Preisanpassung

Wenn Preise angepasst werden, sind sie auffälligerweise anschließend fast immer höher als zuvor. Die P. ist also meist eine Preissteigerung. Aber Anpassung klingt natürlich besser. Es handelt sich somit um einen Euphemismus. Noch dazu um einen, der nicht nur die ursprüngliche Bedeutung versteckt, sondern sie geradezu entschuldigt. Denn anscheinend konnte niemand etwas dafür, dass der Gegenstand nun teurer ist, die Preise mussten einfach an irgendetwas angepasst werden. Dieses Etwas ist schuld und der Anpasser war dazu nachgerade gezwungen. Der eigentliche Verursacher, derjenige also, der einen höheren Preis festgelegt hat, wird gut verborgen, der Begriff wird unpersönlicher. Daher handelt es sich bei der P. auch um eine sogenannte Nominalisierung. Oft begegnen einem die P. im Plural. Der macht sie noch undurchsichtiger. Denn durch die Pluralisierung des Handlungssubstantivs verschiebt sich die Betonung weg von der konkreten Handlung, hin zum Ergebnis. Mietanpassungen, um ein beliebtes Beispiel zu nennen, haben nichts mehr zu tun mit einem Hausbesitzer, der nach Gutdünken die Miete manipuliert, und sie haben auch nichts mehr zu tun mit einer steigenden Miete. Sie klingen vielmehr wie eine Notwendigkeit, der sich niemand entziehen kann. Eine tolle Erfindung.

Dieser Text erschien zuerst in unserem Buch „Sprachlügen: Unworte von ,Atomruine‘ bis ,zeitnah‘“

Abgelegt in: Wirtschaft

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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