Gefahrenerforschung, erweiterte

Nicht zu verwechseln mit Sicherheitsforschung. Die G. ist eine österreichische Wortschöpfung und wird dort synonym verwendet für verdachtsunabhängige Überwachung. Es handelt sich also um einen Austriazismus. Der es im Übrigen in sich hat. Eine Gefahr ist eine mehr oder weniger abstrakte Bedrohung. Sie ist ein Zustand, der noch nicht eingetreten ist. Die G. entfernt sich noch etwas weiter vom Tatsächlichen und geht noch einen Schritt in Richtung des Möglichen. Sie soll dazu dienen, mögliche Gefahren überhaupt erst zu entdecken. Eigentlich darf die Polizei nicht ohne Anlass ermitteln, sie braucht einen konkreten Verdacht, bevor sie etwas gegen Bürger unternehmen kann. Leider gilt dieser rechtsstaatliche Schutz vor willkürlichen Ermittlungen vielen Politikern inzwischen als überholt. Offenbar haben sie dabei aber wenigstens ein schlechtes Gewissen. Warum sonst sollten sie sich bemüßigt fühlen, diese Verdächtigung aller Wähler Menschen sprachlich zu verbergen? So findet bei der G. eine Erforschung statt, die an wissenschaftliche Neugier und Forscherdrang denken lässt und nicht an Polizisten, die in die Privatsphäre Unschuldiger eindringen. Ein treffenderer Ausdruck wäre Rasterfahndung. Nur der Vollständigkeit halber: Das erweitert in dieser Konstruktion übrigens bedeutet, dass das entsprechende Gesetz nicht mehr nur gegen sogenannte kriminelle Vereinigungen von mindestens drei Personen angewendet werden kann. Nun dürfen auch Einzelpersonen ausgespäht werden. Die Erweiterung liegt also darin, dass es nun möglich ist, gegen jeden ohne Anlass zu ermitteln. Vgl. das deutsche Pendant Gefährder, also jemand, der noch nichts getan hat und der somit unschuldig ist, beziehungsweise seine Erweiterung, der potenzielle Gefährder: aka Jedermann.

Abgelegt in: Innere Sicherheit

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Reaktionen

4 Reaktionen zu "Gefahrenerforschung, erweiterte"

  1. Volker Birk sagt:

    Hallo, Maha,

    der “Gefährder” ist nicht nur “eigentlich” unschuldig (“aaaaber…”), sondern er ist unschuldig.

    Sonst wie immer: Danke für dieses sehr gute, wichtige, eigentlich notwendige Blog. Das “eigentlich” bitte streichen, und durch ein “wirklich” ersetzen ;-)

    Viele Grüsse,
    VB.

  2. Kai Biermann sagt:

    danke für die Anmerkung. Ist gestrichen!

    lg
    k

  3. Pingback von:

    Gemischtwaren vol.x « Roger Reloaded
  4. fatmike182 sagt:

    Was ist in diesem Sinne dann die “vorbeugende Gefahrenforschung”? Ein noch kunjunktiverer Fall oder ein Pleonasmus?
    siehe Kurier online 1999