Atomruine

A. klingt pittoresk, malerisch also und interessant. Und in der Tat ist der ebenfalls gern in diesem Zusammenhang erwähnte „Sarkophag“ (der ein reich verziertes Grabmal vermuten lässt, obwohl eine eher hässliche und vor allem mürbe Betonabdeckung gemeint ist), inzwischen eine touristische Sehenswürdigkeit. Doch mit Ruine werden „Reste von Baulichkeiten“ bezeichnet, die nicht mehr funktionieren; ein zerstörtes Atomkraftwerk ist keine Ruine, denn seine „Funktion“ büßt es nicht ein, nur weil es kaputt ist, es strahlt munter weiter. Zu unseren Lebzeiten wird es daher keine malerischen A.-n geben, die ein neugieriger Tourist betreten und erkunden kann. Wohl aber noch viele solcher Euphemismen für diese gefährliche Technik.

Noch ein wortspalterischer (haha) Nachtrag: Das Atom ist übersetzt das Unteilbare, lässt sich also gar nicht ruinieren. Zumindest sprachlich. In der Physik geht das schon und das setzt dann ziemlich viel Energie frei, die ziemlich ruinös sein kann, wenn sie als Waffe genutzt wird – dann gern auch Atomschlag genannt. Wahrscheinlich weil es so schön markig klingt und nicht nach grausamem Tod.

Mit herzlichem Dank an Mibipo für die Unteilbarkeit.

Abgelegt in: Energie

Hinterlasse eine Antwort

Reaktionen

14 Reaktionen zu "Atomruine"

  1. Korrektur sagt:

    A) „viel runiöse Energie frei“ es sollte wohl „viel ruinöse Energie frei“ heissen
    B) Falls ein einzelnes Atom zerfällt / gespalten wird, interessiert das den durchschnittlichen Menschen soviel wie die Temperatur auf der Venus. In keinem Fall handelt es sich um einen „Atomschlag“.
    Sie schmeissen einen weiteren (wenn auch diesem Blog würdigen) Begriff in die Runde, der aber ausser an Absurdität in keiner weise zum Thema passt.

  2. Kai Biermann sagt:

    a) sollte es und tut es jetzt auch, danke.

    b) hmm, ja, aber das finde dann sogar ich haarspalterisch. gemeint ist „die Atomspaltung“ als Basis der entsprechenden Waffentechnik. Ich hatte das Gefühl, das ist verständlich. Ich habe es aber mal ein wenig anders formuliert, danke auch dafür.

    lg
    k

  3. Markus Oberndörfer sagt:

    Spontanes eigenmächtiges Applaudieren meinerseits zu dem Suffix. Schön in diesem Zusammenhang ist ja auch die sogenannte „Atomlobby“, also eine unzerschneidbare gemütliche Eingangshalle.

  4. nana sagt:

    Bei so viel sprachlicher „Korrektheit“ könnte auch ein kleines bisschen mehr physikalische Korrektheit nicht schaden.
    „Das Atom ist übersetzt das Unteilbare, lässt sich also gar nicht ruinieren. In der Physik geht das schon und das setzt dann ziemlich viel Energie frei, die ziemlich ruinös sein kann…“
    Atome werden bei jeder gewöhnlichen chemischen Reaktion „ruiniert“ (auch wenn dieser Begriff eigentlich auf Atomskala und darunter völliger Unfug ist) bzw „gespalten“: Atome verlieren wesentliche Bestandteile (Elektronen ihrer Hülle) bzw. bekommen andere hinzu, die im ursprünglichen Zustand nicht da waren. Wir sind umgeben von Atomruinen und produzieren gar bei unseren Stoffwechselprozessen laufend neue.

    Es wäre insgesamt ganz nett, wenn man solchen Unfug wie „“die Atomspaltung” als Basis der entsprechenden Waffentechnik“ oder allgemeiner die Verwendung von „Atom“ wenn eigentlich „(Atom-)Kern“ gemeint ist, nicht mehr ganz so häufig lesen müsste.