Handlungsfähigkeit

Die H. ist ein Pleonasmus (so etwas wie ein weißer Schimmel oder die Siebentagewoche also). Denn entweder ist man fähig zu handeln, dann handelt man – oder eben nicht. Der Satz, irgendjemand beweise seine H., sollte daher skeptisch machen. Vor allem, wenn der Beweis darin besteht, dass irgendwer plötzlich etwas tut, was er bislang tunlichst unterlassen hatte. Einen Verteidigungsminister rausschmeißen beispielsweise oder ein paar Atomkraftwerke abschalten. Wäre ein Politiker bekannt für seinen Willen und seine Fähigkeit, Dinge zu ändern, wäre er handlungsfähig und müsste nicht darüber reden, was er demnächst alles anpacken möchte. Auch dass ständig jemand tönt, er könne die H. wiedergewinnen, wenn er nur dieses oder jenes bekäme – meistens Geld –, ist eher bedenklich. Besteht doch die nicht unerhebliche Chance, dass die H. nur deshalb zum Popanz erhoben wird, weil niemand sie besitzt. Ja vielleicht sogar niemand sie besitzen möchte. Immerhin ist es riskant, zu handeln, birgt es doch die Gefahr, hinterher zur Verantwortung gezogen zu werden, getreu der einzigen Regel des Beamtenmikados: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Die H. ist damit so etwas wie der Totmannknopf der Politik. Wer ständig auf ihn drückt, zeigt, dass er noch lebt – ohne dass er dafür wirklich etwas tun muss. Vgl. auch Handlungsbedarf. Der wird gern gesehen, ohne dass eine Reaktion erfolgt. Was soviel heißt wie: Wir würden ja gern, aber leider, leider können wir nicht. Oder sind zu borniert, überhaupt das Problem zu erkennen.

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