In der Berichterstattung über die so genannten Epstein-Files, die Unterlagen des verurteilten und inzwischen toten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, ist von minderjährigen F. die Rede. Das ist ein Euphemismus, denn F. sind erwachsene Menschen, hier aber sind die Opfer Mädchen, daher Kinder. Oder es ist eine Art Oxymoron (genauer: eine Contraditio in adjecto), denn Minderjährige und Frauen stehen im Widerspruch. Der scheint gewollt. Wenn von Frauen die Rede ist, klingt ihre Vergewaltigung weniger schlimm. Das substantivierte Adjektiv „Minderjährige“ ist eigentlich hinreichend genug. Ihre systematische sexuelle Ausbeutung wird häufig euphemistisch als „(Sex-)Skandal“ bezeichnet. Der eigentliche Skandal ist aber, wie damit umgegangen wird: Die Prominenten, die mit Epstein in Verbindung standen, stehen im Vordergrund und werden bisweilen sogar als Opfer dargestellt, die eigentlichen Verbrechen treten dabei in den Hintergrund.
