Liberalismus, mitfühlender

Der L. ist eine Ideologie, die dem Individuum mehr Rechte geben will und dem Staat weniger. Was ja erst einmal gar nicht schlecht sein muss. Das Attribut mitfühlend gibt nun aber Aufschluss darüber, was diese Ideologie eigentlich bedeutet und dass ihre Anhänger sich dessen durchaus bewusst sind. Warum sonst sollten sie versuchen, ihn durch dieses Adjektiv sympathischer erscheinen zu lassen? Da es nun einen mitfühlenden L. gibt, war der normale L. wohl nicht sehr mitfühlend. Ähnlich dem Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Ebenfalls eine Attribuierung, die vor allem darauf hinwies, dass der Sozialismus eben nicht menschlich war und mit einem solchen Antlitz maskiert werden sollte. Es ist die Zuschreibung einer Eigenschaft, die das System eben nicht besitzt: Meint der L. doch, dass Staat eben nicht helfen soll, auch nicht den Strauchelnden. Helfen will der mitfühlende L. ihnen übrigens auch nicht. Er will ja nur mit seinen Opfern mitfühlen, also Mitleid haben. Was gut klingt, aber nichts kostet und niemandem etwas bringt.

Abgelegt in: Politik, allgemein

Hinterlasse eine Antwort

Reaktionen

15 Reaktionen zu "Liberalismus, mitfühlender"

  1. Pantau sagt:

    Also mal davon abgesehen, dass die FDP mit dem Liberalismus so viel zu tun hat, wie die CDU mit dem Christentum: Hier scheint kaum jemand auch nur einen blassen Schimmer zu haben, was der klassische Liberalismus überhaupt ist. Der klassische Liberalismus ruht auf zwei Begründungssäulen:

    1. Die ethische Säule

    Der Mensch gehört sich selber und nicht dem Nachbar. Daraus leitet sich zwingend ab, dass auch seine Arbeitsfrüchte IHM gehören. Ein gerechter Staat sorgt daher dafür, dass A erntet, was A säte und das B erntet, was B säte. Er sorgt eben gerade dafür, dass B NICHT A von seinen Arbeitsfrüchten gegen dessen Willen etwas nehmen kann. Wenn A freiwillig hingegen B etwas abgibt, dann ist das sozial und OK, aber der Staat kann nicht „sozial“ sein, da er kein eigenes Geld hat, sondern nur das, was er den Bürgern vorher nahm und die EINZIGE Legitimation hieraus ist die, dass er eben jene Gerechtigkeit – ganz allg. das „Selbstbestimmungsrecht“ über den eigenen Körper und das Eigentum durchsetzt oder eben Allmendegüter wie Straßen usw. betreibt.

    2. Die ökonomische Säule

    Der Liberalismus ist vom Ziel her mit dem Sozialismus identisch – er verwirft jedoch dessen Mittel als nicht nur unethisch, sondern untauglich (vergl. hierzu Ludwig von Mises „Die Gemeinwirtschaft“). Für den Sozialismus als jene form der Herrschaft, in welcher der Staat die Gewalt über die Produktionsgüter hat, existiert kein Mittel für eine vernünftige Preisfindung. Jene ist für die Effizienz einer Volkswirtschaft jedoch fundamental, da Preise die relativen Knappheiten von Gütern untereinander anzeigen müssen. NUR der Kapitalismus kann diesem Ideal nahe kommen, nur in einer Marktwirtschaft die Preise ihre Signalfunktion wahr nehmen können gegenüber Anbieter und Verbraucher. Daher konvergieren zumindest die Preise in einer Marktwirtschaft gegen jene wahre Knappheit. UNSER System hingegen ist weder „Sozialismus“ noch „Kapitalismus“ sondern „Interventionismus“, die typische Form eines durch Keynes geprägten Staates. Jener Interventionismus leidet im Grunde an der Selben Krankheit wie der Sozialismus, jedoch sind die Symptome nicht so ausgeprägt bzw. der Krankheitsverlauf ist langsamer. Die staatlichen (gutgemeinten) Interventionen verursachen in den komplexen natürlichen Regelkreisen eines freien Marktes eine Kaskade von Neben- und Rückwirkungen, welche unterm Strich den intendierten positiven Effekt weit übertreffen („Ölflecktheorem“). Preisvorschriften gegenüber Ärzten erzeugt z.B. Ärztemangel und lange Wartezeiten, maximale Mietpreise erzeugen Wohnraummangel und ein Mindestlohn, welcher oberhalb des aktuellen Marktlohnes liegt, erzeugt Arbeitslosigkeit. Daher erfordern Interventionen immer eine weitere Zahl Interventionen gegen die Nebenwirkungen, welche wiederum weitere Interventionen erforderlich machen bis die Wirtschaft ertickt bzw. so ineffizient wird wie im Sozialismus.

    Der Klassisch-Liberale ist nicht gegen den Mindestlohn, weil er diesen dem Arbeiter nicht gönnt, sondern weil er der begründeten Überzeugung ist, dass dieser dafür sorgt, dass er in zehn Jahren weniger verdienen wird, als OHNE den Mindestlohn, da die ökonomischen Voraussetzungen der Kapitalakkumulation in der Niedriglohnphase geschaffen werden welche in der Zukunft nicht nur weit höhere Löhne ermöglicht, sondern verbürgt (Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. ist hierfür ein schönes Beispiel, wo die Kaufkraft des einfachen Arbeiters sich in wenigen Jahrzehnten verdreifachte!).

    Mehr dazu in „Liberalismus“ von Ludwig von Mises oder auch ein „Die Gemeinwirtschaft“ vom selben Autor als einzige geschlossene Widerlegung des Sozialismus.

  2. Pekka sagt:

    Mein erster Eindruck von diesem Blog war toll (kam über den Sascha-Lobo-Artikel hierher), aber dieser Eintrag hat mich enttäuscht – geht es, anstatt wie versprochen „Neusprech“ und die dadurch entstehende Manipulation aufzudecken, also auch hier nur um das Reinwursten eigener politischer Meinung? Schade.

  3. Tom Schöne sagt:

    @Pekka:
    So ähnlich ging es mir auch. Anfangs glaubte ich, das Thema sei der Mißbrauch der Sprache durch manipulierende Wortneuschöpfungen, aber die Auswahl der Worte und die Artikel zeigen deutlich, worum es hier oft geht: Propaganda.

    Ich sehe mich nicht als konservativ oder rechts, meine aber: ständig pseudo-intellektuell gegen „Dampfplauderer“, CDU, FDP, Polizei etc. zu wettern, zeigt erstens den Standpunkt der Autoren und vergeudet zweitens Energie, die an mancher Stelle der tieferen Recherche und Reflexion genützt hätte.

  4. Pingback von:

    Liberalismus, mitfühlender | MyWebWall | S...