Luftschlag

In der ursprünglichen Bedeutung ein wirkungsloser Hieb ins Leere. Seit den neunziger Jahren jedoch ein von Politik und Medien gern verwendeter Euphemismus für Angriffe aus der Luft. Klingt dementsprechend ungefährlich, umschreibt aber das massenhafte Abwerfen von Bomben und Marschflugkörpern Raketen auf ganze Länder und damit den Tod vieler Menschen. Der L. kam während des Krieges in Jugoslawien in Mode. Damals warfen teilweise mehr als eintausend Flugzeuge der Nato Bomben ab und töteten schätzungsweise 3.500 Menschen. In der deutschen Öffentlichkeit war das seltsamerweise irgendwie unpopulär, sodass Bundeskanzler Gerhard Schröder und andere Politiker lieber von L. redeten als von Angriff oder Bombardement. Seit dem wird der Ausdruck immer wieder benutzt, um kriegerische Handlungen weniger brutal erscheinen zu lassen. Um das noch weiter zu verschleiern, ist es durchaus üblich, die Attacke als begrenzten, gezielten oder gar chirurgischen L. zu bezeichnen und so zu suggerieren, dabei könne nicht das Geringste daneben gehen.

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Reaktionen

15 Reaktionen zu "Luftschlag"

  1. Oliver sagt:

    Warum wurde „Marschflugkörper“ durch „Raketen“ ersetzt?

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    I Have A Dream | Hans Hütt
  3. David sagt:

    Mich erinnert „Luftschlag“ immer an den „Strandhieb“ der Wikinger, der geht ja auch nicht in den Sand, gibt aber die Stoßrichtung anders vor, als der Schlag aus der Luft. Jedenfalls nutzen beide Angriffsformen Heimlichkeit und Überraschung und richten sich (hauptsächlich, und wahrscheinlich absichtlich) gegen die Zivilbevölkerung.

    Es wird auch gerne von „intelligenten“ Waffen gesprochen, die dann noch auf „Waffensyteme“ oder auf „intelligente Lenkwaffensysteme“ erweitert werden, wenn die vermeintlichen Luftschlag-Bomben Anti-Bunker-Raketen sind.

  4. Ben sagt:

    Dürfte eine direkte Übersetzung des englischen air strike sein, oder?

  5. Kai Biermann sagt:

    Der Marschflugkörper ist eine wunderbar technische Beschreibung, ein Flugkörper halt. Klingt harmlos. Dass es dabei um eine fliegende Bombe mit erheblicher Zerstörungskraft geht, unterschlägt das Wort. Daher wurde es im Text durchgestrichen.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  6. Kai Biermann sagt:

    Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich eine Übersetzung des englischen „air strike“ ist. Die korrekte Übersetzung dessen wäre nämlich Luftangriff. Aufgrund der offensichtlichen Historie zu den „Nato-Luftschlägen“ in Jugoslawien erscheint eine Verschleierungsabsicht ziemlich wahrscheinlich.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  7. Oliver sagt:

    Eine Rakete muss im Umkehrschluss aber auch nicht zwangsläufig eine Bombe sein.
    Zumal ein Marschflugkörper erheblich präziser ist als eine (ballistische) Rakete.

    Weiterhin ist „Luftschlag“ mNn präziser als „Angriff“ oder „Bombardement“, denn letztere können auch von See oder Land her geschehen.

  8. Oliver sagt:

    Edit: Da Marschflugkörper auch von See/Land gestartet werden können, ist die Unterscheidungen vordergründig überflüssig. Was aber das Wort „Luftschlag“ unterstreicht ist die „Luft-„Komponenten, mithin signalisiert sie, dass keine Soldaten am Boden eingesetzt werden, mithin die Gefärdung eigener Soldaten geringer ist.
    Ein Faktor der zur Legitimation von Einsätzen in demokratischen Staaten nicht zu vernachlässigen ist.

  9. Pingback von:

    Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.
  10. ein anderer Stefan sagt:

    Oliver: Bezeichnend finde ich die Schlussfolgerung, wenn es keine eigenen Soldaten treffen kann, ist es also für Demokratien eher akzeptabel, andere Menschen zu bombardieren. Das ist angesichts der Tatsachen, die vor uns liegen, sicher nicht zu leugnen. Ein gewisser pragmatischer Zynismus ist darin allerdings enthalten.