Rekapitalisierung

Um es nicht zu kompliziert zu machen, nehmen wir mal an, dass mit Kapital hier Geld gemeint ist und mit Kapitalisierung die Ausstattung mit demselben. Bleibt die Quizfrage, was dann eine R. ist? Richtig, da wird offensichtlich jemand erneut mit Geld ausgestattet, denn die lateinische Vorsilbe re- bedeutet ,wieder‘ oder ,zurück‘. Es geht also um Geld, das derjenige schon einmal besaß? Falsch. Bei der R. geht es um Banken, die aus Gier Menschen Kredite aufgeschwatzt haben, die diese irgendwann nicht mehr tilgen konnten – was ab einer gewissen Menge an unbezahlten Schulden auch die Banken in Schwierigkeiten bringt. Diese Banken bekommen nun vom Staat Geld geliehen, damit sie weiter Menschen Kredite …, damit sie wieder arbeitsfähig sind. Sie haben also Geld verspielt und bekommen nun neues zum Weiterspielen. ,Zurück‘ bekommen sie nichts. Und damit das nicht so absurd klingt, wie es ist, gibt es dieses schöne Schaumschlägerwort. Die R. ist somit ein Euphemismus für noch mehr Schulden. Siehe auch → Geld, frisches.

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Reaktionen

15 Reaktionen zu "Rekapitalisierung"

  1. DonTrollolo sagt:

    Nein, “zurück” bekommen die Banken nichts. Das Wort “Re” heisst ja ausser “zurück” auch “wieder” – und das schreiben Sie ja auch.
    Nehmen Sie “wieder” statt “zurück”, dann ist der Begriff ganz prima.

  2. Martin Haase sagt:

    wiederbekommen ist ja doch ziemlich bedeutungsähnlich mit zurückbekommen.

  3. Autolykos sagt:

    Die Preisfrage ist doch, wo das “neue” Geld herkommt. Das kam ja schließlich auch mal als Spiegelbild zu Schulden auf die Welt.

  4. Hans Hütt sagt:

    Tatsächlich ist die R. etwas Anderes. Das Geld für die R. ist nicht geliehen. Abhängig von dem verbleibenden Restkapital (seinem Marktwert) ist sie mit dem Erwerb von Anteilen an der Bank verbunden, bei der Commerzbank AG zB hat die rekapitalisierende öffentliche Hand (!!!) einen Anteil von 25% durch R. in den Büchern.

    Der Grund dafür bleibt fatal: durch Verluste hat die Bank Kapital vernichtet und müsste entweder abgewickelt oder rekapitalisiert werden. Die Höhe der Kapitalausstattung beruht übrigens auf einer seltsamen Ortsangabe: Basel I, Basel II und Basel III. Das sind keine römischen Postleitzahlen, sondern Vorgaben zur Eigenkapitalausstattung, denen die Banken mit Übergangsfristen entsprechen müssen.

    Die R. ist also keine Leihgabe. Die mit ihr erworbenen Anteile können eines Tages auf dem Markt verhökert werden. Nebenbei kann man in den USA sehen, dass die öffentliche Hand in einer Reihe von Fällen sogar ordentliche Gewinne erzielt hat, was an der Unpopularität der R.-Politik nichts änderte.

  5. Rayman sagt:

    Da es hier auch um Sprache geht, noch ein Hinweis. Bitte nicht „das“ mit „dass“ verwechseln.

    „Es geht also um Geld, dass derjenige schon einmal besaß?“ → „Es geht also um Geld, das derjenige schon einmal besaß?“

    Der zweite Satz ist demnach korrekt.

    Ansonsten ein schöner Artikel, der die Perversität dieses Systems vor Augen führt. Ich glaube ja nicht, dass die Steuerzahler das Geld jemals wiedersehen werden. Also wäre es nicht geliehen, sondern geschenkt.

    Andererseits, sollte es wirklich mal einen Schuldenschnitt geben für die Staatsschulden (was wohl wahrscheinlich ist bei über 2 Billionen €), dann haben sich die Banken am Ende ihre eigenen Hilfen doch selbst verliehen über die Staatsanleihen. Oder sehe ich das falsch?

  6. a6k sagt:

    Ich finde schade das ihr schreibt: “Diese Banken bekommen nun vom Staat Geld geliehen, damit sie weiter Menschen Kredite …, damit sie wieder arbeitsfähig sind.”

    Um die perversion des Systems zu zeigen, könnte es direkt lauten:

    “Diese Banken bekommen nun von den Menschen Geld geliehen, damit sie weiter Menschen Kredite …, damit sie wieder arbeitsfähig sind.”

    Der Staat ist ja nur eine “Institution” der Menschen. Im Grunde sind es doch die Menschen die den Banken das geld geben, damit sie es sich anschließend von den Banken leihen ‘dürfen’.

  7. Kai Biermann sagt:

    @Rayman

    Danke, ich habe das überzählige ‘s’ entfernt.
    Lg
    K

  8. C sagt:

    Hm, ich kann diesen Post nicht lesen, da kommt ohne JS nur ein grosser schwarzer Balken mit:
    ———————–
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    ———————–

    Die vorhergehenden Beitraege konnten auch ohne JS gelesen werden.

  9. DonTrollolo sagt:

    Nein, Martin Haase:
    “re-kapitalisieren” steht nicht für “wieder-bekommen”, sondern für wieder-kapitalisieren, zurück-kapitalisieren.
    das hat doch hans hütt auch ganz schön erklärt.
    das ist kein neusprech. man muss nur die EIGENE bewertung im kopf abschalten, das Wort verfälscht keinen Sachverhalt.

  10. Abbe Faria sagt:

    Da kann mein Tag noch so schön gewesen sein, einen ehrlichen Artikel zum Thema Finanzmarkt oder Geldsystem und die Stimmung kippt um zu schwer zu kanalisierender Wut…