Hausaufgaben

H. werden für die Schule erledigt, überwiegend von Kindern im Auftrag von Lehrern, die hoffentlich wissen, warum welche Aufgabe erledigt werden soll – zum Wohle der Kinder. Wenn jemand seine H. machen muss, so ist das Subjekt oder genauer der Agens Schüler. In der Linguistik werden solche Einschränkungen über Satzglieder Selektionsrestriktionen oder Subkategorisierung genannt. Erst wenn das Prädikat H. machen in übertragenem Sinn, also metaphorisch verwendet wird, sind andere Subjekte möglich. Das Interessante dabei ist, dass in der Grundbedeutung notwendige Eigenschaften von Satzgliedern in der metaphorischen Verwendung immer noch mitverstanden werden. In der Linguistik wird dieses Phänomen als Persistenz bezeichnet Wenn also Griechenland seine H. machen muss, wie es derzeit immer wieder gefordert wird, so wird Griechenland in der Rolle eines Schülers gesehen, von dem Lehrer eben jene H. einfordern. Dabei ist übrigens unklar, wer genau mit Griechenland gemeint ist, denn Griechenland wird synekdochisch verwendet: Gemeint sind vielleicht die griechische Regierung, die griechischen Politiker oder die griechische Bevölkerung – vielleicht auch alle. Egal wer gemeint ist, sie als unmündige Schüler zu behandeln, ist nicht nur diplomatisch unangemessen.

Abgelegt in: Außenpolitik

Weitere sprachlichen Umdeutungen und Neuschöpfungen:

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Reaktionen

4 Reaktionen zu "Hausaufgaben"

  1. Martin Däniken sagt:

    Wenn ich mich an meine Schulzeit richtig erinnere,so gab es Schüler die grundsätzlich ihre Hausaufgaben auf dem Schulweg im Bus gemacht haben oder in den Pausen vor dem entsprechenden Unterricht ,diese Schüler haben keine Nachteile erfahren für das Hingepfusche.
    Naja ab und zu wies der ein oder andere Lehrer darauf in das man so sein Wissen nicht vertiefen könne aber naja,was solls. Sich durchfudeln ist ein Skill oder mehr noch eine Grundhaltung.
    „If Its Stupid And It Works Its Not Stupid“

  2. Kai Biermann sagt:

    Danke für diesen Kommentar. Uns geht es aber vor allem um das Verhältnis Lehrer-Schüler, das ein eindeutiges Machtgefälle beinhaltet. Natürlich kann der Schüler versuchen, sich so, wie von Ihnen beschrieben, durchzumogeln. Aber er muss dabei immer mit Strafe rechnen, da er der Schwächere in dieser Beziehung ist. Wir wollten auf diese Überheblichkeit hinweisen.

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  3. Achim sagt:

    Hinzu kommt, was ich neulich irgendwo gelesen habe, aber nicht mehr finde: Die behaupteten Effekte von Hausaufgaben (im Unterricht gelerntes vertiefen und einüben etc.) lassen sich empirisch nicht nachweisen. Demnach würden von „den Griechen“ Dinge verlangt, deren Nutzen eher fraglich ist. QED.

  4. Martin Däniken sagt:

    Meine Schulzeit ist 30 Jahre her aber durchaus einprägsam in Bezug auf Subtexte und Meta-Ebenen-„Man lernt nicht für die Schule sondern fürs Leben“-wie bestimmte Machtstrukturen(Direktor,Lehrerschaft,Mutti,Gollum) mit Widerstand,Dummheit und Kollaboration umgehen. Und Durchmogeln wurde nur bei bestimmten Lehrer unter bestimmten Bedingungen bei ausgesuchten Schülern (negativ) sanktioniert. Es gab Lehrer,die das durchfummeln sportlich sahen-interessanterweise Sportlehrer!
    Mein Eindruck nach all den Jahren ist das Lehrkörper mit Selbstvertrauen und Lebenserfahrung am besten mit dem Schummeleien klarkamen.
    Und Vertrauen ist ein wichtiges Stichwort-nicht nur in Bezug aug Griechenland!
    Wer Macht hat aber kein Vertrauen,wird immer Macht einsetzen müssen um diesen Mangel auszugleichen…