Quellen-Telekommunikationsüberwachung

Kommunikation heißt, dass ein Sender (Quelle) Informationen an einen Empfänger (Ziel) übermittelt. Wir haben uns leider längst daran gewöhnt, dass es zum Arsenal kriminalistischer Methoden gehört, Kommunikation zu überwachen, obwohl dabei oft auch Privates belauscht wird. Durch Computer vermittelte Kommunikation abzuhören, ist dabei sogar noch leichter. Es müssen gar keine Wanzen mehr eingebaut werden, die Computer selbst werden zur Wanze, siehe die Quellen-T., gern als Quellen-TKÜ abgekürzt. Sie nutzt die einzigartige Möglichkeit der Computertechnik, an der Quelle mitzulesen. Genau dann also, wenn die Telekommunikation noch gar nicht begonnen hat. Die Quellen-T. ist somit ein Oxymoron, denn wenn gelauscht wird, bevor die Daten den Empfänger erreichen, liegt noch gar keine Kommunikation vor. Gleichzeitig ist der Begriff ein Euphemismus für Überwachung, noch dazu für eine heimtückische Form. Bei zwischenmenschlicher Kommunikation ist die Quelle ein Mensch. Dieser Mensch wird hier von seinem Computer bespitzelt, von einem System, von dem das Bundesverfassungsgericht sagt, dass wir ihm vertrauen können müssen. Der terminus technicus täuscht somit darüber hinweg, dass der Staat die Technik in unseren Händen gegen uns wendet.

Gleichzeitig sind Computer nicht nur Übermittler von Daten. Sie sind auch der Ort, an dem unsere Gedanken zu Information gerinnen, der Ort, an dem aus unseren Visionen Pläne werden. Da Computer inzwischen als Erweiterungen unseres Gehirns gelten können, gehört die Q. dann wohl in die Waffenkammer einer Gedankenpolizei.

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Reaktionen

26 Reaktionen zu "Quellen-Telekommunikationsüberwachung"

  1. hugo sagt:

    ähmm, ja, Skype enthält auch ein schriftliches Chat-Modul, aber bei der diskutierten Geschichte geht es den Strafverfolgungsbehörden ausschließlich um die VoIP-Telefonie. Das wurde ja erst nötig, als auch der dümmste Kriminelle verstand, dass Handys leicht abzuschnorcheln sind, und auf eben Skype umstieg – jedoch zum Telefonieren. Und DA setzt die Quellen-T. an, es geht um Abhören von Telefongesprächen. Der (eventuell zuschaltbare) Keylogger ist hier tatsächlich nur sekundär.

  2. Christoph sagt:

    @Bernd Pier: Mit Skype kann man schreiben (chatten), telefonieren, und auch videotelefonieren. Zusätzlich kannst du mit deinem Gesprächspartner Dateien (z.B Worddokumente) tauschen. Das auch Bildschirminhalte abgegriffen werden erklärt sich für den besorgten Sicherheitsexperten wahrscheinlich so:

    Jede Skypeinstanz ist ein Transceiver das heisst gleichzeitig Sender und Empfänger. So ist es möglich das du via Voice over IP Rezepte für einen Zimt-Apfelkuchen besprichst während dein gegenüber Dir auf Papier gemalte Rezepte für Sprengstoff in die Kamera hält.

    Darauf aufmerksam macht er Dich im Chat in dem er schreibt: „kuck mal auf das Video…“ Und dann schickt er Dir noch den genauen Plan für euren geplanten Terroranschlag als PDF den Du natürlich neugierig wie Du bist sofort öffnest…

    Deshalb reicht es nicht die Soundkarte abzugreifen sondern auch den Bildschirm und die Tastatureingaben -falls du perfekt zehn Finger schreibst und das Chatfenster nicht im Focus des Bildschirms hast…

    Und da wie gesagt beide Gesprächsteilnehmer die Fähigkeit haben zu senden und zu empfangen muss der Trojan am besten auf beiden Rechnern installiert sein, damit man man nicht blöderweise nur die neusten Backrezepte bekommt weil nur ein Teilnehmer sein konspirativ-terroristisches Gedankengut visuell oder physisch verbreitet.

    Noch Fragen?

  3. Pseudonym sagt:

    Immer wieder erheiternd, wenn sich auf diversen Websites und Blogs über Überwachung aufgeregt wird, und darunter dann ein Facebook-Button glänzt.

    Kommunikation beginnt schon weit vor dem eigentlichen Datenübertragen, jedenfalls beim Menschen.

    Eher ist das Wort Wanze doch ein Euphemismus oder? Wanzen, das sind Tier die langsam Kriechen, lästig und mit nötiger Hygiene zu vermeiden sind.
    Dabei sind hiermit eine Reihe von Geräten gemeint. Man sollte sich da nicht von all zuviel Technischen Gelaber abhalten. Sonst kommuniziert man aneinander Vorbei.

  4. Bob Roberts sagt:

    @Pseudonym :
    Aber Facebook und Staatswanzen sind schon noch zwei paar Schuhe, oder ?

    Grundsätzlich finde ich diese technischen und juristischen Detailfragen schon wichtig, aber z.T. auch – zumindest für Laien- schwer nachvollziehbar. Technisch scheint alles möglich, Grundrechte werden ausgehebelt und ich will gar nicht wissen, was neben der „normalen“ Überwachung auf Geheimdienstebene praktiziert wird.

  5. Weirdo Wisp sagt:

    „siehe die Quellen-T., gern als Quellen-TKÜ abgekürzt“ — Muharhar!

    Wo ich gerade dabei bin: Ich verstehe schon, dass Ihr diese papierlexikon-/papierwörterbuchinduzierten Abkürzungen gerne unterbringt. Aber ich finde solche Texte dann schwer lesbar. Im Gegensatz zu einem Papiermedium haben wir hier im Web doch fast unbegrenzt Platz – also ist es nicht notwendig, zwanghaft abzukürzen.

  6. Kai Biermann sagt:

    @pseudonym

    Ich bitte zu beachten, dass wir ganz bewusst nicht „den“ Facebookbutton eingebunden haben. Das hier ist nicht der heikle „Like“-Button, den Datenschützer verfluchen, sondern der „Share“-Button. Der sammelt sehr viel weniger Daten…

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  7. Kai Biermann sagt:

    @Weirdo Wisp

    Ja, tun wir :) Hat so etwas schön-papiernes… Nein, im Ernst: Die Abkürzung soll eine Stolperstelle im Text sein, damit das entsprechende Wort bewusster wird. Offensichtlich funktioniert es auch, oder?

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  8. Detlef Borchers sagt:

    @Kai Biermann: Das BKA-Presseseminar zur Quellen-TKÜ ist etwas her (Herbsttagung 2007). Damals wurde diese Form der Überwachung als Angriff auf die Soundkarte definiert, wo die Skype-Gespräche mitgehört bzw. unverschlüsselt ausgeleitet werden können. Alles in Analogie zur TKÜ. Das Video-Skypen wurde zu diesem Zeitpunkt gerade erst beta-getestet. Die Screenshots zur Kontrolle, ob da per Video nicht zusätzliche Informationen ausgetauscht werden, kamen später.

  9. Sanníe sagt:

    > wenn gelauscht wird, bevor die Daten den Empfänger erreichen,
    > liegt noch gar keine Kommunikation vor.

    Strenggenommen gilt das doch auch für die gute alte Wanze, die ja auch nicht beim Empfänger montiert ist. Allein deshalb schon greift diese Argumentation nicht.

  10. arno sagt:

    Es ist eh überraschend, dass das Wort-Ungetüm Q-TKÜ exisitert. Wenn im Mobilfunk ein Gespräch belauscht werden soll, muss der Telekom-Betrieb eine Schnittstelle für die Polizei (welche auch immer) bereithalten für die „Lawful interception“, was viel vornehmer klingt. Dafür ist mir kein deutsches Pendant bekannt.