FMS Wertmanagement

Selten deutliches Beispiel für bewusste Vernebelung: Die damit bezeichnete Wertpapier-Entsorgungsanstalt (auch euphemistisch Bad Bank genannt), ist nicht mit Management betraut. Zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Denn to manage (ursprünglich ein altokzitanisches Wort)‚ bedeutet, etwas ,zustandebringen‘ oder mit der Hand lenken. Zustande aber bringt die Anstalt nichts, im Gegenteil. Statt zu erschaffen, soll sie wertlose Wertpapiere (ist das nicht herrlich?) so teuer wie noch möglich verkaufen. In diesem Zusammenhang von einem Management der Werte zu sprechen, grenzt an Lüge.

Doch es geht noch weiter. Die Abkürzung FMS steht für Finanzmarktstabilisierung. Die ist aber nur ein Teil der FMSA, was wiederum Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung meint, zu der die FMS Wertmanagement gehört. Bei dieser Mischung aus abgekürzten Abkürzungen und Antiphrasen (wert für unwert) ist man nicht mehr weit entfernt vom miniplenty, dem Ministry of Plenty, Ministerium für Überfluss, das in Orwells Lügenstaat den Mangel verwaltet.

Selbst das aber schien den Beteiligten noch nicht genug, haben sie die Aktienmüllkippe doch noch weiter veredelt und die Abkürzung zu FMS-WM abgekürzt. Was den sicher nicht unerwünschten Nebeneffekt hat, das der eine oder andere dabei an einen Weltmeister denkt. Oder völlig den Überblick verliert.

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Reaktionen

8 Reaktionen zu "FMS Wertmanagement"

  1. Jahnitu sagt:

    Hier unterliegen Sie dem etymologischen Fehlschluss, dass die Bedeutung einer Wortherkunft auch die Bedeutung des Wortes sein muss.

    Und schon das englische “manage” bedeutet nicht nur “zustande bringen”, sondern auch “handhaben”, “regeln”, “verwalten” oder “bewältigen”.

    Auch sind die Wertpapiere nicht wertlos. Sie sind weit weniger Wert als ihr Nominalwert, aber sie sind nicht wertlos. (Ich würde wohl fünf Euro bieten – und damit ein glänzendes Geschäft machen.)

    Die Aufgabe der FMS Wertmanagement besteht darin, diese Papier zu verwalten und möglichst viel des Werts zu realisieren. Das bedeutet durchaus, etwas zustande zu bringen, so, wie jemand, der einen Gebrauchtwagen zu einem guten Preis losschlägt, ja auch etwas zustandebringt.

    Ich halte die Bezeichnung daher für treffend gewählt.

  2. Stephen Falken sagt:

    Eingebettet ist das ganze übrigens in das Sondervermögen des Bundes – ein Schelm …

  3. karl sagt:

    Dieses Ding ist mir sowieso suspekt. Die haben ja eine richtige Website samt Corporate Design gegründet, werfen mit Pressemeldungen um sich und haben sogar einen Sprecher.

  4. oh sagt:

    Ist ja auch ne richtige Bank, sonst dürften die das ja nicht…

  5. Ludwig Trepl sagt:

    @Jahnitu

    “Ich halte die Bezeichnung daher für treffend gewählt” – weil einer, der “Wertmanagement” betreibt, “ja auch etwas zustandebringt”.

    In der Tat, das tut er. Nur bringt er den Wert nicht zustande. Er sorgt dafür, daß der Wert in bestimmte Taschen fließt – nicht in die Taschen derer, die ihn zustandegebracht haben; das heißt dann “möglichst viel des Werts zu realisieren”.

    So richtig der Hinweis auf den etymologischen Fehlschluss auch ist, und so treffend das Wort gewählt ist: Neusprech bleibt’s doch, Neusprech der feineren Sorte halt.

  6. siegfried sagt:

    Ich sehe die Anmerkungen zum Wort “Management” auch eher etwas anders and kann damit Jahnitu nur zustimmen. Gefragt habe ich mich aber auch, warum “Bad Bank” euphemistisch sein soll. Das Wort “Bad” bzw. “Schlecht” klingt für mich weniger beschönigend. Eher sehe ich es anders herum, dass “FMS Wertmanagement”, die ja letztendlich eine “Bad Bank” ist, euphemistisch ist. Aber vielleicht lese ich den Satz nur falsch und es ist anders herum gemeint?
    Richtig gut finde ich aber die Anmerkung zur FMS-WM, der Weltmeisterschaft der Finanzmarktstabilität. Das diese Abkürzung wirklich mit einer solchen Assoziation im Hinterkopf gebildet wurde, kann ich mir gut vorstellen.

  7. Jahnitu sagt:

    @Ludwig Trepl:

    In diesem Fall sind die Taschen, in die der zu realisierende Wert fließt, die des Steuerzahlers.

    Das “nicht in die Taschen derer, die ihn zustandegebracht haben” ist doch eine reine Nebelkerze:

    Wenn ich mir von ihnen 100 Euro leihe, dann hat Ihre Forderung einen Wert. Wer hat den denn zustandegebracht? Ich? Sie? Oder derjenige, von dem ich das Geld bekomme, um Sie zu bezahlen?

    Wenn Sie einen Gebrauchtwagen verkaufen, geht das Geld auch nicht an die, die “den Wert zustandegebracht haben” – Sie haben das Auto ja wohl kaum selbst gebaut.

  8. h.düring sagt:

    @siegfried,
    ‘Bad Bank’ ist ein Euphemismus nicht wegen ‘Bad’, sondern wegen ‘Bank’.

    Realistischerweise würde, wie ja auch im post, von Müllhalde gesprochen.