Hinweis, ernstzunehmender

Anlässlich des Champion-League-Finales sprach BKA-Präsident Jörg Ziercke von einem „ernstzunehmenden Hinweis“ auf ein möglicherweise geplantes Attentat. Dabei stellt sich die Frage, ob das BKA Hinweise auf Anschläge oder Terroristen auch mal nicht ernst nimmt. Aber wir schweifen ab. Worum es eigentlich ging, erläuterte Innenminister Hans-Peter Friedrich:

„Deutschland steht seit Längerem im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus. Es gibt derzeit keine Hinweise auf Anschlagspläne oder Anschlagsziele in Deutschland … Soweit Hinweise auf Personen vorliegen, die als Gefährder in Betracht kommen, werden diese Hinweise wie immer sehr ernst genommen.“

Das ist wohl der Versuch einer nicht entwarnenden Entwarnung: Hinweise auf Anschläge gab es keine. Aber bevor jetzt jemand denkt, Sicherheits– Überwachungsmaßnahmen seien entbehrlich, wird hinzugefügt, es gebe → Gefährder, die ja immer irgendwo zu finden sind und alles werde natürlich sehr ernst genommen, sei also auch ernst. Es bleibt, heißt das, noch genug zu tun für die „Sicherheitskräfte“.

Abgelegt in: Innere Sicherheit

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Reaktionen

5 Reaktionen zu "Hinweis, ernstzunehmender"

  1. Gast sagt:

    Ich weiß, das Gänze hier soll als eine Art zeitloses Kompendium der Sprachunterwerfung dienen. Aber dennoch hielte ich es für keine schlechte Idee, den zugrunde liegenden Fall, an dem sich der Eintrag aufhängt, zeitlich zumindest grob einzuordnen und dann auch konsequenterweise vom „damaligen Innenminister“ zu sprechen. Sonst kommen bestimmt einige durcheinander.

  2. Kai Biermann sagt:

    Hmm, ich dachte, der Link und das Finale der Champions League seien Hinweis genug. Aber ja, die Kritik ist berechtigt, der Begriff ist schon etwas älter und nicht so aktuell, wie wir sonst versuchen zu sein. Verzeihung. Morgen kommt ein ganz frischer, versprochen.
    lg
    k

  3. Veit sagt:

    Man muss Sicherheitspolitikern dennoch zugute halten, dass sie sich Vorwürfen ausgesetzt sehen könnten, nicht genug Prävention betrieben zu haben, würde etwas passieren.
    Meiner Ansicht nach gehört auf den gesellschaftlich breit aufgestellten Prüfstand, welche Sicherheitsmaßnahmen effektiv sowie sinnvoll sind und welche man sich sparen kann. Die Piraten haben z. B. damals mit Thematisieren der Funkzellenabfrage so eine Diskussion im Berliner Abgeordnetenhaus angestoßen.

  4. janosch sagt:

    „Sicherheitskräfte“ hätte auch mal einen Eintrag verdient.
    Musste bei der Berichterstattung über den „Euromaidan“ jedes Mal, wenn der Begriff S. wieder gefallen ist, an euch denken.

  5. Kai Biermann sagt:

    Stimmt! Danke.
    lg
    k