Schutzlücke

Polizeigewerkschaften, BKA, CDU und CSU werden nicht müde, uns zu erklären, dass ohne Vorratsdatenspeicherung eine „Schutzlücke“ drohe. Das Kompositum aus Schutz- und -Lücke suggeriert, dass uns der Staat rundherum schützen könnte vor allem Bösen, gäbe es da nicht dieses eine lästige Loch, diese kleine Lücke nämlich, durch die das Böse listig lugt (lugen ist, aber das nur nebenbei, mit der Lücke sprachgeschichtlich verwandt). Dieses Loch nun also im ansonsten fest gefügten antiterroristischen Schutz (-Wall?) gelte es zu stopfen. Tatsächlich? Ist die S. nicht vielmehr nur eine Schutzbehauptung? Denn zwar kann die Vorratsdatenspeicherung, die besser Datenhortung hieße, aber gern Mindestspeicherdauer genannt wird, getrost als bequemes Instrument gelten – zumindest für Strafverfolger. Nur schützen kann sie vor nichts und niemandem. Bestenfalls vereinfacht sie im Nachhinein die Strafverfolgung. Das ist selbstverständlich prima, aber ohne die Chance zu schützen, also Unheil zu verhindern, kann sie natürlich auch keine Lücke schließen. Falls es die denn gäbe. Im Gegenteil: die Vorratsdatenspeicherung Mindestspeicherdauer Mindestdatenspeicherung Datenhortung reißt Lücken – in die Grundrechte.
Abgelegt in: Innere Sicherheit, Internet

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Kommentare

16 Reaktionen zu "Schutzlücke"

  1. Auf Twitter wurde heute die FREIHEITSDATENSPEICHERUNG vorgeschlagen.

  2. L3viathan sagt:

    Der “antiterroristische Schutzwall” ist gut :D

  3. Dirk Moebius sagt:

    Ich fand die Idee INTIMDATENSPEICHERUNG ganz gut, die beschreibt das, was passiert, deutlich.

  4. Tobias sagt:

    Als ich den Titel sah, fiel mir eine andere “Lücke” ein, die einige Gruppen geschlossen sehen wollen: Die “Analoge Lücke” – Ein toller Kunstbegriff der “Content-Mafia” für den Teil der Wiedergabe eines digitalen Werkes, der sich nicht per DRM schützen lässt, weil er eben analog stattfindet. Wie unsinnig das ist, kann sich jeder normal denkender Mensch schnell vor Augen führen…

  5. Piotr sagt:

    Sehr schöner Beitrag!

    Ich hatte ja auf die Mindestspeicherdauer als nächsten Eintrag getippt, denn das Wort ist einfach genial: Bei der Vorratsdatenspeicherung diskutiert man, ob. Bei der Mindestspeicherdauer geht es schon nur noch um das „wie lange”.

  6. Martin Haase sagt:

    @Piotr: den Eintrag gibt es ja schon!

  7. Piotr sagt:

    Äh. Oh. Ja. Ups.

    Also wie gesagt, toller Beitrag, vor allem ergänzt er den zur Mindestspeicherdauer so schön. *hust*.

  8. lux sagt:

    Super Vorschlag ! Intimdatenspeicherung finde ich einen gut aussagekräftiges Wort dafür. Sollte unbedingt immer in diesem Zusammenhang genannt werden. Da bekommen Befürworter dessen vielleicht wirklich mal
    ein irgendwie ungutes Gefühl

  9. Pingback von:

    Bei Aufruf Sieb #008 - idee42