Der Neusprechfunk 15 zeigt, wo der Barthel den Most holt

Kaum ist der letzte Neusprechfunk verdaut, setzen wir schon zum Sprung in neue sprachliche Gefilde an: Die Nummer 15 und zugleich der erste in diesem Jahr aufgenommene Podcast wartet drauf, in der Hörer Ohren zu dringen.

Es wurde mal Zeit, dass wir auf die verschiedenen Dieselkrisen, die Dieselfahrverbote in deutschen Städten und die als wenig nutzbringend dahergekommenen Umtauschprämien für ältere Dieselfahrzeuge zu sprechen kommen. Wir werden im Laufe der Wägung der genutzten Begriffe durchaus grundsätzlich.

Dankenswerterweise erklärt Verkehrsminister Dr. Andreas Scheuer das Riesen-Maßnahmenpaket der Bundesregierung und seine Abscheu gegen das Diesel-Bashing in einer Aktuellen Stunde des Bundestags. Die Jahresmittelwerte der besonders belasteten deutschen Städte, die Kai im Podcast anspricht, finden sich allerdings nicht im Ministerium des CSU-Mannes, sondern beim Umweltministerium (pdf), gemessen übrigens in Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft.

Schon wegen der Herausforderung bei der Aussprache widmen wir uns in diesem Zusammenhang natürlich der Luftverschmutzung, der Pneumologie und ihren politischen Randgebieten:

lungenaerzte

Denn wir kommen noch kurz auf den Focus und seine Grenzwert-Skeptiker sowie Lungenärzte und Stickoxidwerte zu sprechen.

Aber die aktuellen Diskussionen um Fragen des Umweltschutzes und der Autoindustrieförderung sind nicht die einzigen, die uns beschäftigen. Wir reden auch über den heißdiskutierten Fall eines jungen Mannes aus Hessen, der massenhaft Daten von Politikern und Prominenten zusammenklaubte.

internet-datenangriff

Im Neusprechfunk 15 (mp3) geht auch es darum, ob das ein Datenangriff war und ob der Mann eigentlich ein Hacker genannt werden sollte.

Ansonsten widmen wir uns ja mit Vorliebe modernen Technologien, erst recht, wenn sie in Kombination mit Geheimdiensten auftauchen. Seit ab Sommer 1992 hierzulande das digitale Mobilfunknetz Einzug hielt, standen alle paar Jahre technologische Änderungen an, nun also 5G. Das ist uns ein paar Bemerkungen wert:

5G mithoeren

Denn offenbar stören sich Geheimdienste an der neuen Technologie. Sie behaupten, das beeinträchtige ihre Abhörmaßnahmen. Welche Sicherheitsbedenken aus technischer Sicht aber wirklich bestehen, können wir nicht mit letzter Sicherheit ergründen.

Eine interessante Observation macht Maha in Sachen Spracherneuerung, über die wir am Ende des Podcasts kurz sprechen: auf bisher seltene Weise zusammengesetzte Namen neuer Gesetze wie das Starke-Familien-Gesetz, bei dem es eigentlich um den Kinderzuschlag geht. Kennzeichnend ist die positive Konnotation, die mit der Kombination von Adjektiv und Substantiv erreicht werden soll.

Dazu würde beispielsweise auch der aktuell diskutierte Referentenentwurf für das neue »Geordnete-Rückkehr-Gesetz« (pdf) gehören. Das soll nicht etwa für eine geordnete Rückkehr sorgen, sondern dafür, dass Menschen schneller in Haft genommen und ohne viel Aufschub den Abschiebeflugzeugen zugeführt werden können. Auch das Gute-Kita-Gesetz wäre ein solches Beispiel. Apropos: Jürgen Kaube schlägt noch das „Leise-Schienen-Gesetz“ vor.

Wir sprachen außerdem – teilweise auf Anregung unserer beliebten Wortwarte – über:

Hier also der Neusprechfunk 15 als mp3, alternativ auch wieder die ogg-Version.

Wir bedanken uns wieder bei Maha für den Wein! :}

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Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Reaktionen

17 Reaktionen zu "Der Neusprechfunk 15 zeigt, wo der Barthel den Most holt"

  1. Michael Schumacher sagt:

    Es gibt doch schon länger das „Erneuerbare Energien Gesetz“.

  2. Vielen Dank für den schönen Podcast! Heute gehört und kommentiert auf einer Bahnfahrt, während der ich mir schon öfters ein Besseres-mobiles-Internet-Gesetz gewünscht habe. Die Positive-Konnotationen-Kompositabildung scheint mir zumindest außerhalb der Politik so neu nicht zu sein im Deutschen. Das wohl bekannteste historische Beispiel stammt von 1995 (und wird übrigens Ende des Jahres abgeschafft): Wer damals günstig verreisen wollte, kaufte sich ein Schönes-Wochenende-Ticket. Attraktiv für die Erschaffer dürfte diese Art von Komposita aber wohl vor allem heutzutage sein, da in der mobilen Umgangsschriftsprache gerne mal auf Bindestriche verzichtet wird.

  3. Constanze Kurz sagt:

    @Robert: Wo Du es sagst: Der Kommentar über Dir hat ein schönes Beispiel für Leerzeichen in Komposita. :}

  4. Hubertus sagt:

    Respekt-Rente

  5. Constanze Kurz sagt:

    Hatte ich bisher nicht gelesen, lohnt sich aber als Nachtrag zum Dieselstreit (von Gerhart Baum):
    https://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-operation-heisse-luft-1.4319121

    „Millionen Käufer von Dieselfahrzeugen sind geschädigt und bisher im Gegensatz zu den USA nicht entschädigt worden, obwohl das Recht der Europäischen Union seit Jahren eindeutig und verbindlich ist.“

  6. Chris B. sagt:

    Komposita aus Adjektiv plus Substantiven – da fallen mir ein:
    Armeleuteviertel
    Gutenachtgeschichte
    Dummejungenstreich
    Und natürlich das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

  7. Sven sagt:

    Als ich vom Barthel, der den Most holt, hörte, musste ich direkt an den Ziegenbock denken: „[Zeigen,] wo der Ziegenbock den Honig hat“ ist eine mir geläufige vergleichbare Phrase, die gleiches ausdrückt. Auch „wo der Frosch die Locken hat“ hatte ich in diesem Zusammenhang gehört. Schön fand ich, dass zur Bedeutungserklärung im Podcast die nächste seltsame Beschreibung herhalten musste: Wo der Barthel den Most halt sei so etwas wie „jemanden zeigen, wo der Hammer henkt“. Woher kommt es, dass es so viele seltsame Umschreibungen für den gleichen Sachverhalt gibt? Gibt es da etwas vergleichbares?

    Zu dem „Starke-Familien-Gesetz“ fiel mir etwas vergleichbares aus dem Fussballsprech ein. Dort redet man gerne vom „Schön-Wetter-Spieler“ bzw. häufiger in einem Wort Schönwetterspieler (Im Sinne: Spieler, der starke Formschwankungen aufweist, also nur bei „schönem Wetter“ gut spielt, also eigentlich das Gegenteil vom dem, was das erste Wort „schön“ hier suggeriert). Wobei es konsequenterweiser in dieser neuen Trendform wohl eher „Schönes-Wetter-Spieler“ heißen müsste. Wenn sich das durchsetzt, stehen uns noch wunderbare Gesetzeswortschöpfungen ins Haus: Schnelles-Internet-Gesetz, Bessere-Zukunft-Gesetz, Blaues-vom-Himmel-Gesetz, usw. usf.

    Und just ist mir ein tolles neues (bzw. mir noch unbekanntes) Wort zugeflogen: „Verhinderungsdemokratie“ im Zusammenhang mit einem, na?, Bürgerentscheid! http://www.spiegel.de/plus/freiburg-warum-buerger-einen-neuen-stadtteil-verhindern-wollen-a-00000000-0002-0001-0000-000162407658 (leider hinter paywall). Vielleicht könntet ihr dazu in einer hoffentlich bald folgenden Ausgabe was zu sagen.

  8. BerndR sagt:

    Das Good Friday Agreement ist mMn keine gute Parallele zum Guten-Kita-Gesetz, da der Karfreitag halt eben auf Englisch „Good Friday“ heißt. Zweit Tage später wäre es halt das Easter Sunday Agreement geworden. Aber ein gutes Abkommen hat klingt natürlich schon nicht schlecht.

  9. Constanze Kurz sagt:

    @BerndR: Ja, das stimmt wohl. Mir fiel nach der Aufnahme noch der Affordable Care Act ein, der vielleicht besser passt.

  10. Ranthoron sagt:

    Und? Wie sieht es mit einem brauchbaren Podcast-Feed aus?