sagt:

    Ich habe eine lieb gemeinte Bitte: Benutzt mehr Absätze und weniger verschachtelte bzw Nebensätze, dann sind die Texte auf Anhieb besser zu lesen.

    Denn ich finde euer Blog wichtig und noch wichtiger, dass es sehr sehr viele Leute lesen (wollen).

  3. Andy386 sagt:

    Die Speicherung der überflüssig produzierten Energie in Speicherkraftwerken ist nix neues. Es gibt auch genügend Energiequellen, die man nicht mal eben so runterfahren kann (-> Kernkraft) bzw. wo das keinen Sinn macht (-> Wind/Wasser*). Im Osten (vllt. auch im Westen?) der Republik gab es früher billigeren Nachtstrom, sodass einige Nachtspeicheröfen zuhause hatten, quasi Batterien, um (Wasser-)Speicherkraftwerke einzusparen.

    Auf der anderen Seite heulen einige dann rum, wenn sie hören, dass Windanlagen schnell mal aus dem Wind gedreht werden (und Netzbetreiber sich drüber freuen, damit es keine Überlast gibt!)…

    *: Solar gibts hier nicht, weil a) in der Nacht die Sonne woanders scheint und b) sich diese Technik eh nicht so wirklich Sinn macht.

  4. Tita sagt:

    Die Stromspeicherung wird künftig enorm wichtig werden – ganz unabhängig davon zu welchem Preis er verkauft werden soll. Sicher, der Begriff Stromveredelung ist nonsens. Aber dass Atomkraft passé sein wird in Deutschland scheint fakt zu sein, ganz gleich ob einem das nun gefällt oder nicht. Und mehr Erneuerbare Energien brauchen nunmal zwei Dinge um funktionieren zu können: 1. bessere Stromnetze und 2. Stromspeicher zur Steuerung. Und beides wird auch künftig recht schwierig weiter voran zu treiben sein, wegen Umweltschützern und Anwohnern die das nicht vor der Haustüre haben möchten. Bei uns im Schwarzwald gibt es einen Pumpspeichersee, der Widerstand ist durchaus da.

  5. Ludwig Trepl sagt:

    Daniel9000 meint, daß wertvollerer Strom “edler” Strom genannt werden kann. Irgendwas knirscht aber da. Erinnern wir uns an die Geschichte von “edel”:
    Wertvoller ist der Strom ja für die, die damit handeln, nicht für die, die damit kochen oder ihr Zimmer beleuchten. Ist in der guten alten Zeit, also vor der Revolution, in Frankreich ein Edler, ein Angehöriger des Altadels, durch Handel zu Geld gekommen statt auf edle Weise, also im wesentlichen durch Mord und Todschlag oder wenigstens die Drohung damit, dann drohte ihm der Verlust seines Adelstitels. Man sieht: Edel und wertvoll im Sinne von “kostet viel” will nicht so recht zusammenpassen.

  6. Lemming sagt:

    @Tita
    Dass Anwohner grundsätzlich gegen Netzbau seien, ist genau so eine Propagandalüge der Energiewirtschaft, wie vieles andere. Wahr ist vielmehr, dass die Energieriesen einen Sündenbock für ihren verschleppten Netzausbau suchen:
    http://www.youtube.com/watch?v=QPaigFKn2X8
    Auch die Behauptung, dass das Stromnetz extrem ausgebaut werden müsste, ist Propaganda der Energiemonopolisten:
    http://www.heise.de/tp/artikel/34/34540/1.html

  7. Martin sagt:

    Glückwunsch zu dem gelungenen Blog!
    Habe ich den Eintrag zu “Aufklärung, rückhaltlose” übersehen, oder gibt’s den wirklich (noch) nicht?

  8. Damit ein Stromnetz funktionieren kann, muss die Erzeugung mit hoher Präzision der Nachfrage folgen. Damit diese physikalisch notwendige Voraussetzung erfüllt werden kann, sollen Marktanreize dafür sorgen, dass das auch zu jedem Zeitpunkt erfüllt wird.
    Deshalb wird Strom dann, wenn es schwierig wird, diese Bedingung zu erfüllen besser bezahlt als dann, wenn es leicht fällt oder sogar Überschüsse vorhanden sind.

    Den Endverbraucher tangieren diese Marktmechanismen an der Strombörse aber kaum, er bezahlt bei seinem Versorger in der Regel einen feststehenden Tarifpreis.

    Speicher bekommen aber mit dem zunehmenden Einsatz volatiler erneuerbarer Energien eine entscheidende Rolle dafür, dass die Stromversorgung weiterhin stabil funktionieren wird.

    Erstmals wurde mit meiner Doktorarbeit eine systematische Analyse des Speicherbedarfs für eine sichere Stromversorgung mit regenerativem Strom aus Wind und Sonne durchgeführt.
    Die geschaffenen Grundlagen ermöglichen einen ökonomisch und ökologisch vorteilhaften Umbau des Stromversorgungssystems.

    Die volatilen Energien aus Wind und Sonne erfordern enorme Speicher, wenn damit eine bedarfsgerechte Versorgung erfolgen soll.

    In meiner im September 2010 vom Springer Verlag als Buch herausgegebenen Doktorarbeit “Speicherbedarf bei einer Stromversorgung mit erneuerbaren Energien”, wird mit dem Ringwallspeicher ein Vorschlag gemacht, der die Speicherlücke in allen Ländern Europas, bei Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, schließen könnte.

    Auf ein zusammenfassendes Dokument und weitere Informationen dazu kannen über
    http://www.poppware.de/Links_und_Downloads
    zugegriffen werden.

    Mein nächster öffentlicher Vortrag dazu findet am 11. Mai 2011 an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg statt.
    Berichtet wird dabei auch über Zwischenergebnisse der dort dazu durchgeführten geotechnischen Studien.

  9. Martin Haase sagt:

    Stimmt, den müssen wir noch verfassen.

  10. Student der Elektrotechnik sagt:

    Normalerweise lese ich diesen Blog wirklich gerne, aber gerade bei diesem Thema, mit dem ich mich viel beschäftige, muss ich euch widersprechen.
    Im Moment ist scheinbar jeder Experte für Energieerzeugung und Netzplanung. Der Begriff der Energieveredelung ist vielleicht ungünstig gewählt, das kann sein, aber es steckt ein komplexer technischer Prozess dahinter und genau das beschreibt eine Veredelung(siehe Wikipedia). Jeder der was anderes behauptet hat entweder eine spitzen Idee, die er noch Niemandem erzählt hat, oder sich vielleicht doch nicht so gut mit dem Thema befasst.

    Es ist nun mal so das Strom genau dann, wann er Erzeugt wird auch genutzt werden muss. Man kann in ein Stromnetz nicht zu viel und nicht zu wenig Strom stecken ohne das man das die Stabilität des ganzen Gebildes gefährdet.

    Wenn z.B. in das Stromnetz je nach Windstärke beliebige Mengen Strom eingespeist werden, stellt das für die heutigen Netze schon ein großes Problem dar, wenn die Erzeugungskapazitäten nun um mehrere Tausend MW erhöht werden soll dann kann dies nicht ohne eine ausgeklügelte Steuerung geschehen. Ebenso sind Speichertechnologien unverzichtbar da man Strom eben nicht in der Leitung lagern kann.

    Genauso braucht man ein gut ausgebautes Netz um Strommengen transportieren zu können. Strom kommt eben nicht einfach so aus der Steckdose auch wenn das für alle einfacher wäre.

    Aber versteht mich bitte nicht falsch, ich wäre wohl einer der Letzten die gegen umweltbewusstes Handeln und erneuerbare Energien wäre.
    Aber bei vielen Ideen und Aussagen würde ich mir wünschen das man auch die Naturgesetze beachtet, weil die kann man nicht mal so eben ändern nur weil sie einem nicht gefallen.