Stromveredelung

Strom ist nicht gleich Strom. Wie das im Kapitalismus so ist, kann der gleiche Strom teurer und billiger sein. Wollen viele ihn haben, müssen sie mehr bezahlen, obwohl derjenige, der ihn produziert, weder mehr Mühe noch mehr Kosten dadurch hat. Die, die daran verdienen, nennen das die „Gesetze des Marktes“; Klaus Vorwerk nannte es treffender „die Religion der Diebe“. Wie Recht er damit hat, zeigt sich an Begriffen wie der S., einer Schöpfung der damit befassten Industrie. In der Linguistik wird so etwas Hyperbel genannt: Übertreibung. Denn mit diesem Wort wird ein technisch banaler Vorgang blumig umschrieben: die Speicherung überschüssigen Stroms in Pumpspeicher- oder Druckluftkraftwerken. Der Wirkungsgrad ist gering und auch edler wird er dadurch nicht. Er kann nur zu einem anderen Zeitpunkt verkauft werden – dann nämlich, wenn viele ihn brauchen und gezwungen sind, zu bezahlen, was der Anbieter verlangt. Mehr, in erster Linie. Das Verfahren taugt auch dazu, aus Atomstrom, der billig aber seltsamerweise mies angesehen ist, Ökostrom zu zaubern. Der ist cool und das kostet natürlich. Warum? Siehe oben.

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Reaktionen

16 Reaktionen zu "Stromveredelung"

  1. das-pearl sagt:

    solange gesetzliche grundlagen einer günstigen europäischen stromspeicherung im weg stehen, wird es auch keinen günstigen strom aus erneuerbaren energien geben: http://www.youtube.com/watch?v=0kIusrBMhXU

    über sinn und unsinn von elektrischer heizung oder die ganze nacht licht an kann man sich streiten…

  2. Auch Student sagt:

    @Student der Elektrotechnik

    Ja, das mag ja alles stimmen. Und damit hast du auch wirklich recht. Ich studiere ebenfalls Elektrotechnik. Aber es ist einfach Gurkenkäse zu behaupten, dass die dort umgewandelte (und somit gespeicherte) Energie veredelt ist. Es ist lediglich Energie die, unter Verluste, umgewandelt worden ist. Und ich kann sie wieder „frei“ setzen (eigentlich ja nur zurückwandeln, man kann nicht einfach Energie „gewinnen“), sobald ich sie benötige. Ist Sie deshalb edler?
    Und wenn man dann noch zuerst die „dreckige“ Energie in „saubere“ Energie umwandelt, um sie im Anschluss als Ökostrom zu verkaufen, so erscheint mir der Eintrag doch recht plausibel. Oder würdest du es Ökostrom nennen, wenn ich ein Atomkraftwerk betreibe, um damit riesen große Glühbirnen erleuchten zu lassen, die dann wiederum auf Photovoltaikanlagen leuchten und somit „Ökostrom“ produzieren?

    Ein anderes Beipiel (hinkt vielleicht ein wenig, aber du wirst sehen worauf ich hinaus will):
    Nehmen wir eine andere Art von Speicher, die jeder von uns benutzt oder benutzt hat: Stift und Papier. Ich mache mit dir ein Treffen aus, aber da das in Ferne liegt, schreibst du dir das lieber auf und speicherst es somit ab, sodass du es nicht vergisst. Dann schaust du meinetwegen in dein Terminkalender und siehst, dass du ein Treffen mit mir hast und erinnerst dich, bzw. du weisst es nun. Und du kannst dich mit mir treffen.
    Was ist passiert? Zu Anfang haben wir Information ausgetauscht und du hast diese Information abgespeichert (oder auch umgewandelt) und kannst darauf zurückgreifen, wenn immer du sie benötigst. Würdest du deshalb von veredeltem Papier reden?
    Und wenn dus technisch komplizierter haben willst, dann reden wir halt von Festplatten. Da steckt, glaube ich, auch erstmal noch genug Technik drin ;)

    Kurzum:
    Du hast Recht, Strom muss, wenn er produziert wird auch verbraucht werden, und dass man das durch Preisanpassung macht, mag auch ok sein. Aber der Strom ist doch durch mehrmalige Umwandlung/Speicherung nicht veredelt. Im Gegenteil, er kann lediglich die gleichen Geräte betreiben und hat sogar noch einen kleineren Wirkungsgrad (durch die Verluste beim Umwandeln).

    Für nen BMW zahl ich ja auch mehr als für nen Lada, aber dafür bekomm ich auch mehr (Komfort etc. … das nenn ich mal edler). Aber für den teureren, veredleten Strom, kann ich deswegen mit meinem elektroauto auch nicht weiter fahren.

    mfg

  3. JohannesW sagt:

    @Auch Student

    Strom ist natürlich kein Material welches man in herkömmlichen Sinne veredeln kann wie ein Stück Erz welches man verhüttet und daraus ein Stück Metall rausbekommt.

    Es geht hier darum dass man „übermäßig“ vorhandenen Strom und somit billigeren Strom, Strom für Zeiten macht in denen man ihn für einen weit höheren Preis aufgrund der wenigen Mitanbieter verkaufen kann. Dies geht eben indem man diese flüchtige Energieform in eine nichtflüchtige Energieform wandelt und wieder zurückwandelt. Wenn der 2-Fache Wandlungsprozeß mit seinen Verlusten geringer ausfällt als die Gewinnmarge dann hat es sich rentiert. Dann hat man aus weniger wertvollem Strom wertvolleren Strom gemacht. Der Strom ist für den Kunden der ihn braucht eben in jenam Zeitfenster sein Geld wert ansonsten würde er den Preis ja nicht zahlen. Somit ist der Veredelungsprozeß vom Kunden durchgeführt. Man kann sich ja auch weigern zu „Mittagszeiten“ den Strom abzunehmen wenn jeder kocht und die Fabriken voll schaffen und dann eben die Waschmaschine in der Nacht laufen lassen wenns billiger ist.

  4. Student der Elektrotechnik sagt:

    @Auch Student

    Aus Wikipedia „Veredelung oder das Veredeln ist ein Prozess, bei dem etwas in etwas Höherwertiges umgewandelt wird. Das kann etwa rein kosmetisch sein, oder aber die Produktivität steigern. Veredelungen werden in nahezu jeder produzierenden Branche durchgeführt“ http://de.wikipedia.org/wiki/Veredelung

    Meiner persönlichen Meinung nach steigt die Qualität der Energieversorgung schon ungemein dadurch das in Zeiten von einem Energieüberangebot Energie umgewandelt und gespeichert wird. Das einzelne Elektron wird freilich nicht edler wenn man jedoch den ganzen Prozess sieht wird dieser besser und damit edler.
    Ich denke also schon das man von einer Art der Veredelung sprechen kann aber nur auf den Prozess bezogen.

    Die Alternative die sich bei einem Überangebot von Strom bietet ist entweder verringern der Erzeugungsleistung Schwierig da man viele konventionelle Kraftwerke nicht schnell regeln kann, alternativ Abschalten von erneuerbaren Anlagen, dadurch bleibt Energie ungenutzt also auch nicht die Lösung. Eigentlich kann man soweit ich das im Kopf habe nur Wasserkraft, Gas und Biomasse schnell Regeln. Die einzelnen Kraftwerkstypen haben alle nicht nur Vorteile und wir können auch nicht einfach alle Probleme lösen. Alternativ kann man natürlich auch mehr Strom verbrauchen bzw Stromverbrauch vorziehen, Stichwort Windheizung, E-Mobility, Smartgrid und dieses Pilotprojekt mit dem virtuellen Kraftwerk.
    Für den gezielten Stromverbrauch (oder auch Nichtverbrauch) braucht es natürlich genauere Abrechnungsmethoden (Smartmeter) damit der überschüssige Strom auch abgenommen wird und der Kunde einen Anreiz hat günstigen Strom einzusetzen und Teuren zu meiden.
    Weil es kostet dich ja das gleiche ob du die Waschmaschine Mittags oder Nachts anmachst, daher ist der Anreiz viel kleiner, weil für den Kunden kein messbarer Vorteil entsteht.

    Wie man es dreht und wendet ich habe kein Konzept das für alle funktioniert bzw mit dem alle zufrieden sind, aber ich bin bereit dies offen zuzugeben, ich weiß das das im Moment ein Bereich ist in den viel Geld gesteckt wird. Ich weiß jedoch auch das die Technologien für mehr schwankende Energieerzeuger in den Netzen jetzt noch nicht voll einsatzfähig sind. Und es stört mich einfach das es fast unmöglich scheint darüber eine sachliche, zielführende Diskussion zu halten.
    Ich kann nur alle bitten sich konstruktiv mit dem Thema auseinander zusetzen. So kommen wir dann gemeinsam sicher schneller zum Ziel. Aber bitte reduziert nicht einfach alles auf eine Frage des Geldes oder Willens, betrachtet auch die komplexen technischen Problematiken die sich dann stellen (auch wenn diese nicht immer leicht nachzuvollziehen sind, trotzdem finde ich kann man es nicht einfach ignorieren nur weil es schwierig ist).

    In diesem Sinne wünsche ich ein schönes We.

  5. Spinnzessin sagt:

    „Vergolden“ statts veredeln würde es besser treffen.

    Wobei dabei ja eigentlich nicht der Strom vergoldet wird, sondern die Nasen der Stromkonzern-Aktionäre. ;-)

  6. Vcexzrt Ovwetzr sagt:

    Denkt mal nicht bloß an die Pumpspeicher. Wie lange wird es wohl dauern, bis jemand bei den Stromkonzernen den genialen Einfall hat, dass sie am besten alle Stauseekraftwerke so umbauen, dass das Wasser, das unten die Turbine verlässt, mit Atomstrom gleich wieder raufgepumpt wird? So können sie ganz billig ganz viel lieben Ökostrom „herstellen“.
    (Genau das gleiche Prinzip übrigens wie bei dem kurzzeitigen „Einbürgern“ von importiertem Vieh auf dem Weg zum Schlachthof, damit man nachher das Fleisch als „deutsches“ teurer verkaufen kann.)