Extremnutzer

Das aus dem Lateinischen entlehnte Adjektiv extrem bedeutet ‚äußerst‘ und ist ein Superlativ, also die höchste Steigerungsform. Die wird hier hyperbolisch, also übertreibend verwendet, denn gemeint ist lediglich eine Nutzung über das durchschnittliche Maß hinaus. Die so natürlich nicht mehr so übel klingt. Daher erinnert der Ausdruck sicher nicht ganz zufällig an ‚Extremismus‘. Hier soll vermittelt werden, dass sich jemand weit außerhalb des Üblichen bewegt, also etwas tut, was „man eigentlich nicht tut“. Wie falsch dieses sprachliche Bild ist, wird im Fall der Telekom, die den Ausdruck verwendet, schnell klar. Denn eigentlich sind E. solche, die das Angebot des Unternehmens genau so nutzen, wie es gedacht war – indem sie viel online sind und die eingeräumte Flatrate als solche begreifen. Nur die Telekom will das inzwischen nicht mehr. Sie möchte nun mehr Geld von diesen Nutzern kassieren, als ursprünglich verabredet war und verunglimpft sie daher als unbotmäßig: Profitextremierung somit.

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Kommentare

20 Reaktionen zu "Extremnutzer"

  1. Danke für diesen Artikel. Mir fehlt jedoch der Aspekt, dass mit diesem Wort nicht nur “Nutzung wie es gedacht ist” verunglimpft wird, sondern das Selbstverständnis von Netzbürgermenschen offen als “parasitenartig” diskriminiert werden. Im Namen von Geschäftsgebaren.

  2. Alex sagt:

    Ist es denn nicht parasitenartig, wenn die Gemeinschaft für eine Minderheit bezahlt?

  3. Ufuk Avcu sagt:

    Was hält Sie denn davon ab, nutzungsbasierte Tarife zu buchen? Diese Minderheit von denen Sie wahrscheinlich sprechen, wird eh von den Providern vorzeitig gekündigt…

  4. Teddy sagt:

    Ist es fair dass ich auf dem Dorf mehr zahle für weniger MBit?
    Das stört einen Städter doch auch nicht!

    Auf Quersubventionierungen beruhen viele Geschäftsmodelle in der Wirtschaft.

    Wenn ein Unternehmen eine Leistung verkauft und der Verbraucher diese Leistung nutzt
    Ist das doch noch parasitär.

  5. André sagt:

    @Alex, Dann soll die Gemeinschaft sich einen Tarif mit Volumen und oder Zeitbegrenzung mieten.
    Weil es schon damals zu 56k/64k Zeiten “Vielsurfer” oder auch “Extremnutzer” gab, wurde eine Flatrate eingeführt.
    Wenn dann alle auf Flatrate steigen und diese dann nicht nutzen, ist es dann kein “parasitenartiges” Verhalten.
    Zumal die Preise einer “Flatrate” im Laufe der Jahre von ~45€ auf ~10€ gesunken ist.
    Ich würde sofort mehr für meine Flatrate bezahlen, im Notfall sogar wieder 100DM wie damals.
    Vorteil: Der “Geiz-ist-Geil” Kunde bleibt endlich meinem heiligen Internet fern.

  6. Gerd sagt:

    @Alex: Dann wären ja beispielsweise Beamte parasitär, weil sie durch die große Mehrheit mit deren Steuern finanziert werden.
    Ich würde eher sagen, parasitär wäre jemand, der sich eine Leistung erschleicht, für die er nicht bezahlt und die ihm auch aus anderen Gründen nicht zusteht. Wenn man jemand innerhalb des vertraglich vereinbarten Rahmens eine bezahlte Leistung in Anspruch nimmt, dann er ist er ein ganz normaler Verbraucher oder Konsument.

  7. nikosch sagt:

    Oder allenfalls als Symbiont, um im Bild zu bleiben ;)

  8. Magnus sagt:

    Hier in England nennen sie’s schlicht “abuse”, Missbrauch. Wenn man das nutzt, wofür Werbung gemacht wurde.