Asyltourismus

Oxymoron, also Widerspruch in sich. Asyl sucht man in der Not, Tourismus bezeichnet jedoch freiwilliges Reisen zum Zweck der Erholung und/oder Bildung, somit Urlaub. Not und Urlaub schließen sich aber aus. Was meint Markus Söder, wenn er dieses paradoxe Kompositum verwendet? Es geht offenbar darum, Menschen („Asyltouristen“) abzuweisen, die bereits in einem anderen Land Asyl beantragt haben haben oder es dort bekommen könnten. Der Begriff A. unterstellt, dass diese Menschen freiwillig (also wie Touristen) herumreisen, um Asyl zu finden. Ausgeblendet wird dabei, dass die Situation in den Durchgangsländern für die Betroffenen so schlimm ist, dass sie keineswegs freiwillig weiterreisen. Wenn sprachlich aus Flüchtlingen Touristen werden, geht es darum, diese teilweise lebensbedrohlichen Zustände kleinzureden und die Situation zu beschönigen. Gleichzeitig wird das Anliegen der Betroffenen, Schutz vor Verfolgung, Krieg und Not zu finden, lächerlich gemacht. Das Wort hat durch das ganze politische Spektrum hindurch eine lange Tradition, wenn es darum geht, Schutzsuchende abzuwerten.

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Reaktionen

2 Reaktionen zu "Asyltourismus"

  1. Jan Böhm sagt:

    Vielleicht hat der Begriff „Asyltourismus“ auch den „Sozialtourismus“ zur Vorlage? In meinem Block hing auch unlängst ein Schild mit der Aufschrift „Mülltourismus betrifft uns alle!“ (gemeint war: man soll doch bitte die Müllplätze abschließen, damit Fremde ihren Müll nicht in unsere Tonnen werfen könnten).