Kaufzurückhaltung

Auch wenn die Zurückhaltung als bescheiden und damit als etwas Gutes gilt, hat sie doch immer auch einen abweisenden und damit negativen Unterton. Denn das Zurückhalten ist eigentlich ein unfreundlicher Akt. Die Substantivierung beschreibt das Nicht-Herausgeben einer Sache, die eigentlich jemand anderem zusteht. So ist denn auch die K. keinesfalls positiv gemeint. Die Haltung hinter dem Vorwurf der Zurückhaltung sieht es fast schon als Frechheit an, dass die Bürger weniger kaufen als erhofft und damit den Gewinn eines Unternehmens schmälern. Oder dass sie gar, wie es Spiegel Online 2009 mal schrieb, den Aufschwung „abwürgen“ – den armen, unschuldigen Aufschwung also umbringen. Sein Geld zu behalten und es nicht dem Konsum zu opfern, ist anscheinend geradezu niederträchtig. Denn Ruhe ist noch immer die erste Bürgerpflicht. Doch wird diese schon eine Weile nicht mehr per Befehl hergestellt. Dafür gibt es längst ein wirksameres Mittel: eben den Konsum. Wer einkauft, der revoltiert nicht.

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