Stabilitätsmechanismus, Europäischer (ESM)

Offensichtlich gibt es verschiedene Stabilitätsmechanismen, warum sonst wird hier betont, dass es um den europäischen geht? Wie wohl ein asiatischer oder ein amerikanischer S. aussehen mag? Aber beschränken wir uns auf den europäischen: Meyers Großes Konversationslexikon definiert Mechanismus als „die Einrichtung einer Maschine, mittels der eine Kraft ihre Wirkung hervorbringt, also Bewegung erzeugt und fortpflanzt.“ Das passt so gar nicht zur Stabilität, die ja das Gegenteil von Bewegung ist, nämlich die Fähigkeit, still zu stehen (stabilitas von stare ‚stehen‘). Der S. ist also ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich (wie alter Knabe oder Eile mit Weile). Durch Bewegung zum Stillstand? Und was bitte hat das alles mit dem Verleihen von Geld zu tun? Schließlich ist der ESM nichts weiter, als eine Gruppe von Leuten Finanzministern, die festlegt, welchem europäischen Land wie viel Geld geliehen werden soll. Zwar steht hinter diesem Tun die Hoffnung, dass dieses Geld vielleicht die Wirtschaft des betreffenden Landes etwas stabilisiert. Doch weiß niemand, ob das auch funktioniert. Der verzweifelte Wunsch ist hier also der Ursprung der Bezeichnung. Dabei birgt der Begriff Mechanismus einen verräterischen Aspekt: mechanisch bedeutet, wie eine Maschine zu funktionieren, also ohne menschliche Intervention: Damit überrascht es kaum, dass sich der Prozess des Geldverleihens demokratischer Kontrolle entzieht: Beim S. dürfen die Bürger nichts mehr kontrollieren, alles läuft mechanisch ab.

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Reaktionen

15 Reaktionen zu "Stabilitätsmechanismus, Europäischer (ESM)"

  1. Lukas sagt:

    Ich finde Mechanismus im technischen Sinne viel aussagekräftiger:

    Dort ist ein Mechanismus nämlich ein System was soweit eingeschränkt ist das es sich entweder nurnoch um eine Achse drehen oder lediglich in eine Richtung bewegen kann(Siehe ->Freiheitsgrad. In der Hinsicht auf dem ESM durchaus beachtenswerte Vokabel).

    Ob sich dieses System nun um sich selbst dreht oder doch Vorwärts bewegt ist nicht klar.

    In Kombination mit Stabilität wird das ganze aber absurd. Den ein Mechanismus ist per Definition Stabil. Also kann man nur Vermuten was denn hier Stabilisiert werden soll. Europa? So hat es den Anschein.

    Doch weder Umfasst der ESM ganz Europa noch hat es mit Stabilisierung etwas zu tun. Den sie tun im Grunde nichts anderes als nach Gutdünken Geld zu verteilen. Es wird sich außerdem das Recht herausgenommen über die Gewährung von Geld(eigentlich ->Schulden) frei entscheiden zu dürfen.

    Ein Staat(bzw. die Banken, ein weiterer Euphemismus) bekommt nämlich nur Geld wenn sie diktierte Verhaltensregeln befolgen. Wenn dies verweigert wird, gibt es unverholene Drohungen mit dem Rausschmiss aus der EU.

    Damit können wir nun die Eingangs gestellte Frage klar beantworten. Niemand bewegt sich vorwärts. Das ist garnicht möglich.

    Bestenfalls dreht man sich um sich selbst und dabei passiert nur eines, es bleibt Geld bei den Banken hängen. Möglich wäre auch noch ein Zentrifugal aus dem System EU herausgeworfener Staat, aufgrund von zuwenig inneren Haltekräften im Mechanischen System EU.

    EU-Geldfilter wäre also wohl eine angemessene Bezeichnung. Stabilität wird hier keinesfalls gefördert. Sondern höchstens in der Pfeife geraucht.

  2. Andre sagt:

    Vielleicht ein Gyroskop, die Mutter aller Stabilitätsmechanismen. Hat man z.B. auf jedem Flugzeugträger. Wenn das Ding kaputt ginge, ist der ganze große Flugzeugträger in Binsen.

  3. Siegfried sagt:

    Es handelt sich hier nicht um ein Oxymoron. Der Mechanismus wirkt ja nicht durch Stabilität, er soll durch sein Wirken Stabilität erzeugen. Der Autor des Artikels macht aus meiner Sicht den Fehler, dass er beide sich widersprechende Wörter auf das gleiche Objekt bezieht. Das ist aber eben nicht gemeint. Vergleichbar ist das etwa einem Bildstabilisator einer Kamera. Auch dort wirkt ein Mechanismus, der ruckelnde Bewegungen ausgleichen soll. Oder ist nach des Autors Meinung das etwa auch sprachlich falsch?

  4. Siegfried sagt:

    noch eine weitere Anmerkung: Verwirrend finde ich auch die Einleitung des Artikels. Was soll denn mit den Anmerkungen europäisch, asiatisch und amerikanisch gesagt werden? Mit dem ESM wurde ein Konstrukt geschaffen, welches finanzielle Untersützungsmöglichkeiten für die Länder der Eurozone bereitstellt. Bei eine Begrenzung möglicher Untersützung auf die Länder der Eurozone liegt aus meiner Sicht auch nahe, in die Bezeichnung das Wort europäisch einfließen zu lassen.
    Und ja, es gibt mindestens noch einen Mechanismus dieser Art. Der IWF ist ein solcher, wenn auch etwas anders konzipiert. Dieser trägt das Wort „international“ in sich, was eine weltweite Anwendbarkeit andeutet. Ist daran auch wieder irgend etwas wortfaul??

  5. Lukas sagt:

    Die Eurozone entspricht aber nicht Europa. Da liegt der Hund begraben.