Debatte, masochistische

Versuch von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), die Forderung zu diffamieren, dass Autos die Luft weniger verschmutzen sollten. Scheuer möchte nicht mit der Verschärfung von Grenzwerten belästigt werden, heißt diese Begriffsschöpfung, denn natürlich ist nicht die Diskussion über Grenzwerte masochistisch, sondern in seinen Augen deren Verschärfung. Damit ist masochistische D. eine Enallagé, eine irreführende semantische Beziehung zwischen einem Adjektiv und einem Substantiv. Doch wie können strengere Grenzwerte, die dazu dienen sollen, die Luft sauberer zu machen, masochistisch sein? Masochismus ist schließlich die Neigung, durch Schmerzen oder Demütigung Lust zu erfahren. Grenzen für den Schadstoffausstoß festzulegen dient dazu, Schmerzen und Leiden gerade zu vermeiden, die infolge von durch Schadstoffen verursachten Krankheiten entstehen. Und natürlich ist es unerheblich, ob jemand Lust oder Befriedigung aus schärferen Grenzwerten zieht. Scheuer selbst erklärt seine Wortschöpfung damit, dass es darum gehe, „wie wir uns in Deutschland mit immer schärferen Grenzwerten selbst schaden und belasten können“. Scheuers Logik erschließt sich daher erst, wenn betrachtet wird, wer in diesem Satz mit wir gemeint ist: Nicht etwa die Menschen, die an viel befahrenen Straßen leben und die dadurch krank werden. Sondern Autofirmen, die durch strengere Grenzwerte dazu gezwungen werden, neue Autos zu entwickeln. Scheinbar tut es also weh, sich etwas Neues auszudenken. Das ist seltsam. Aber wenn es stimmt, dann könnte es erklären, warum Konservative so vehement gegen Veränderungen sind.

Abgelegt in: Umwelt, Verkehr

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Reaktionen

1 Reaktion zu "Debatte, masochistische"

  1. Anonym sagt:

    Ich denke wir sollten uns nicht dumm stellen, wenn das fremde Argument uns genauso Recht gibt. Es geht natürlich nicht darum, dass sich Neues auszudenken wehtut, sondern Umsatzeinbußen aus unserer so wichtigen Autoindustrie. Zumal nicht umsonst jeder Hersteller zum Einhalten der Grenzwerte betrogen hat, ohne grundlegende Veränderungen scheints halt garnicht zu gehen.

    Da sagt er doch ganz deutlich, dass Umsatz über jeder menschlichen Vernunft steht.