Ertüchtigung

Ein getühtic rîter war im Mittelhochdeutschen ein Ritter, der etwas taugte, der sein Handwerk verstand, daher edel, tapfer und gut war. Ritterlich eben. Bis heute hat sich ein Teil dieses Wortsinns erhalten. Jemand, der als tüchtig bezeichnet wird, darf durchaus stolz auf das Geleistete sein, gilt er doch als fleißig und kenntnisreich. Und wer sich ertüchtigt, beispielsweise im Sportunterricht, der übt und trainiert sich, um besser zu werden. Leider hat das mit der E. moderner Außenpolitik wenig zu tun. Denn die politischen Ertüchtiger nutzen lediglich diese positive Bedeutung, um zu verbergen, dass sie etwas Umstrittenes im Schilde führen – um noch ein letztes Mal einen ritterlichen Bezug herzustellen. Die E. ist die Umschreibung dafür, undemokratischen Regimen Waffen und Ausrüstung zu liefern. Die entsprechenden Herrscher werden damit tüchtiger darin, Terroristen zu bekämpfen. Oder auch ihre eigene Bevölkerung zu unterdrücken. Mit Waffen geht nun einmal beides. Früher hieß so etwas einfach Militärhilfe. Doch das klang wahrscheinlich zu nüchtern oder zu ernst. Daher hat das Verteidigungsministerium lieber eine E.-sinitiative ins Leben gerufen.

Beteilige dich an der Unterhaltung

3 Kommentare

  1. Die Ertüchtiung kommt noch in einem anderen Zusammenhang immer wieder vor. Oder wie ich es formulieren: Die drei apokalyptischen Reiter moderner Wortschöpfungen: die Attraktivierung, die Revitalisierung und die Ertüchtigung. Alles drei Wörter, die im Zusammenhang mit von Stadtverwaltungen in Auftrag gegebenen Erneuerungen der Infrastruktur genannt werden. Die Ertüchtigung wird gerne bei öffentlichen Toiletten verwendet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert