Intelligent

Die Intelligenz hat ihren Ursprung im lateinischen intellegere ‚verstehen‘, eigentlich: ‚zwischen [den Zeilen] lesen‘ und ist eine Eigenschaft, die (bislang) allein dem Menschen zugeschrieben wurde, dem homo sapiens (‚wissender Mensch‘). Dann kamen Ingenieure und Informatiker und setzten sich das Ziel, menschengleiche Maschinen zu bauen und menschliches Denken nachzuahmen und nannten es metaphorisch Künstliche Intelligenz (KI). Kann man machen. Zum Unfug wurde es, als PR-Abteilungen über den Begriff stolperten und die Idee hatten, mit ihm allen möglichen Kram zu vermarkten, der nicht einmal annähernd ‚zwischen den Zeilen lesen‘ kann: Stromnetze, Speicherkarten, Telefone, Grenzkontrollen, Sozialkürzungen und sogar Bomben. Eine Meta-Metaphorik sozusagen oder eine Metaphorik zweiter Ordnung.

Schon klar, Ihr wollt das Zeug irgendwie schicker aussehen lassen, damit genug arme Irre es kaufen. Aber schlaue Bomben? Die Dinger merken sich eine Geokoordinate, mehr nicht. Könnten die ‚verstehen‘, würden sie beidrehen und ihren Bombardier zu treffen versuchen.

Mit Dank an @presseschauer für die Anregung und Eike H. fürs „sparen“.

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Kommentare

19 Reaktionen zu "Intelligent"

  1. nil sagt:

    Da kann man nur den Film “Dark Star” mit der “Bombe Nummer 20″ empfehlen.

  2. DAMerrick sagt:

    Ich weiss nicht, nach einem Article auf sueddeutsche.de dachte ich dieses Blog wäre ganz interessant aber irgendwie erinnern mich diese Erklärungen an den Verein der deutschen Sprache.

    Wörter können mehrere Bedeutungen haben und vor allem weit gesteckt sein. Und wenn eine Bombe erkennt das sie explodieren muss weil das Ziel erreicht ist, ist das doch eine ntelligente Handlung im Sinen von das Ziel verstehen.

    Und ein intelligentes Stromnetz das automatisch erkennt das die Leitungen überlastet sind versteht doch auch was es tun soll.

    Also wenn man jetzt Intelligent mit Moralisch und Tieferem Sinn gleichsetzt müsste man die Frage stellen inwieweit der Mensch intelligent ist und nicht nur das anwendet was er kennt und was er deuten kann. Das würde aber ins philosophische abdriften.

    Also ncihts dagegen das dieses Blog aufräumen will, besonders mit Schwurbeleien, aber sich jetzt darüber aufzuregen das eigentliche tote Sachen oder jede Aktivität durch einen Mikrochip plötzlich GPS, Belastung und ähnliches mtieinbeziehen und man sie nur deshlab nicht als intelligent bezeichnen kann weil dies “zwischen den Zeilen lesen heisst”, sorry, dann sind 90% der Tiere aber nur 30% der Menschen intelligent.

  3. blubb sagt:

    @DAMerrick:
    Ein Affe, dem du ein beibringst ein Kunststück nach zu ahmen, hat noch keine Intellgienz bewiesen.
    Wenn du ihn allerdings vor ein ihm unbekanntes Problem stellst und er das ohne Hilfestellung löst, weißt du, dass er in der Lage ist, die Situation zu erfassen und mehr oder weniger intelligent zu handeln.

    Eine Programmierung, die genau ein Ziel kennt und dieses ausführt, kann maximal so “intelligent” sein, wie die Routine, die ihr Programmierer erschaffen hat.

    Eine Ausnahme machen vielleicht die KI, die tatsächlich neue Information verarbeiten und damit “lernen”, über ihre gegebene Programmierung hinaus zu gehen, aber das ist sicher nicht gemeint, wenn man von intelligenten Bomben uÄ.. spricht.

  4. Ralf sagt:

    Hallo DAMerrik,
    Du mußt doch nicht mit jeder Aussage hundertprozentig übereinstimmen. Die Artikel regen zum Denken an (und ich vermute mal, das ist auch die Intention des Autors), und das genügt eigentlich. Ich sehe hier immer gern rein. Vielleicht liest Du auch mal ein paar ältere Texte – so vordergründig wie die Reparaturversuche der Vereins Deutsche Sprache ist das alles keineswegs (wobei mir selbst die sympathischer sind, als das gedankenlose Im-Mainstream-Mitschwimmen).

  5. Seb sagt:

    @DAMerrick: Es gibt eine klare Abgrenzung zwischen Künstlicher Intelligenz von zB Maschinen und Intelligenz von Menschen. Als Beispiel wurde dabei konstruiert ein Raum, in dem ein Europäer sitzt, der zwei Schlitze hat. In den linken Schlitze kommen Karten mit Fragen formuliert in chinesischen Schriftzeichen rein. Rechts soll der Europäer die richtige Antwort wieder in chinesischen Schriftzeichen auswerfen. Der der Europäer kein chinesisch kann, steht ihm ein großer Frage-Antwort-Katalog zur Verfügung, in dem er jede Frage nachschaut und die dazugehörige Antwort bekommt. Der Europäer muss dabei nicht mal wissen, ob es sich bei den Karten aus dem linken Schlitz tatsächlich um Fragen handelt.

    Dieses Verhalten würde ich nicht als Intelligent bezeichnen. Der Europäer versteht überhaupt nicht, was er dort tut. Er führt einfach nur einen Algorithmus aus.

    Computer tun aber genau das. Sie führen Programme aus. Sie verstehen nicht, was diese Programme tun. Sind diese Computer also intelligent?

  6. Jakob sagt:

    In der Auflistung fehlen noch die “intelligenten Städte”, als die uns die Überwachung des öffentlichen Raums schmackhaft gemacht werden soll. Bereits in den 1950er Jahren wurden einfache Automaten (=Computer) als “elektrische Gehirne” bezeichnet: die Zuschreibung von Intelligenz zu Maschinen stammt größtenteils aus der Informatik, wo in der “Künstlichen Intelligenz” seit einem halben Jahrhundert vergeblich versucht wird, dem Computer Bewußtsein beizubringen. Mit Erfolg: inzwischen neigen Menschen dazu mehr oder weniger komplexen Automatisierungssystemen implizit so etwas wie einen Willen zu unterstellen, womit das Problem der KI elegant gelöst wäre. Mehr zum Thema hat der kürzlich verstorbene Joseph Weizenbaum geschrieben, schaut euch mal den Dokumentarfilm “Plug & Pray” an.

  7. tschill sagt:

    @DAMerrick: “…, dann sind … aber nur 30% der Menschen intelligent.”

    Sehen Sie, da haben Sie doch schon was beim ersten Vorbeischauen hier gelernt.

  8. Jakob sagt:

    @Seb Die “klare Abgrenzung zwischen Künstlicher Intelligenz von zB Maschinen und Intelligenz von Menschen” wird allerdings regelmäßig in Frage gestellt, sowohl von Fachleuten, die ihr Produkt gerne als “intelligent” bewerben, als auch von Laien, die angesichts der Komplexität von Maschinen staunend Intelligenz annehmen wo keine ist.

  9. Seb sagt:

    @Jakob: Da hast du natürlich recht! Ich habe in dem Beispiel auch gar nicht von Künstlicher Intelligenz gesprochen. Meine Einleitung ist also Unsinn.

  10. Lennart sagt:

    @Seb
    Es ist richtig, dass der Europäer einfach nur einen Algorithmus ausführt. Er wird, aber, tut er es lange genug, irgendwann Muster in den chinesischen Schriftzeichen wiedererkennen. Er wird vergleiche ziehen zwischen den Mustern, und anfangen zu lernen. Schließlich wird er irgendwann verstehen. Genau wie ein Kind, dass erst mal nur Laute nachformt, irgendwann den Zusammenhang sieht und das Sprechen lernt.
    Das aber können Computer nicht.

    Mit dem Begriff der Intelligenz wird sehr viel angestellt. Ich finde aber auch das Beispiel mit der Bombe nicht sehr gelungen. Intelligenz impliziert nicht Verstehen, und Verstehen impliziert nicht Moral und/oder Vernunft. Ansonsten müsste auch der Soldat seinen Offizier erschießen, wenn er von ihm den Auftrag zum Töten erhält.