Voraussetzungen, engste

Politik ist die Kunst, seine Meinung zu ändern, ohne dass es jemand merkt. Die Grünen sind gar nicht so schlecht darin. Hier zum Beispiel, bei „sog. Spähsoftware wie etwa Trojanern“. Diese hässlichen Dinger lehnen die Grünen natürlich ab, eine „heimliche Onlinedurchsuchung“ darf es nicht geben. Zumindest solange nicht gerade Wahlkampf ist. Dummerweise hat der soeben begonnen, daher müssen nun die „engsten V.“ die Aufgabe eines einfachen „Nein“ übernehmen. Plötzlich ist der Einsatz von Spähsoftware „unter engsten V“ rechtlich zulässig, obwohl dabei das Grundrecht auf die Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme verletzt wird. Superlative sind ja immer schick, manchmal verraten sie aber auch mehr, als sie sollen: Denn mit dem Adjektiv eng bewegt sich der Text mit Bezug auf das abstrakte Substantiv Voraussetzungen im Bereich des Bildlichen beziehungsweise Metaphorischen. Damit nicht genug, der Superlativ ist nur formal einer, es handelt sich um eine Hyperbel, also um eine Übertreibung. Denn gemeint ist: ‚sehr eng‘ oder ‚ganz eng‘. Dabei ist eng (in diesem Zusammenhang ursprünglich eine Lehnübersetzung von lateinisch strictus ‚strikt‘) in dieser Metapher ein Pleonasmus, schließlich ist jede Voraussetzung eng. Wenn sie nicht gegeben ist, darf die an sie gebundene Handlung eben nicht ausgeführt werden. Man erkennt den Pleonasmus beziehungsweise den Unsinn auch daran, dass es das Gegenteil ‚weite Voraussetzungen‘ nicht gibt. Praktischerweise wird von den Grünen gar nicht erst erläutert, um welche Voraussetzungen es hier überhaupt geht. Die Formulierung „unter engsten V.“ kann also nur eines bedeuten: die Befürwortung von Spähsoftware ‚ohne Wenn und Aber‘.

Abgelegt in: Innere Sicherheit, Internet

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Reaktionen

7 Reaktionen zu "Voraussetzungen, engste"

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  2. Tidirium sagt:

    Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, dass diese Formulierung mit “eng gebunden” oefters von Politikern gebraucht wird. Dabei zucke ich innerlich zusammen, ohne dass ich weiss warum….
    Danke fuer die Erklaerung! Grossartig!

  3. Pingback von:

    Aufgelesen und kommentiert 2013-06-17 - Duckhome
  4. benjamin sagt:

    Ich habe zu meinem Erstaunen festgestellt dass ihr “FLUGVERBOTSZONE” noch nicht auseinandergenommen hat, ich hasse dieses Wort, es ist eine ekelhafte Verschleierung für Krieg

    Bitte nachholen! Wichtig

  5. kücken sagt:

    Das sehe ich nicht so. Eine Flugverbotszone ist ja eine Ausgangssperre für den Luftraum und beide kommen mit höherer Wahrscheinlichkeit in Kriegsgebieten vor aber sind doch nicht das selbe?!

    Was euch im Moment fehlt, ist ein weiterer Neusprechfunk.

  6. derdohrn sagt:

    Eng ist und bleibt eben ein dehnbarer Begriff.