Schuldenberg

In der Wohlstandsgesellschaft wird gern mal mehr produziert, als die Leute fressen können, die Folge sind Fleischberge, Butterberge und Müllberge. Außer beim Müll, der sich tatsächlich zu Bergen türmt, handelt es sich dabei um Metaphern, denn höchstens Joseph Beuys hätte Fleisch oder Butter zu einem Berg gestapelt. Bei einem weiteren Berg unserer reichen Gesellschaft, dem Sch., handelt es sich allerdings um eine Art Metaphernbruch. Denn Schulden, die ja ein Mangel sind, lassen sich kaum zu Gebirgen formen. Wenn es denn ein Sprachbild sein muss, dann eher das des Loches – wie in Haushaltsloch eben. Wenn es von solchen Löchern mehr gibt, könnte man vielleicht von Schulden-Käse sprechen, schwerlich jedoch von einem Berg. Geradezu komisch wirkt es, wenn der Berg dann auch noch Einnahmen verschlingt, wie bei Andrea Nahles: „Die Einnahmen nehmen zu, werden aber aufgezehrt, weil der Schuldenberg wächst.“ Eindeutig sprachlicher Käse. Von ganz normalen Schulden zu sprechen, scheint niemanden mehr zu erschrecken, weil Politiker viel zu viele davon verursachen. Da muss offensichtlich schon mit Bergen hantiert werden, um vor der Gefahr zu warnen. Was aber noch keine Regierung dazu bewegt hat, das Löcher buddeln einzustellen und stattdessen Geld aufzutürmen. Neusprech hilft auch nicht immer.

Abgelegt in: Finanzen

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Reaktionen

10 Reaktionen zu "Schuldenberg"

  1. stelle sagt:

    Ein paar Anmerkungen:

    „Denn Schulden, die ja ein Mangel sind“
    Schulden mögen aus Sicht der Schuldner einen Mangel darstellen – aus Sicht der Gläubiger sind sie jedoch das glatte Gegenteil: Überschuss, also Vermögen.

    „Wenn es denn ein Sprachbild sein muss, dann eher das des Loches“
    Insofern passt auch das Sprachbild des Loches nicht. Denn Schulden sind ja ein relatives Verhältnis, sind nur eine Seite einer Bilanz. Schulden stehen nie ‚für sich‘, sind kein ’schwarzes Loch‘, kein sich ausbreitendes ‚Nichts‘. Mir kommt da, um bei den Metaphern zu bleiben, eher das Bild einer (Schulden-)’Schlucht'(oder harmloser: ‚Delle‘) in den Sinn, welche auf der anderen Seite einer gegebenen Fläche eine entsprechend großes (Vermögens-)’Gebirge'(oder eben: ‚Beule‘) verursacht.

    „Was aber noch keine Regierung dazu bewegt hat, das Löcher buddeln einzustellen und stattdessen Geld aufzutürmen.“
    Das würde volkswirtschaftlich (in unserem Wirtschaftssystem) auch nicht funktionieren: Die privaten Haushalte in Deutschland sparen (per saldo), die Unternehmen in Deutschland sparen (per saldo) – im Bild türmen beide also (Vermögens-)’Gebirge‘ an. Wer hat also die unvermeidliche (Schulden-)’Schlucht‘? Der Staat. Und das Ausland. Aber auch das funktioniert wohl nicht unendlich..

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  3. BglBttr sagt:

    Das Schuldental ist irgendjemandes Vermögensberg, alles andere ist Dumm-Sprech…

  4. Krabbler sagt:

    ersten Satz fehlt eine Präposition.

  5. stelle sagt:

    Präposition steht ganz oben rechts.

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  8. Veit sagt:

    Viele sind es, mit Wünschen und Forderungen nach mehr, die Schulden verursachen. Das kann man nicht allein den Politikern in die Schuhe schieben. Außerdem sind Schulden nicht ernst zu nehmen, sofern sie keinen spürbaren Nachteil darstellen. Das System ‚Verbraucher, Staat, Wirtschaft‘ basiert, ineinander verzahnt, großteils auf Kredit. Wie oben richtig bemerkt, leben wir in einer Wohlstands-, ich möchte sagen, Überflussgesellschaft. Ein enormer Widerspruch zu den Schulden. Politiker allein dafür verantwortlich machen, was gesamtgesellschaftlich zu sehen ist, wird nichts bringen. Das sage ich, gerade weil ich von Politikern nicht viel erwarte. Selbst sind die Verbraucher und Bürger.
    Es geht … http://mensch-im-internet.de/rund-um-den-schuldenberg

  9. Mike sagt:

    Wie wäre es, wenn man die Schuldenberge nähme und mit ihnen die Haushaltslöcher zuschüttete?

  10. tobias sagt:

    Dazu gab es vor ein paar Jahren mal eine passende Karikatur: http://image-upload.de/image/T1giwz/c608e98008.jpg