Die H. ist ein Pleonasmus (so etwas wie ein weißer Schimmel oder die Siebentagewoche also). Denn entweder ist man fähig zu handeln, dann handelt man – oder eben nicht. Der Satz, irgendjemand beweise seine H., sollte daher skeptisch machen. Vor allem, wenn der Beweis darin besteht, dass irgendwer plötzlich etwas tut, was er bislang tunlichst unterlassen hatte. Einen Verteidigungsminister rausschmeißen beispielsweise oder ein paar Atomkraftwerke abschalten. Wäre ein Politiker bekannt für seinen Willen und seine Fähigkeit, Dinge zu ändern, wäre er handlungsfähig und müsste nicht darüber reden, was er demnächst alles anpacken möchte. Auch dass ständig jemand tönt, er könne die H. wiedergewinnen, wenn er nur dieses oder jenes bekäme – meistens Geld –, ist eher bedenklich. Besteht doch die nicht unerhebliche Chance, dass die H. nur deshalb zum Popanz erhoben wird, weil niemand sie besitzt. Ja vielleicht sogar niemand sie besitzen möchte. Immerhin ist es riskant, zu handeln, birgt es doch die Gefahr, hinterher zur Verantwortung gezogen zu werden, getreu der einzigen Regel des Beamtenmikados: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Die H. ist damit so etwas wie der Totmannknopf der Politik. Wer ständig auf ihn drückt, zeigt, dass er noch lebt – ohne dass er dafür wirklich etwas tun muss. Vgl. auch Handlungsbedarf. Der wird gern gesehen, ohne dass eine Reaktion erfolgt. Was soviel heißt wie: Wir würden ja gern, aber leider, leider können wir nicht. Oder sind zu borniert, überhaupt das Problem zu erkennen.
Schlagworte: Handlungsbedarf, Pleonasmus, Totmannknopf
Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

[...] [...]
Ich fände es schöner wenn ihr das thematisierte Wort im Text nicht abkürzen würdet. Wurde auch schonmal in einem anderen Beitrag angeregt und ich dachte das wäre auf Gegenliebe gestoßen :-)
[...] »Handlungsfähigkeit… Die H. ist ein Pleonasmus (so etwas wie ein weißer Schimmel oder die Siebentagewoche also). Denn entweder ist man fähig zu handeln, dann handelt man – oder eben nicht. Der Satz, irgendjemand beweise seine H., sollte daher skeptisch machen. Vor allem, wenn der Beweis darin besteht, dass irgendwer plötzlich etwas tut, was er bislang tunlichst unterlassen hatte. Einen Verteidigungsminister rausschmeißen beispielsweise oder ein paar Atomkraftwerke abschalten. Wäre ein Politiker bekannt für seinen Willen und seine Fähigkeit, Dinge zu ändern, wäre er handlungsfähig und müsste nicht darüber reden, was er demnächst alles anpacken möchte. Auch dass ständig jemand tönt, er könne die H. wiedergewinnen, wenn er nur dieses oder jenes bekäme – meistens Geld –, ist eher bedenklich. Besteht doch die nicht unerhebliche Chance, dass die H. nur deshalb zum Popanz erhoben wird, weil niemand sie besitzt. Ja vielleicht sogar niemand sie besitzen möchte. Immerhin ist es riskant, zu handeln, birgt es doch die Gefahr, hinterher zur Verantwortung gezogen zu werden, getreu der einzigen Regel des Beamtenmikados: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Die H. ist damit so etwas wie der Totmannknopf der Politik. Wer ständig auf ihn drückt, zeigt, dass er noch lebt – ohne dass er dafür wirklich etwas tun muss. Vgl. auch Handlungsbedarf. Der wird gern gesehen, ohne dass eine Reaktion erfolgt. Was soviel heißt wie: Wir würden ja gern, aber leider, leider können wir nicht. Oder sind zu borniert, überhaupt das Problem zu erkennen.« (hier) [...]
Der weiße Schimmel ist kein Pleonasmus, das es durchaus auch anders farbige Schimmel (Pferd) gibt. Vgl. Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Schimmel_(Pferd)
Die Handlungsfähigkeit ist ein Scheinriese leeren Versprechens und insofern ein seltenes Exemplar eines Latenz-Pleonasmus.
@alex
äh, naja, nicht so ganz. Siehe hier: http://neusprech.org/handwerkliche-fehler/comment-page-1/#comment-636
lg
k
“Denn entweder ist man fähig zu handeln, dann handelt man – oder eben nicht.”
Einspruch, euer Ehren. Es gibt hier noch mindestens den Unterschied zwischen fähig im Sinn von “potentiell tun können” (ausgebildet dafür sein, Ahnung haben, …) und fähig im Sinn von “dies *jetzt* tun können”
Ein Wartungstechniker im Kraftwerk mag fähig sein, eine Maschine zu reparieren (er weiß, wie er’s machen muss, wo Gefahren liegen, …) – aber dies dennoch momentan unfähig dazu sein (weil die Maschine irgendwo ist, wo er nicht hinkommt, keine Ersatzteile da sind…)
Oder: Ein Soldat mag die Fähigkeit haben, Leute gezielt umzubringen — dennoch wird er’s üblicherweise >>99% der Zeit nicht machen.
Jemand *muss* also nicht etwas tun, nur weil er potentiell die Fähigkeit dazu hat.
@Kai
Steht jetzt natürlich im leichten “Widerspruch” zu:
http://neusprech.org/handwerkliche-fehler/comment-page-1/#comment-574
Ich mag euren Blog, weil er zur Sprache bringt, was ins unseren “neuen” Welt so alles beschönigt beschrieben wird, aber bitte keine urbanen Legenden verlängern. Es gibt nunmal auch schwarzer Schimmel! Bitte ändert das. Mit lieben Grüßen maieutike.
@maieutike
Wenn ich den verlinkten Wikipeadiabeitrag richtig verstehe, dann steht da, dass alle Schimmel mit der Zeit weiß werden (ausschimmeln). Und dass die weiße Farbe ein wesentliches Merkmal ihres Schimmel-seins ist – neben dem spezifischen Gen, das zu der Farbe führt.
Zitat: Als Schimmel bezeichnet man ein Pferd beliebiger Rasse, das in beliebiger Farbe geboren wird, aufgrund des Grey-Gens allerdings allmählich weiß wird.
Ich weiß daher nicht so richtig, warum wir es ändern sollten.
Beste Grüße
k.
@Martin
Tja, da hasst du uns dann wohl ertappt. Wir lassens aber trotzdem so, wie es ist.
lg
k.
Hallo @Kai
Weil der Ausdruck “weißer Schimmel” eben keinen Überfluß/sprachliche Redundanz in der Beschreibung des Zustandes bietet (was den Begriff Pleonasmus im Artikel rechtfertigen würde), es kann sein dass das Pferd schwarz ist und trotzdem ein Schimmel, also erreicht das Adjektiv genau das was es soll, nämlich das Substantiv genauer zu beschreiben.
Nicht alle Schimmel werden vollständig weiß in ihrem Leben, was also ebenfall die weißen Schimmel hervorstechen läßt, da sie dadurch innerhalb ihrer Rasse (Gendefekt) ein besondere Rolle einnehmen. Vgl. Sick im SPON: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,373614,00.html
Nebenbei gibt es auch noch andere schöne Pleonasmen wie z.B. vorprogrammiert oder zusammenaddieren
lg,
maieutike
[...] unangemessene Begriff für Atomkraftwerke völlig unzutreffend. Wer ihn nutzt, will lediglich Handlungsfähigkeit demonstrieren und suggerieren, die Technik sei beherrschbar und sicher. Ist sie aber [...]
[...] „merkwürdig angeschaut“. Interessant, soll noch einer behaupten, Politik habe keinen Handlungsspielraum. Vielleicht hilft es ja, wenn noch viel mehr Leute merkwürdig schauen, damit die Politik das [...]
[...] ganze muss mit Augenmaß, nicht absurd ausgeführt sein, um Handlungsfähigkeit zu zeigen, wobei die schweigende Mehrheit mehrheitlich schweigt,so dass man sagen kann, dass es [...]
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[...] Das alles ist zwar schon eine Weile her, die Wortwahl aber verdient bis heute Beachtung. Wer sich solchen Nonsens einfallen lässt, drückt vor allem aus, dass er weder das eine noch das andere will. Dass die unvernünftige A. zum geflügelten Wort wurde, beweist, dass jeder die Botschaft verstanden hat. Nun ja, fast jeder. [...]
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Die P. ist ein Mittel zur Selbstverteidigung und kommt immer dann zum Einsatz wenn ein Unglück größeren Ausmaßes geschehen ist. Dann kommt zum Vorschein, dass viele unserer Politiker sich “das überhaupt nicht hätten vorstellen können” und das…