Aufstocker

Mit A. werden Menschen bezeichnet, die so wenig verdienen, dass sie offiziell als arm gelten und zusätzlich zu ihrem Lohn Anspruch auf Geld vom Staat in Form des sogenannten Arbeitslosengeldes II haben. Es sind also Arbeitende, die Arbeitslosengeld bekommen. Und das meint beileibe nicht nur Teilzeitbeschäftigte. Mehrere hunderttausend Menschen, die eine volle Stelle haben, werden so schlecht dafür bezahlt, dass sie nicht einmal das sogenannte Existenzminimum erreichen – die Menge an Geld also, die sie vom Staat bekämen, wenn sie gar nichts täten. Politisch ist das eine Subventionierung von Hungerlöhnen, vor allem von sogenannter → Leiharbeit. Sprachlich ist dieser Irrwitz eine, sagen wir, Ungenauigkeit. Denn der A. klingt aktiv, so als würde derjenige selbst etwas ausbauen oder erhöhen. Tut er aber nicht. Er, beziehungsweise sein Einkommen, muss aufgestockt werden, um das Minimum dessen zu erreichen, was hierzulande als eines Menschen würdig gilt. Natürlich könnten Politiker auch die Unternehmen zwingen, menschenwürdige Löhne zu zahlen. Damit aber tun diese sich irgendwie schwer und denken sich lieber Begriffe wie A. und → Lohnuntergrenze aus, um dem Thema aus dem Weg zu gehen.

Abgelegt in: Soziales, Wirtschaft

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