Bildungssparen

Die Idee des B. verdanken wir der Union. Sie wünscht schon seit vielen Jahren, dass die Bürger Geld zurücklegen, um es irgendwann später für Bildung auszugeben. Sie sollen für ihre Bildung sparen. Das klingt erst einmal sinnvoll. Dabei ist es eine komplette Umkehrung der bisherigen Vorstellung von Bildung. Das Gemeingut Bildung, das hierzulande jeder nahezu kostenlos in Anspruch nehmen kann, soll privatisiert und der individuellen Vorsorge überantwortet werden. Daher wurde dieser Vorschlag auch schon mehrfach abgelehnt. Nun ist er wieder aufgetaucht, dank des politischen Kuhhandels zwischen CSU und FDP um das sogenannte → Betreuungsgeld – eine neue staatliche Leistung, an deren Sinn viele zu Recht zweifeln und dem die FDP nun unter der Voraussetzung zustimmen will, dass das Geld über den Umweg Eltern sogleich an die → Finanzindustrie weitergereicht wird. Denn das geschieht mit dem für die Bildung gesparten Geld. Banken und Versicherungen werden → Finanzprodukte erfinden, um für sich einen Teil der Kohle abzuzweigen. Von dem Rest können die Sparer sich dann die Bildung kaufen, die sie bislang kostenlos bekamen. Somit ist der seltsame Ausdruck B. dann doch recht treffend gewählt. Denn tatsächlich wird nicht für, sondern an Bildung gespart mit der Folge, dass es für Kinder aus armen Familien noch schwieriger wird als bisher, sich zu bilden. Denn wer nichts hat, kann auch nichts für noch schlechtere Zeiten zurücklegen.

Abgelegt in: Bildung

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Reaktionen

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