Atomruine

A. klingt pittoresk, malerisch also und interessant. Und in der Tat ist der ebenfalls gern in diesem Zusammenhang erwähnte „Sarkophag“ (der ein reich verziertes Grabmal vermuten lässt, obwohl eine eher hässliche und vor allem mürbe Betonabdeckung gemeint ist), inzwischen eine touristische Sehenswürdigkeit. Doch mit Ruine werden „Reste von Baulichkeiten“ bezeichnet, die nicht mehr funktionieren; ein zerstörtes Atomkraftwerk ist keine Ruine, denn seine „Funktion“ büßt es nicht ein, nur weil es kaputt ist, es strahlt munter weiter. Zu unseren Lebzeiten wird es daher keine malerischen A.-n geben, die ein neugieriger Tourist betreten und erkunden kann. Wohl aber noch viele solcher Euphemismen für diese gefährliche Technik.

Noch ein wortspalterischer (haha) Nachtrag: Das Atom ist übersetzt das Unteilbare, lässt sich also gar nicht ruinieren. Zumindest sprachlich. In der Physik geht das schon und das setzt dann ziemlich viel Energie frei, die ziemlich ruinös sein kann, wenn sie als Waffe genutzt wird – dann gern auch Atomschlag genannt. Wahrscheinlich weil es so schön markig klingt und nicht nach grausamem Tod.

Mit herzlichem Dank an Mibipo für die Unteilbarkeit.

Abgelegt in: Energie

Hinterlasse eine Antwort

Kommentare

14 Reaktionen zu "Atomruine"

  1. Tomatengulasch sagt:

    Kapuut?:-)

  2. siegfried sagt:

    Das Wort an sich finde ich schon interessant. Bei anderen zussammengesetzten Wörtern mit Ruine, bezeichnet das Bestimmungswort das Objekt, welches “kaputt” ist: Burgruine, Häuserruine, Kirchruine. Aber eine Atomruine? Allerdings klingt Atomkraftwerksruine einfach nicht besonders gut.
    Das Wort Atomruine habe ich bisher nur im Zusammenhang mit Fukushima gelesen. Und da passt es nach der Definition nicht. Eine Ruine bezeichnet z.B. ein zerfallenes Gebäude, bei dem keine weitere Pflege oder weiteren Erhaltungsaufwendungen mehr vorgenommen werden. Und das hoffe ich und lese ich in der Zeitung, ist bei Fukushima nicht der Fall.
    Was mit den deutschen Kraftwerken passieren wird, kann man nicht genau vorhersagen. Wenn ich mir aber die Vorhaben für das Kraftwerk Stade durchlese, wird hier allenfalls nur für einige Jahre eine Ruine zu erblicken (und wahrscheinlich nicht zu besichtigen) sein. Mal schauen…

  3. dragoon sagt:

    danke für den schönen blog, man freut sich immer wieder über neue einträge. glückwunsch auch zum preis, hat mich als leser direkt auch gefreut.

    meiner meinung nach wärs schön diese abkürzungen (A.) zu meiden. Auch wenn es wohl darauf hinweisen soll, dass das benannte Wort seltsame Konnotationen oä. beinhaltet, und deswegen nicht benutzt werden sollte, fände ich passender dass Wort tatsächlich durch den ganzen Beitrag mitzunehmen.

  4. JK sagt:

    Beim Sarkophag stimme ich zu, die Atomruine weckt bei mir aber eher die Assoziation mit “Ruin”. Untergang. Zerstörung. Etwas ist unrettbar am Ende.

  5. sumosu sagt:

    Löschantrag!

    Nee, Qautsch, aber ich finde den Eintrag doch eher ungelungen.

    Zunächst ist der Begriff “Ruine” ja nicht positiv besetzt, nicht mal neutral… ich finds eher negativ. Von Krieg zertörte Gebäude werden so bezeichnet (siehe: Auferstanden aus Ruinen). Pittoresk, Malerisch? nö.

    Die Funktion eines Atomkraftwerks ist Stromproduktion, nicht das Strahlen wie du schreibst, das ist Faktenverdrehung. Man kann behaupten die Funktion eines Citroen 2CV sei das Verlieren von Öl, aber mit diesem kleinen Schmeichler kommen nur Entenfans durch, bei Nukularenergie zeugt es eher von Dummheit.

    Wesentlich interessanter finde ich das “havarierte Atomkraftwerk” von dem man damals in Bezug auf Tschernobyl sprach. Eine Havarie (… “ist eine Betriebsstörung klassischerweise in Verbindung mit einem Wasserfahrzeug.” — WP) als Bild für eine Nuklearkatastrophe heranzuziehen war in der tat spitzfindiges Neusprech. Bei “Atomruine” empfinde ich das nicht so. Ist ja eine.

  6. matthiasr sagt:

    Interessant, meines Erachtens, wie unterschiedlich diese Begriffe besetzt sind. Für mich ist eine Ruine nichts per se “schönes” – auch eine Burgruine ist ein Mal der Zerstörung. Und alles mit Atom- davor ist auch irgendwie erstmal negativ besetzt (weswegen von der Energiekonzernen ja auch von der “Kernenergie” gesprochen wird).

    Und auch der Sarkophag ist in meiner Post-Tschernobyl-geprägten Generation eher mit notdürftigen Eindeckelungen ausgebrannter Reaktoren als mit reichverzierten Gräbern verbunden.

  7. Marian sagt:

    Ich muss nochmal meckern :-) „A.-n“ – wollt ihr wirklich nicht einfach die Wörter ausschreiben?

  8. Mibipo sagt:

    … Es wird noch lustiger. Es müßte treffend Atomkraftwerks- (wie oben schon festgestellt) oder Kernkraftwerksruine heißen.

    Wie mann aber Atome ruinieren kann ist schleierhaft.

    Nur aus Wikipedia zu Atom: (…) Der Name leitet sich vom griechischen ἄτομος/átomos, α-τεμνω ab, was „das Unzerschneidbare“ bedeutet (häufig auch übersetzt mit „das Unteilbare“). Atome sind die kleinste Einheit, in die sich Materie mit chemischen oder mechanischen Mitteln zerlegen lässt.”

    Ruine: “Ruine (von lateinisch ruere stürzen) bezeichnet ein zerfallenes Bauwerk beziehungsweise dessen Überreste.”

    Kurzschluss: Eine Atomruine ist ein “zerfallenes Unzerschneidbares”.

  9. Kai Biermann sagt:

    @ Mibipo

    Stimmt, prima Einwand. Wenn Sie erlauben, klauen wir das einfach mal…

    lg
    k