Rekapitalisierung

Um es nicht zu kompliziert zu machen, nehmen wir mal an, dass mit Kapital hier Geld gemeint ist und mit Kapitalisierung die Ausstattung mit demselben. Bleibt die Quizfrage, was dann eine R. ist? Richtig, da wird offensichtlich jemand erneut mit Geld ausgestattet, denn die lateinische Vorsilbe re- bedeutet ,wieder‘ oder ,zurück‘. Es geht also um Geld, das derjenige schon einmal besaß? Falsch. Bei der R. geht es um Banken, die aus Gier Menschen Kredite aufgeschwatzt haben, die diese irgendwann nicht mehr tilgen konnten – was ab einer gewissen Menge an unbezahlten Schulden auch die Banken in Schwierigkeiten bringt. Diese Banken bekommen nun vom Staat Geld geliehen, damit sie weiter Menschen Kredite …, damit sie wieder arbeitsfähig sind. Sie haben also Geld verspielt und bekommen nun neues zum Weiterspielen. ,Zurück‘ bekommen sie nichts. Und damit das nicht so absurd klingt, wie es ist, gibt es dieses schöne Schaumschlägerwort. Die R. ist somit ein Euphemismus für noch mehr Schulden. Siehe auch → Geld, frisches.

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Reaktionen

16 Reaktionen zu "Rekapitalisierung"

  1. eike sagt:

    Ausserdem wüsste ich nicht, dass „Kapital“ etwas mit „Besitz“ zu tun haben soll. Auch Wikipedia meint zu „Kapital“: „Es spielt dabei keine Rolle, aus welchen Quellen wie Sparen, Unternehmensgewinn oder etwa Kredite Kapital zur Verfügung gestellt wird, denn kurzfristig ist für die Bildung von Realkapital nur Finanzierung, nicht aber vorausgehendes Sparen notwendig“

    Insofern ist es egal ob die Banken Geld geliehen, geschenkt oder sonstwas bekommen. Sie hatten vor der Misere Geld zum Investieren (Verleihen, was auch immer) zur Verfügung, also Kapital. Wenn sie nun wieder Geld bekommen, wird ihnen wieder Kapital verschafft.

    Ich finde schlimm, dass mit dem Wort Rekapitalisierung vermieden wird den eigentlichen Punkt beim Namen zu nennen, nämlich dass hier mit viel Geld von „Steuerzahlern“ versucht wird etwas zu retten. Und das ohne gleichzeitig die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.

  2. Oelsen sagt:

    Die *Intention* der Verwendung des Begriffs ist zweifelhaft, nicht der Gehalt des Begriffes selbst.
    (folgendes ist mehr gefühlt als linguistisch wasserdicht)
    Im lateinischen und noch viel mehr in den 1500 Jahren nach der Klassik bedeutet re-* viel mehr wieder, noch einmal, erneut. „Zurück“ bedeutet es eigentlich eher, wenn damit eine wiederholbare Handlung zum Ausgangspunkt oder eine Handlung, die vollständig umgekehrt verlaufen kann. So kommt es mir jedenfalls nach 10 Jahren Entfernung zum kleinen Latein vor. Man könnte den Banken höchstens unterstellen, dass sich Re-Kapitalisierung nicht auf das erhaltene Geld bezieht, sondern darauf, dass sowieso später wieder Re-Kapitalisiert werden muss, muahahaha.

    Ausm Latein-Dix des damaligen Lernbuches:
    recreare: wiederherstellen, kräftigen
    relinquere: zurücklassen, verlassen
    reperire: finden
    repetere: wieder wohingehen, zurückholen
    reponere: zurücklegen, weglegen, aufbewahren

  3. C sagt:

    Danke, jetzt kann ich die Seite auch wieder ohne JS anschauen. Und danke fuer den Blog, immer sehr interessant. Naechstes Mal trage ich vielleicht auch was substantielles bei, nicht nur Technik-Geheule dass die Seite ohne JS nicht tut :)

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